MEDIEN-KONTOR:NOTIZEN  
Operette macht dick
Notizen


Donnerstag, November 29, 2001
Haushaltsdebatte

Als Amtsrichter brauchten Sie nicht zu rechnen. Also müssen Sie
es heute auch nicht können.


Hans-Georg Wagner, SPD-Haushaltssprecher, zum Subventionsabbau an die Adresse des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz.

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Ihr Haushalt wirkt nicht auf die Konjunktur, Ihr Haushalt erwürgt
die Konjunktur.


Jürgen Koppelin, FDP-Abgeordnete, an die Adresse von
Finanzminister Hans Eichel/SPD.

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Sie werden vier weitere Jahre auf diesen Bänken verbringen
dürfen, weil sie bisher nichts gelernt haben.


Hans Eichel, Bundesfinanzminister, an die Adresse der oppositionellen Union.

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Ein Bundeskanzler, der sich die Haare färbt, frisiert auch jede Statistik.

Karl-Josef Laumann, sozialpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, zur Arbeitslosenstatistik an die Adresse des Bundeskanzlers.



Mittwoch, November 28, 2001
Verdorbenes Wochenende


Die wahren Tragödien ereignen sich im Dunkeln. Sagt der Volksmund und der weiß sowas. Dank unserer investigativen Ader zerren wir vom Medien-Kontor aber auch solche Tragödien ans stets zu grelle Tageslicht.

Es war am Samstag, also frei und das Telefon schellte, es war der Kollege Bender und das ist generell schlecht. Er behauptete, er hätte gerade in seiner Leib- und Magenpostille, der "Apotheken-Umschau", gelesen, dass die Blondinen aussterben würden. Ich war wie vom "Unlucky Punch" getroffen, mir fiel der Hörer aus der Hand und ein Brocken Croissant aus dem Mund. Oha! Das ist ja WTC-hoch-drei-mässig. Sofort suchte ich nach meinem Blondinenverzeichnis. Rief alle an. Gesagt, getan. Darüber verging der ganze Tag. Aber alle Blondinen lebten noch. Gottseidank.

Sach mal Bender, sagte ich ins Telefon, wolltest du mich verarschen, die leben doch noch alle! War doch nur statistisch gemeint, sagte Bender. Ein Professor Friedrich Rösing, Anthropologe an der Abteilung Humangenetik der Uni Ulm, habe herausgefunden, dass vor 50 Jahren 40% der Menschheit blond waren, heute aber nur noch 14% blond sind. Diese negativ-blonde Entwicklung würde auch noch die nächsten 50 Jahre anhalten. Naja, dann habe ich es eh hinter mir.
Aber hör mal, sagte Bender, hier steht auch noch, heute sei auch nur eine von sieben Blondinen echt. Jetzt kam ich dann aber doch ins Grübeln. In Gedanken reihte sich jetzt Blondine an Blondine vor meinen gefürchteten inneren Auge auf. Also für meine Blondinen kann ich aber wirklich die Hand ins Feuer legen..., wollte ich gerade sagen, da unterbrach mich Bender: Verschone mich bitte mit den Details. Danke. Bitte.

Ich glaub, ich muss aber dringend was zur Verbesserung der Statistik tun.




Dienstag, November 27, 2001
Gefrässiges Eichhörnchen vs. listiger Engländer

Dass der Engländer ansich ein findiges Kerlchen ist, muss eigentlich nicht sonderlich erwähnt werden. Ein besonders erfinderisches Kerlchen ist jedoch Mike Madden, (48), was dann doch erwähnt werden muss.

Wie die englische "Times" am heutigen Dienstag berichtete, ist Mr. Madden nämlich der Erfinder des sog. Vogelhäuschen-Hutes. Den kann man sich aufsetzen und damit durch den Wald spazieren, und dann fliegen alle Vögel herbei und holen sich das Futter heraus, und man kann ihnen aus nächster Nähe zusehen. So hatte es sich Mr. Madden jedenfalls vorgestellt.

