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Notizen |
Dienstag, April 30, 2002
Aus der Polizeiarbeit: Spurensicherung Einen delikaten Einsatz hatte die Spurensicherung der Polizeidirektion Sigmaringen (Baden-Württemberg). In einem der Streifenwagen war auf der Rücksitzbank ein verdächtiger Fleck gefunden worden. Der Leiter der Direktion ließ den Fleck untersuchen, weil er ein Verhältnis eines Beamten und einer Beamtin vermutete. Demnach äußerte der Polizeichef gegenüber dem Revierführer seinen Verdacht auf Sex im Streifenwagen - der vermeintliche Sportfleck erwies sich aber als harmlos. Die betroffenen Beamten haben ihren Chef wegen Beleidigung und übler Nachrede angezeigt. Der Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft.
Umfrage: Sex und Liebe Nur eine Minderheit der deutschen Männer bekennt sich zu Sex ohne Liebe: 87 Prozent antworteten in einer repräsentativen Umfrage, dass Liebe zum Partner Voraussetzung für Geschlechtsverkehr ist, wie die Info-Illustrierte "Focus" berichtet. Mit ihrem Liebesbedürfnis stehen die Männer den Frauen nur wenig nach, bei denen 92 Prozent die Liebe als Bedingung für Sex nannten. Für 62 Prozent der Frauen und 38 Prozent der Männer sind Petting, Schmusen oder Küssen die "wichtigsten sexuelle Verhaltensweisen". Am feurigsten sind die Menschen im hohen Norden: 28,8 Prozent der Befragten gaben an, mehr als zwei Mal pro Woche Geschlechtsverkehr zu haben. Eher spröde sind dagegen die Menschen in den neuen Bundesländern: Brandenburg, Sachsen und Thüringen belegen selbst in dieser Umfrage die letzten Plätze. 'Focus" beruft sich bei seinem Bericht auf eine Umfrage der Forschungsstelle für Sexualwissenschaft der UniversitätKoblenz-Landau. Befragt wurden 2.405 Personen zwischen 14 und 92 Jahren im gesamten Bundesgebiet. Montag, April 29, 2002
Mmmmh lecker In Europa gibt es ja gewisse Vorurteile gegen die asiatische Küche. Affenhirn und Katzen-Ragout sind aber auch nicht jedermanns Sache. Diesen Vorurteilen möchten die Südkoreaner jetzt bei der in rund vier Wochen beginnenden Fußball-WM mit einer PR-Aktion entgegentreten. Jeder westliche Besucher eines Stadions hat demnach das Anrecht, sich mit einem Becher Saft zur Erfrischung zu verköstigen: Frisch gepresster Hundefleischsaft. "Wir haben die Absicht, den europäischen Zuschauern Hundefleischsaft während der Spiele gratis auf ihren Plätzen anzubieten. Ich bin sicher, die Fans werden das Getränk mögen. Es soll Coca-Cola ersetzen", so Choi Han-Gwon, Chef des Südkoreanischen Verbandes zum Verzehr von Hundefleisch.
Fußball-Kolumne Rumänien Ein Negativ-Rekord wurde am Samstag in der rumänischen Fußball-Liga aufgestellt: Das Erstligaspiel zwischen Universitatea Craiova und UM Timisoara wollten ganze zwei zahlende Zuschauer erleben. Dazu kamen noch 27 nicht-zahlende Zuschauer, die von 50 Polizisten bewacht wurden. Die Partie des 23. Spieltages endete bezeichnenderweise 0:0.
