MEDIEN-KONTOR:NOTIZEN  
Operette macht dick
Notizen


Freitag, Dezember 28, 2001
Von Total-Nieten
"Neue Ohrfeige für die Pop-Diva", beginnt FOCUS ONLINE einen Artikel über Maria Carey. Fokussiert wird aber nicht - wie man leicht denken könnte - die eigene Überschrift ("Total-Niete Maria Carey"). Gemeint ist vielmehr der böse Plattenkonzern. EMI "will die 31-Jährige offenbar fallen lassen", schreibt nämlich die Los Angeles Times in Ihrer Mittwochsausgabe. Und das findet das "Deutschland-braucht-ein-zweites-Nachrichtenmagazin" derart schlimm, das es ihm selbst vor der eigenen Verunglimpfung der Sängerin nicht graut. "Carey hatte im Juli einen Nervenzusammenbruch und Anfang September einen Rückfall erlitten.", schreibt FOCUS ONLINE weiter. Und ist nun vermutlich gespannt, wie sich der Gesundheitszustand der Dame nach einer solchen Presse entwickelt. Foto


Alle Jahre wieder....!?!
...bricht direkt nach Weihnachten erneut der Schweiß aus: Kaum ist das Fest der Liebe und Besinnlichkeit überstanden, steht Silvester vor der Tür! Aber wieder ist keine Silvester-Einladung ins Haus geflattert, und wieder verspricht das öffentliche Angebot DIESER Region keine rauschende Nacht. Mittlerweile schmücken schon hektische Flecken die Hals-Partie der Gepeinigten. Die Rettung ist offensichtlich: Kalles charmanter Freund wird trotz dessen Bettlägerigkeit besucht! Also fix die Spiele ab 3 Personen entstaubt und den eigenen Besuch avisiert. Aber was ist das? Anstelle des erwarteten "Ich freue mich", dringt nur ein Märtyrer-Knurren durch die Leitung. "Hallo? Falsch verbunden?" Spiele in die Schublade und zu zweit ins neue Jahr? Oder läßt sich der Krankende etwa noch umstimmen? Vielleicht mit einem Gläschen Feuerzangen-Bowle oder einer Pyjama-Party. Noch bleiben drei Tage. Zeit genug für einen Stimmungswechsel. Hoffe ich...


Teddybär Juhnke
Die "Neue Revue", Fachblatt für Demenz, bringt es ans Licht: Harald Juhnke fühlt sich im Pflegeheim nicht wohl! Aufgrund seiner Altersschwäche wurde der 72-jährige Entertainer vor vier Wochen in den "Katharinenhof" eingeliefert. Dort fühlt er sich aber "wie im Kindergarten" und hält Zwiegespräche mit seinem Teddy. "Das gefällt mir nicht, das sind ja alles alte Leute", grantelt der Frank Sinatra deutscher Showbühnen und schließt trotzig: "Hier habe ich nichts verloren." Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, denkt man im Umfeld des größten deutschen Entertainers nun über eine Verlegung in den "Marienhof" nach. Lauter nette Leute in Juhnkes Alter. Der soll in der beliebten Vorabendserie einen Laden für Teddybären eröffnen.
"Die NEUE REVUE berichtet über Menschen, Menschen, Menschen! 'Große' Geschichten über 'kleine' Menschen und 'kleine' Geschichten über 'große' Menschen - und immer öfter exklusiv -, denn nichts ist so interessant wie der Mensch."


Donnerstag, Dezember 27, 2001
"Der Araber an sich...
... ist ein potentieller Verbrecher!" Derartige Gedankengänge scheint zumindest die Sicherheitskräfte ziviler amerikanischer Fluggesellschaften umzutreiben. Verweigerten Sie einem arabischstämmigen US-Bürger doch gestern, zu George W. Bush nach Texas zu fliegen. "Richtig so!", schäumt die verletzte Volksseele unserer amerikanischen Brüder und Schwestern. Zu dumm: Es handelte sich nicht um einen weiteren "Shoe bomber", sondern einen Leibwächter des US-Präsidenten. Da kann schließlich jeder kommen und sich als Mitarbeiter des Secret Service ausweisen.


Schuhe
Amerikanische Medien sind schnell. Besonders wenn es darum geht, Ihren Zielgruppen komplexe Zusammenhänge möglichst simpel zu erläutern. Bereits unmittelbar nach der Festnahme eines mutmaßlichen Attentäters an Bord des American-Airlines-Flugs 63 in der vergangenen Woche standen die wichtigsten Dinge schnell fest:
1. Es bestehen nicht die geringsten Zweifel, daß diese niederträchtig aussehende Gestalt sich an amerikanischem Eigentum vergehen wollte.
2. Derart furchterregend aussehenden Personen sollte per se das Betreten von Flug- und anderem Zeug untersagt werden.
3. Sein Name: "Shoe bomber".
So einfach! CNN: bitte erklär mir die Welt!


Samstag, Dezember 15, 2001
Anruf aus der Betty-Ford-Klinik

"Klinikleitung, guten Tag!"
"Tag!"
"Dieser Herr Leopold..."
"Ja?"
"...ist Ihr Kollege, nicht wahr?"
"Kann ich nicht abstreiten. Ist er wohl, ja!"
"Muß der nicht mal wieder arbeiten? Ich meine: Sie kommen alleine zurecht? So ganz ohne ihn."
"Ich bin zufrieden. Warum?"
"Nur so, ich wollte nur mal fragen..."
"Irgendwas nicht in Ordnung mit ihm?"
"Er ist putzmunter, bloß das Personal..."
"Ja?"
"Also, Sie kommen zurecht, ja?"
"Ja, sagte ich doch bereits. Was stimmt denn nicht?"
"Nun ja, die Schwestern..."
"Ah, o.k., jetzt verstehe ich!"
"Ja..."
"Ich hole ihn ab, in Ordnung."
"Heute noch?"
"Wenn´s sein muß..."
"Ja, dann schönen Tag noch!"
"Tag auch!"