Freilich endete der erste Versuch mit dieser ornithologischen Geheimwaffe fast im Krankenhaus. Noch ehe sich auch nur ein Vogel hatte blicken lassen, sprang ein Eichhörnchen mit solcher Wucht gegen den im Bauernhof-Stil gestalteten Hut, dass Mr. Madden mitsamt seiner raffinierten Kopfbedeckung umgeworfen wurde. Wir waren kaum losgegangen, da machte es "Kawumm" - und ich lag auf dem Boden, berichtete Madden. Er selbst wusste gar nicht, was los war, aber sein Freund Craig Bailey berichtete ihm, ein graues Eichhörnchen sei durch die Luft auf ihn zugesegelt. Von dem Zusammenprall behielt der Vogelfreund ein Schleudertrauma zurück, so dass er jetzt für einige Zeit eine Kopfstütze tragen und Schmerzmittel nehmen muss.

Ob Mr. Madden seine Erfindung jetzt als Eichhörnchenhaus-Hut patentieren lassen möchte, ist noch nicht klar.



Montag, November 26, 2001
Teamwork ist, ...

"... wenn alle sehr, sehr engagiert das tun, was Michael Frenzel will."

Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Führungsstil des Preussag-Chefs Michael Frenzel anlässlich der heutigen Eröffnung der Berliner Repräsentanz des Unternehmens.




Glaube. Liebe Hoffnung

Zitate vom Wochenende.


Mein Stuhl in Köln ist aber sicherer.

Ewald Lienen, Trainer des 1. FC Köln, nachdem er bei der Pressekonferenz nach dem 2:1 beim FC St. Pauli einen kaputten Stuhl erwischt hatte, von dem er nur noch knapp über die Tischkante gucken konnte.

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Quatsch nicht so viel, trainier' lieber.

Dieter Krein, Präsident von Energie Cottbus, zu Stürmer Sebastian Helbig, als der nach dem 0:0 gegen Stuttgart gerade Interviews gab.

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Ich bin zwar etwas am Boden zerstört, aber nicht so, dass ich die Flügel hängen lasse.

Eduard Geyer, Trainer von Energie Cottbus, nach dem 0:0 gegen Stuttgart.

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Die Nordallianz ist weder eine Demokratie-Initiative noch der militärische Arm der afghanischen Frauenbewegung.

Steffi Lemke, Bundestagsabgeordnete, am Samstag beim Grünen-Parteitag in Rostock in ihrer Begründung zur Ablehnung des Krieges in Afghanistan.

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Ich lasse mir auch von der PDS nichts über Pazifismus erzählen.Nicht von einer Partei, die die höchste Offiziersdichte in Deutschland hat.

Kerstin Müller, Grünen-Fraktionschefin, am Samstag in ihrer Rede auf dem Rostocker Parteitag.

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Das ist mehr als religiöser Pannendienst.

Johanns Rau, Bundespräsident, am Samstag beim Tag der Ehrenamtlichen in der Telefonseelsorge in Mainz.

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Glauben Sie ernsthaft, dass Rudolf Scharping ohne den 11. September noch im Amt wäre ? - Dieser Don Juan aus dem Westerwald.

Peter Müller, CDU-Chef Saarland, am Samstag auf dem CDU-Landesparteitag in Saarbrücken.

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Wir lassen uns das Nachdenken nicht verbieten - schon gar nicht von irgend einer Richtlinienkompetenz.

Claudia Roth, Grünen-Parteichefin zu Bundeskanzler Gerhard Schröder.

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Lieber Koalitionspartner: Du solltest nicht vergessen, dass eine Koalition eine politische Ehe auf Gedeih und nicht auf Verderben ist.

Claudia Roth, Grünen-Parteinchefin, zur SPD.

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Bla, Bla, Bla... .

Zwischenruf einer Delegierten bei der Roth-Rede.

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Wenn "taz", die Springer-Presse und das "Neue Deutschland" uns tot schreiben wollen, dann müssen wir doch etwas richtig gemacht haben.

Joschka Fischer, Bundesaußenminister, zur Kritik in der Presse.

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Wir biegen uns, dass es kracht.

Hans-Christian Ströbele, Bundestagsabgeordneter und Gegner des Bundeswehreinsatzes im Afghanistan-Konflikt zu den Kompromissen mit der SPD.

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Wir wollen nicht streitbar sein als Bodenkampftruppe von Gerhard Schröder.

Dorothe Kroll, Grünen-Delegierte aus Euskirchen.