Glaube, Liebe Hoffnung Zitate vom Wochenende Der Tag hat sich gelohnt. Jetzt bekomme ich noch fünf Euro, weil ich den Koffer zum Bus trage. Samstag, April 27, 2002
Freitag, April 26, 2002
Keine Trockenübung Eine junge Schwedin hat ihre Zahnbürste verschluckt. Wie die Stockholmer Zeitung "Metro" berichtete, wollte die 26-Jährige aus Danderyd mit der Bürste einen Juckreiz im Hals bekämpfen. Dabei habe sie das 18 Zentimeter lange Instrument dann verschluckt: "Die Bürste verschwand einfach irgendwie im Rachen", wird das Zahnbürstenopfer zitiert. Aus versicherungstechnischen Gründen möchten wir darauf hinweisen, dass dieser bedauerliche Unfall in keinem Zusammenhang mit der von uns veröffentlichten "Men's Health"-Studie über Schluckimpfungen (siehe Notiz vom 22/04/02) steht. Aus Gründen der Pietät wollen wir ebenfalls Gerüchten entgegentreten, dass es zwischen dem Verschlucken der Zahnbürste und dem Unfalltod der "Deep Throat "-Darstellerin Linda Lovelace einen Zusammenhang gibt. Die von der schwedischen Presse kolportierten Zitate einer Nachbarin der jungen Schwedin ("Sie hat gesagt: Was die kann, kann ich schon lange.") halten wir für böswillige Verleumdung. Donnerstag, April 25, 2002
Wir sind ja sehr innovativ. Vielleicht erfinden wir dann das Spaghetti-Brötchen. Der Vorstandsvorsitzende der Kamps AG, Heiner Kamps, in Düsseldorf zur Zusammenarbeit mit dem Barilla-Nudel-Konzern.
Was häufig vergessen wird: Die Anlage läuft bis heute wie geschmiert. Der langjährige Kölner Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes (SPD) am Mittwoch vor dem Spenden-Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Kölner Müllverbrennungsanlage, bei deren Bau Schmiergelder geflossen sein sollen.
Die Gedanken sind Brei Sehr lesenswerter Artikel von Bernd Graff in der SZ: Insofern also ist eine in aller Buttersemmeligkeit erstarkte FDP nur das Sumpfblüten-Phänomen der gegenwärtigen Politik-Malaise, auf der ein Guido surfen kann wie auf seiner Westerwelle. Die Ideologie-Schwäche der nur auf persönliche Wirksamkeit und Medienpräsenz bedachten Anderen ist die vermeintliche Stärke der politischen Adabeis, für die das Klappern immer schon Geschäft war. Nur da sind sie Profis. Mittwoch, April 24, 2002
Die Kunst, die hier zu sehen ist, eignet sich nicht zur Staffage. Sie regt an und - da bin ich mir sicher und von meiner Frau vorbereitet - sie wird auch für Aufregung sorgen....die Kunst meine ich. NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) bei der Eröffnung des Ständehauses in Düsseldorf als neuer Ausstellungsort für Gegenwartskunst.
Trends Tolle Überschrift im "Observer". Cath Rapley schreibt über die neuen Trends bei den Schamhaar-Frisuren und nennt den Text gekonnt Pubic Relations. Das gefällt mir, also die Überschrift jetzt, den Rest finde ich affig.
Skat ertüchtigt nicht Obgleich das Skatkloppen den Kreislauf immens anzuregen vermag, dient es nach Auffassung der Bundesregierung doch nicht der "körperlichen Ertüchtigung". Auf dieses Merkmal als Voraussetzung für die Gemeinnützigkeit sportlicher Betätigung könne aber nicht verzichtet werden, erklärte sie in einer vom Pressedienst des Bundestags verbreiteten Antwort auf eine kleine Anfrage der PDS. Eine Ausnahmeregelung für das Skatspiel sei nicht geplant. Die PDS hatte wissen wollen, ob Skat nicht als "Denksportart" anerkannt und Skatvereine deshalb als gemeinnützig und steuerbegünstigt gefördert werden könnten. Dienstag, April 23, 2002
Das war kein Mensch, das war ein Lehrer. Der Kölner SPD-Bundestagsabgeordnete Konrad Gilges im Parteispenden-Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Begründung dafür, dass er zum ehemaligen Schatzmeister der Kölner SPD, Manfred Biciste, keinerlei persönlichen Kontakt hatte.
Umfrage: Bush for chancellor? Jeder fünfte Deutsche könnte sich vorstellen, dass Georg W. Bush der bessere Bundeskanzler wäre. Das ergab eine repräsentative Emnid-Umfrage der Hamburger-Zeitschrift "P.M. Biografie". 55 Prozent der 1.000 Befragten halten Bush sogar für "sehr intelligent". Jeder zweite Deutsche glaubt, dass Bush junior ein ehrlicher Mensch und ein treuer Ehemann sei. 12 Prozent der Befragten waren so verwirrt, dass sie dem US-Präsidenten sogar eine erotische Ausstrahlung bescheinigten.