Mittwoch, Dezember 05, 2001
Verehrte Leserinnen, geehrte Leser, DamenundHerren.

Zeit für eine Auszeit. Meine jährliche Generalüberholung in der Betty-Ford-Klinik steht unmittelbar bevor. Drücken Sie mir dafür die Daumen und/oder Sonstiges. Ich kann das gebrauchen.

Das Kontor-Szepter reiche ich für diese Zeit an den Kollegen Bender weiter:
Bender, übernehmen Sie!

Drücken sie ihm dafür die Daumen und/oder Sonstiges. Er kann das gebrauchen.


Mit freundlichen Grüßen,


Ihr



Dienstag, Dezember 04, 2001
Das hätten wir ja nicht gedacht, nicht für möglich gehalten hätten wir dies. Es gibt Resonanz. Und wie! Und was für welche!

Gut, an die abfälligen Kommentare in den Spalten der deutschen Feuilletons sind wir ja mittlerweile gewöhnt (FAZ: Eskamotesque Wortspielereien promisk lebender Spätpubertierender / ZEIT: Der zynische Pesthauch des neudeutschen Nihilismus webt und wabbert in jeder Zeile. Sind wir bald wieder soweit?). Aber das es auch positive Reaktionen geben könnte, hätten wir uns nicht träumen lassen.

Seit meinem kleinen Bericht über die aussterbende Blondinenbevölkerung (s. Logbuch-Eintrag vom 28/11/01) und der Schilderung meines Vorhabens, dagegen etwas zu tun, flattern uns 1000sende von Briefen ins Haus, waschkörbeweise Bewerbungen. (Ich lasse sie gerade vom Kollegen Bender in den vierten Stock tragen, das tut seinem Bauchumfang mal ganz gut). Alles Briefe von Blondinen, die meinen Schrecken teilen und auch was gegen das Verschwinden der echten Blondheit tun wollen. Und zwar: Mit mir!

Briefe sogar aus so entlegenen Gegenden wie Saarbrücken und Somalia (letzterer Ort stimmte mich dann aber doch misstrauisch, ob der Echtheit der Blondine). Viele Bewerberinnen haben Passphotos oder Ganzkörperportraits beigelegt, andere sogar BHs oder knapp bemessene Höschen. Wir könnten damit einen eigenen Wäsche-Kontor eröffnen. Keine Sorge, tun wir aber nicht, kommt alles in die Trophäensammlung und die Anschriften ins mächtig angewachsene Blondinenverzeichnis.

Da unsere Kapazitäten aber derzeit ziemlich erschöpft sind und wir nicht sofort alle Briefe persönlich beantworten können, hier zwei Anmerkungen:

1. Haben wir die Blondinen-Statistik nicht selber gefälscht, wissen also nicht, ob sie stimmt.

2. Bin und bleibe ich dann doch lieber Blondinenstatistikverbesserungstheoretiker. (Dieser Begriff ist übrigens als Wortmarke geschütztes Eigentum der Fa. Medien-Kontor GbR).


Sollten Sie aber, liebe Blondinen, die Statistikverbesserung selbst in die Hand nehmen wollen und dafür noch praktische Ratschläge oder Übungen zur Körperertüchtigung brauchen, stehe ich Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite.


Herzlichst, Ihr



Montag, Dezember 03, 2001
Glaube, Liebe, Hoffnung.

Zitate vom Wochenende


Man kann auch sagen: Das haben sie nun davon, dass sie uns 5:1 geschlagen haben.

Michael Skibbe, Bundestrainer, zum Lospech der englischen Nationalmannschaft.

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Wenn man in der Gruppe nicht weiterkommt, kann man zusperren.

Franz Beckenbauer, sog. Lichtgestalt, zum Losglück der deutschen Nationalmannschaft.

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Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine Gelbe Karte bekommen.

Rainer Calmund, Manager Bayer Leverkusen, zur Kartenflut im Spiel gegen Bremen.

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Eine Woche lang im Süden, eine Woche lang die Mutti nicht gesehen. Die Heimfahrt wird angenehm.

Hans Meyer, Trainer von Mönchengladbach, über das 1:1 in Stuttgart.

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Die letzten vier Kämpfe waren alle drei klasse.

Sven Ottke, Box-Weltmeister, nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung.



Samstag, Dezember 01, 2001
Tragisches Tor
Stürmer werden beim Fußball an den Toren gemessen. Alte Fußballa-Weisheit. Dass der Torschuss bzw. der Torjubel aber auch unangenehme Folgen haben kann, musste der argentinische Nationalstürmer Martin Palermo erfahren. Nachdem er im Pokalspiel das 1:0 für seinen Verein, den spanischen Erstligisten CF Villarreal, gegen die Mannschaft von UD Levante geschossen hatte, rannte Palermo zwecks Jubelarie zur Fankurve seines Clubs. Auch dort natürlich großer Jubel. Die Villarreal-Fans liefen spontan nach vorne, eine Zementbarriere fiel um und auf Palermos Beine. Ergebnis: Knöchelbruch. Dumm gelaufen. Foto


Haushaltsdebatte 2

Das war die Bilanz von Opa Hans.

Dietrich Austermann, CDU/CSU-Haushaltspolitiker, zum Abschluss der Haushaltsberatungen über Finanzminister Hans Eichel.

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Einen Boom gibt es nur noch in der Schattenwirtschaft. Das ist die Bilanz.

Wolfgang Gerhard, FDP-Fraktionschef, zum gleichen Thema.