Freitag, November 23, 2001
Singapur. Ein Tag fürs stille Örtchen: Mit dem Welttoilettentag, für den sich die Welttoilettenorganisation (WTO) bei ihrem ersten Gipfel in dieser Woche in Singapur den 19. November auserkoren hat, soll alljährlich für bessere und schönere Klos geworben werden. Das Bewusstsein, dass gute Toiletten unentbehrlich sind, müsse weltweit gestärkt werden, betonte WTO-Gründer Jack Sim zum Abschluss des Treffens am Mittwoch.

"Wir wollen, dass die Menschen über Toiletten sprechen und das Tabu brechen", erklärte Sim. Durchschnittlich gingen die Menschen sechs Mal am Tag aufs WC, 2.000 Mal im Jahr. Daher müssten ansprechende Toiletten einfach ein Thema sein. Die WTO will unter anderem auch die Bevölkerung in Entwicklungsländern mit hygienischen Anlagen versorgen. 40 Prozent aller Menschen hätten noch nie Toiletten mit Spülung benutzen können, sagte Sim.

"Wir sind im 21. Jahrhundert, aber die Versorgung mit Toiletten ist zurückgeblieben, weil sie ein Tabuthema ist", beklagte Sim. Der Erfolg des Treffens in Singapur sei jedoch ein erster Schritt, das Schweigen zu durchbrechen.

Zum Ende ihres ersten Gipfels legten die bislang 17 Mitglieder eine Erklärung mit fünf Zielen vor, darunter die Verbreitung von Informationen über das stille Örtchen und den Einsatz für eine schönere Umgebung der Toiletten. Die WTO-Mitglieder verpflichten sich weiter zu einer "harmonischen Zusammenarbeit für bessere Toiletten für alle Menschen der Welt". Auch Zweckmäßigkeit und Design waren Thema bei der dreitägigen Konferenz. Um sich ein Bild von dem Angebot ihres Gastgebers zu machen, tourten die Delegierten auch durch die Toiletten Singapurs.


Weitere Informationen unter www.worldtoilet.org





Donnerstag, November 22, 2001
Las ich doch gerade in einem Text "Und der Hausmeister weibelte durch die Veranstaltung". Huch, "weibeln"? Was soll das denn heißen? Ist vielleicht "waigelte" gemeint, nach dem Bundesfinanzminister a.D. Theo Waigel?
Ein Hausmeister also, der gerade einen Schattenhaushalt anlegt? Oder die Schüler am Schulkiosk betrügt?
Nach Stunden des meditativen Büroschlafs endlich die Lösung: In der Eidgenossen-Armee heißt der Unteroffizier Feldweibel. Und der weibelt seine Leute.

Ich glaub, dass mache ich jetzt auch mal.

Bender! Haltung! Zum Rapport! Marsch!



Mittwoch, November 21, 2001
Was die Presse schreibt, entscheidet die Presse, nicht die Staatsanwaltschaft.


Jörg Angerer, Staatsanwalt, am Dienstag im Koblenzer Kokain-Prozess gegen Christoph Daum zum Vorwurf der Verteidigung, die Anklage würde sich gezielt für die Medien inszenieren.



Dienstag, November 20, 2001
Unter Kollegen

Ein armer Kerl, der Kollege Leopold. Von Schicksalsschlägen geplagt, sucht er sein Erfolgserlebnis Woche für Woche im Bundesliga-Tip. Eine Weile mag dies gutgehen. Doch nun geschieht, was geschehen muß: Der Fußball-Sachverstand setzt sich durch, das Glück bleibt in der Kabine.

Da greift der Kollege flugs zu Weisheiten, beschwört der Welten Untergang. Aus welchen Gründen er nun die Wahrheit herausfordert, soll sein Geheimnis bleiben. Die Gerechtigkeit - eine andere Tugend - siegt eben am Ende doch. Und nicht immer nur die Bayern.

Jedoch: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Oder: "Nach der Halbzeitpause ist vor der Halbzeitpause" wie Rainer Bonhof sagen würde.