Umfrage: Neuschrieb? Knapp sechs Jahre nach dem Beschluss der Rechtschreibreform ist der Widerstand dagegen einer Umfrage zufolge weiter groß. Mehr als 56 Prozent der Befragten bezeichneten sich einer repräsentativen Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge als Gegner der Reform. Die Zahl an Befürwortern habe von Anfang an bei etwa zehn Prozent gelegen und seitdem nicht um einen einzigen Prozentpunkt hinzugewonnen. Inzwischen sage jeder dritte Befragte, die Reform sei ihm egal, 1997 seien es lediglich 20 Prozent der Befragten gewesen, berichten die Meinungsforscher weiter. Nur 25 Prozent gaben an, sie hätten sich bis heute auf die neue Rechtschreibung umgestellt. Befragt wurden l.073 Personen in Deutschland ab 16 Jahre. Montag, April 22, 2002
Die israelische Tageszeitung "Maariv", Tel Aviv, zum Wahlausgang in Frankreich: Wie tief kann das Land von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit noch sinken? Das "Mutterland der Menschenrechte" sollte künftig etwas zurückhaltender sein, wenn es anderen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft Moral predigt. Die Führer der französischen Linken, die noch vor zwei Wochen mit Schildern demonstrierten, auf denen der Davidsstern dem Hakenkreuz und Scharon mit Hitler gleichgesetzt wurden, werden jetzt ihre Augen öffnen müssen. Das Hakenkreuz ist offenbar näher an ihrem eigenen Heim, als sie glauben wollten.
Via Pressemitteilung erklärt heute "Men's Health", das naturwissenschaftliche Fachmagazin aus Hamburg, dass häufiger Oralsex die Schwangerschafts-Chancen bei Frauen mit Empfängnisschwierigkeiten deutlich erhöhe. Das beunruhigt mich jetzt aber, hatte ich doch die Geschichte mit dem Schwangerwerden ganz anders in Erinnerung. Bin ich da rein gelegt worden ? Ich komme ins Grübeln. Zu Ihrer Beruhigung: Vom Grübeln kann man nicht schwanger werden.
Glaube, Liebe, Hoffnung Zitate vom Wochenende Wenn die Leverkusener in den noch ausstehenden zwei Spielen Manager Calmund ins Tor stellen, holen sie noch die nötigen vier Punkte zur Meisterschaft. Freitag, April 19, 2002
Von der Polizeibehörde in Siegburg wird uns berichtet, dass dort Kakerlaken eine Rolle spielen. Der CDU-Abgeordnete Theo Kruse am Donnerstag im Innenausschuss des Landtag in Düsseldorf über den Zustand der Polizeibehörden in NRW. Bei den beobachteten Kakerlaken kann es sich nur um Agenten der Abteilung 6 (Verfassungsschutz) handeln.
Technik, die begeistert: The Phraselator Die "Washington Post" berichtet in ihrer Ausgabe vom 16. April vom Einsatz neuester Technik beim Kampf der amerikanischen Armee in Afghanistan. The Sept. 11 terrorist attacks placed new urgency in going from crude prototype to fully functioning PDA. That meant working through four prototypes to smooth out the audio system and its power source - it runs on rechargeable or AA batteries - and input a versatile library of phrases like "Hello, may I help you" and "Stop or I'll shoot," played in sound files of native speakers. Ein Gerät, das ich zu gerne einmal testen würde. Testsätze wären unter anderen "Smoke em out", "Where is your sister?", "Do u know, where is Osama, I wanna invite him to a Dinner Party", "And now: You are under attack", "Oh sorry, it' s just friendly fire" sowie das beliebte "You' r dead". Donnerstag, April 18, 2002
Reden Klar, Politiker haben es schwer. Müssen andauernd Reden halten und immer was sagen, was dann auch noch originell sein soll, aber doch unverfänglich. Um das zu gewährleisten unterhält jeder Politiker einen Stab von Redenschreibern. Denen fällt aber häufig auch nix ein und dann schreiben sie von einander ab, oder wechseln einfach nur die Namen aus und schon passt die Rede wieder. Blöd nur, wenn das dann so ausfällt: Teamwork ist, wenn alle sehr, sehr engagiert das tun, was Michael Frenzel will. Teamwork ist, wenn alle sehr, sehr engagiert das tun, was Ferdinand Piëch will. Sollten wir vom Kontor auch mal was zu feiern haben, laden wir uns auch den Kanzler ein, im Wahlkampfjahr geht ja so einiges. Und dann möchte ich folgenden Satz hören:
Nachtrag Stoibers Edmund besuchte letzte Woche Bushs Georg Walker. Und als Gast bringt man ja ein Geschenk mit. In diesem Fall schenkte der bayerische Gast einen großen Elefanten aus weißem Porzellan. Eine klare Angelegenheit für alle lustigen SAT-1-Witzeschreiber. Achtung: Elefant und Porzellan. Haha. *Tusch* Mittwoch, April 17, 2002
Mit offener Schadenfreude oder unter Krokodilstränen berichtet die britische Presse in der letzen Zeit öfters vom Niedergang Deutschlands. Anfangs ein Phänomen, dass besonders die Sportseiten diverser angelsächsischer Zeitungen erfreute, doch jetzt legt auch die Wirtschaftspresse nach. Ein Beispiel. Die Londoner Wirtschaftzeitung "The Business" (Sonntagsausgabe): Die deutsche Wirtschaft ist in stetigem, relativem Niedergang begriffen. Die einst so stolze Deutschland AG ist von Sklerose befallen. Jede Woche beweist erneut das Ausfasern und Dahinsiechen des deutschen Modells. Sogar in einem Wahljahr wissen die Politiker nicht, was sie dagegen tun sollen. Der Niedergang ist noch nicht so schrecklich und das Elend nicht annähernd so bedrückend - und doch: Der scheinbar unaufhaltsame Abwärtstrend und die Unfähigkeit der politischen Klasse, den Mut und die richtigen Wege zu finden, um den Niedergang aufzuhalten, erinnert in trauriger Weise an das Großbritannien der 70er Jahre. Das Informationszeitalter ist eben unternehmerisch, individuell, dynamisch, ständig wechselnd, unvorhersehbar - alles das, was das deutsche Modell nicht ist.
Aus einem Artikel des "Guardian" (Ausgabe vom 13.April) über "Dreams": In the dream I was on a huge industrial lift with open sides, rising up through an enormous warehouse. As it slowly rose, each floor was labelled with a human emotion of quality. We passed "Love" and "Fame", clanked past "Wisdom" and "Wealth", watched as "Peace" and "Happiness" disappeared below. Which floor did I get off? The one labelled "Beer", of course. Of course.
Lowest Ebb Das stets lesenswerte Magazin des "New Yorker" widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe dem Geld, eine "money issue" also. Dass auch Multimillionäre wie etwa Stephen King ("Cone Head") mal pleite gewesen sind, liest man ja doch gerne, schöpft man daraus doch (unberechtigte) Hoffnungen für ein zukünftiges Wohlbefinden des eigenen Kontos. Weiterhin Texte vom Mary Karr ("College Try"), Lilian Faderman (Take It All Off"), Denis Johnson ("Homeless and High"), Dagobert Gilb ("Spanish Guy") und Joyce Carol Oates ("Bound") über die Momente der Lowest Ebb. Dienstag, April 16, 2002
Man wir älter Wie immer wenn ich durch das fiese Köln gehe, überwältigt mich die Lust, mal wieder in einen offenen Dreier BMW zu kotzen. Als Jugendlicher machte man das ja ganz gerne. Und im fiesen Köln gibt es eine reichhaltige Auswahl an Objekten, die zu einer Bekotzung einladen. Das Problem ist, früher wurden diese Fahrzeuge von goldkettchenbehangenen Minipliträgern gefahren, deren Bierplautze eine erfolgreiche Verfolgung meiner hurtigen Person verhinderte. Heute jedoch ist das um Kotze bettelnde Dreier Cabrio das beliebteste Fortbewegungsmittel von kölschen Jungtürken in Gangstawear. Und die sehen verdammt flink aus. Und ich bin nicht mehr so schnell wie früher. Also lasse ich es bleiben und bin freundlich zu offenen Dreier BMWs. Man wird älter. Montag, April 15, 2002
Glaube, Liebe, Hoffnung Zitate vom Wochenende Jetzt wollen wir nur hoffen, dass die Kölner nicht noch einmal aus dem Sarg springen. Samstag, April 13, 2002
Medio tutissimus ibis Wenn die Kanonen anfangen zu donnern, stirbt als erstes stets die Wahrheit. Eine Erfahrung, die bei jedem Konflikt immer deutlicher wird. Und es scheint dabei zu nehmend egal, ob es sich bei dem Kriegführenden um eine westliche Demokratie oder um ein autoritär geführtes Land handelt. Im Umgang mit der Presse und damit auch mit dem Versuch einer Öffentlichkeit ein "wahres" Bild zu präsentieren, nähern sich die Methoden aller Konfliktparteien weltweit an. Egal welche Grundwerte die Parteien ansonsten vertreten, egal, ob die Pressefreiheit in der Verfassung festgeschrieben steht oder nicht. Der Sprecher des israelischen Außenministeriums war hörbar wütend. "Ich würde Ihnen wirklich nicht "Schädliche Wahrheit, ich ziehe sie vor dem nützlichen Irrtum. Wahrheit heilet den Schmerz, den sie vielleicht uns erregt". (Goethe, in: Vier Jahreszeiten)
Eben weil ich keine Ahnung von Atomkraftwerken habe, nehme ich die Einladung nach Temelin nicht an. Wenn man mir sagen würde, das sei eine Bäckerei für Außerirdische, würde ich das glatt glauben. EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen am Freitag in der südböhmischen Stadt Ceske Budejovice, in deren Nähe das umstrittene Atomkraftwerk Temelin steht. Freitag, April 12, 2002
Harte Zeiten Sehr hart ist es, wenn mann gerade in seiner schwarzen Flunder sitzt, bei schönstem Braunwerd-Wetter durch ein fernes Land flitzt und neben sich eine angenehm-hellblonde Blondine sitzen hat, aus der CD-Player-Konsole Bowies phantastische Live-Aufnahme von "Wild is the wind" rauscht, mann merkt, dass mann nachdenklich-kritisch beäugt wird und auf ein schönes Wort hofft und dann aber hören muss: "Ich glaube, Du bekommst graue Haare!" Arrrggghhh. Welch ein fieser Hieb auf den Solar Plexus. So einfach, lässig aus der Hüfte geschossen. So zielsicher und Achtung, versenkt. Sehr hart ist es, wenn mann dann entgegnet, dass dieser Augenschein doch täusche, dass dieser Augenschein nur zustande gekommen ist, da die Sonne in einem so ungünstigen Winkel einstrahle, also haartechnisch jetzt. Und überhaupt die Lichtverhältnisse ... und wenn mann dann merkt, dass diese sehr wahren Gegenargumente nur in das fröhlich-finstere Loch eines übergroßen Grinsens im Gesichte der angenehm-hellblonden Blondine fallen und dort unwahrgenommen verschwinden. Sehr hart ist es, wenn mann dann hört, dass mann doch mal das Haarshampoo "sheer blonde" nutzen solle, da dieses angeblich einen Zauber auf die weniger-blonden Haare hätte, aber keine Tönung, aber durchaus empfehlenswert sei und mit nur 10 Euro doch sogar vergleichsweise günstig und so. Sehr hart ist es, wenn mann dann schnippisch äußert, dass mann das doch nun wirklich nicht nötig habe und das Grinsen der angenehm-hellblonden Blondine nur noch spöttischer wird, was mann nicht für möglich gehalten hat. Sehr hart ist es, wenn mann dann ein paar Tage nach diesem Knock-out in der Drogerie seines Vertrauens ist und etwas länger als sonst vor dem Regal mit den Shampoos verharrt und die bewährten Marken Guhl und Pantene Pro einen nicht mehr so anlächeln wie sonst. Und wenn sich dann plötzlich eine bis dato ungenutzte Zauberlotion in den Einkaufskorb einschmuggelt hat und mann sich dann nach dem Bezahlen einredet, dass er dieses Shampoo doch nur gekauft habe, da es eine Probe mit Conditioner umsonst dazu gab. Auch wenn mann eigentlich gar nicht weiß, was ein Conditioner ist. Dabei lag das doch wirklich nur an den haartechnisch-ungünstigen Einstrahlungen der Sonne. In echt. Ick schwöre! Donnerstag, April 11, 2002
Guter Dänen-Leiter Aus einem Leitartikel der von mir geschätzten linksliberalen Kopenhagener Tageszeitung "Information" zur israelischen Politik im Nahost-Konflikt: Der Staat unter Scharon handelt in genauso stupider, gefährlicher und verwerflicher Weise, wie der Antisemitismus immer gewesen ist und bleibt. Damit wird die Achtung des klassischen jüdischen Humanismus vor Leben, Eigentum und Existenzrecht anderer beschmutzt. Einfach und prägnant auf den Punkt.