Dies zum Trost und mit kollegialem Gruß,



Ein Internum

Journalismus hat ja auch was mit Wahrheit zu tun. Oder sollte es zumindest. Und häufig trägt diese Wahrheit den Vornamen "bittere". Dennoch fühle auch ich mich dieser Wahrheit verpflichtet. Daher gebe ich folgendes zu:

Der wertgeschätzte Kollege Bender führt derzeit nach dem 13. Spieltag der Bundesliga im kontor-internen Fußball-Toto mit 69:65 Punkten vor dem unglücklichen Schreiber dieser Zeilen. Aber: Jedes Spiel dauert ja 90 Minuten. Oder so. Und am Ende siegt die Gerechtigkeit. Es bleibt also noch Hoffnung. Allerdings sind Wahrheit und Gerechtigkeit bekanntlich nicht miteinander verwandt.



Montag, November 19, 2001
Glaube, Liebe, Hoffnung.
Unsere Zitate vom Wochenende:


Ich hoffe, sie springen nicht aus dem Fenster. Dann kann ich sie nicht aufhalten.

Franz Müntefering, SPD-Generalsekretär, am Samstag in Berlin über den Streit in der Grünen-Partei.

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Wenn Bin Laden gefasst würde, hätte er natürlich Anspruch auf eine rechtsstaatliche Verteidigung.

Otto Schilly, Bundesinnenminister und ehemaliger Rechtsanwalt, am Sonntag im Hotel Adlon.

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Klaus Toppmöller kommt gut an bei den Schlauen, bei den Doofen, bei den Intelligenten und den weniger Intelligenten.

Reiner Calmund, Manager von Bayer Leverkusen, am Samstag im DSF.

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Es gibt viele wunderbare Dinge an Amerika, aber es gibt auch ein großes Loch im Nachrichtenfluß"

Arundhati Roy, indische Schriftstellerin, im ZEIT-Interview (47/2001).

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Haltet ein! Immer langsam!

Georg W. Bush, US-Präsident, an die Nordallianz in Afghanistan.
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Wir fühlten uns sicher.

Véronique Rebeyrotte, Überlebende eines Taliban-Angriffes, bei dem drei Journalisten ums Leben kamen.



Diana Krall ist eine schöne Frau. Das alleine reicht ja bereits, um mein Herz schneller tickern zu lassen.
Diana Krall ist aber nicht nur eine schöne Frau, sondern auch eine blonde. Und das ist blutdrucktreibend. Nun ist Frau Krall nicht nur schön und blond, nein, sie spielt auch noch ganz famos Klavier. Und singen kann sie auch, leuchtend und leicht lasziv. Man(n) muss sich das vorstellen, eine schöne & blonde & jazzklavierende & jazzsingende Frau. Das ist meine neue Definition für: Perfekt.

Es läuft mir warm den Rücken runter, wenn sie in Peel me a grape singt:

New Thunderbird me, you heard me

I’m getting hungry, peel me a grape.


Frau Krall, sollten sie hier mitlesen, seien sie gewiss, ich würde alles für sie schälen – sogar eine Pampelmuse.



Samstag, November 17, 2001
Gleich in dem Moment in dem ich aussteige merke ich, dass es ein Fehler ist, gerade in diesem Ort anzuhalten. Aber ich brauche eine Pause, die Vibrationen des hochgezüchteten Motors haben sich bereits auf meine Hände übertragen. Ich sitze nun vor einem Friseurladen an einem namenlosen Kanal, an einem namenlosen Ort, an einer Straße, die nur eine Nummer trägt. Ich will nur eben 10 Minuten Rast machen, um das Gewicht von den Beinen und das Zittern aus den Händen wieder loszuwerden. Mir gegenüber ein Hotel und einige Läden; alles verliert sich rasch, endet, wie es begann - ohne Grund. Ich bedauere aus tiefster Seele die armen Teufel, die hier geboren werden und sterben. Es gibt nicht den geringsten Grund, warum dieser Ort existieren sollte, es gibt nicht den geringsten Grund, warum diese staubige Landstraße ausgerechnet hier Seitenstrassen entwickeln sollte. Kein Grund, warum jemand über die Straße gehen, sich frisieren oder sogar ins Hotel einschreiben sollte. Leider sind keine Einheimischen zu sehen, sonst würde ich sie anbrüllen: Leute, kauft Gewehre und bringt euch gegenseitig um! Brennt diesen Ort nieder! Tilgt diese Strasse für immer aus meiner Erinnerung - es ist nicht eine Spur Sinn in ihr!