Kolumne: Neues von Astra Ploiesti Der rumänische Fußball-Erstligist Astra Ploiesti hat seinen eigenen Zuschauer-Negativrekord gebrochen. Für das auf neutralem Boden in Brasov ausgetragene Pokal-Viertelfinalspiel gegen Ceahlaul (2:1) verkaufte der Klub fünf Eintrittskarten und damit noch zwei weniger als im Ligaspiel im November gegen Gloria Bistrita. Kurz nach Anpfiff des Duells öffnete der gastgebende Klub die Stadiontore, um noch ein paar Fans zu locken. Rund 100 nutzten die Gelegenheit. Die Kartenkäufer erhielten ihr Geld allerdings nicht zurück. Mittwoch, April 10, 2002
Zum möglichen Einstieg von Silvio Berlusconi oder Rupert Murdoch bei Kirch schreibt die linksliberale britische Zeitung "The Guardian" (London): Ohne Zweifel würde es Murdoch gefallen, wenn er Brüssel nicht nur vom britischen Rand her, sondern aus dem Zentrum Europas heraus bekämpfen könnte. Noch größere Probleme würden sich ergeben, wenn der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi die Kontrolle übernehmen würde. Es hätte Berlusconi nie erlaubt werden dürfen, ein Land zu regieren und dessen größte Mediengruppe zu behalten. Die Übernahme von Medien eines Nachbarstaates würde bedeuten, dass Berlusconi Mittel bekommen würde, um seine EU-Partner unter Druck zu setzen. Wenn es dem Kontinent damit ernst ist, seine Bürger vor übermäßiger Wirtschaftsmacht zu schützen, dann sollten die europäischen Wettbewerbsbehörden Versuche eines jeden dieser beiden Medienmogule zur Zerschlagung von Kirch verhindern.
...weil ich nie die Tochter einer anderen war, habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Isabella Rossellini, Schauspielerin und Ex-Top-Model, am Dienstag in Düsseldorf auf die Frage, wie sie sich als Tochter der weltbekannten Schauspielerin Ingrid Bergman fühle.
Wir sind froh, dass diese Irrfahrt durch Nordeuropa ein derart gutes Ende genommen hat. Der Einsatzleiter der Lüneburger Polizei, Hans Reime, zum Ende der Geiselnahme von Wrestedt. Die drei Geiselnehmer waren vom mitteleuropäischen Wrestedt bis in die osteuropäische Ukraine geflüchtet.
Dialog Das ist die Bayern AG, die dort gehandelt hat. Die Tabellenletzten sollten sich erst einmal um ihre eigenen Belange kümmern, wenn sie die Spitzenreiter angreifen wollen. Dienstag, April 09, 2002
Anleitung Journalistendarsteller: Politikerdarsteller: Journalistendarsteller: [optional für TV/Radio: "Zurück nach [hier bitte Studio-Standort einsetzen]" Montag, April 08, 2002
Die Deutschen köpfen alles was kommt, sei es nun ein Ball oder ein Sack voller Steine. Die spanische Tageszeitung "El País" in ihrer Vorschau zum CL-Viertelfinal-Rückspiel zwischen Real Madrid und Bayern München über die Spielkunst deutscher Fußballer. Freitag, April 05, 2002
Vom Storch, ungebraten In Vetschau ist die Welt noch in Ordnung. Hier werden die Kinder noch vom Storch gebracht. Als ich daran noch glaubte, war die Welt um vieles einfacher - aber auch weniger interessant. Wo die Störche ihr Nest bauen, sterben keine Frauen im Wochenbett, sagt das Sprichwort. Daher jetzt bitte Störche schauen. Aber nicht stören, denn: Lass die Störche klappern, es ist ihr Gesang.
Sinnfrage Die Sinnfrage stellt sich fast jeder mal. Sogar ich hin und wieder auch. Auch oder gerade hier im übrigen. Aber eine Antwort möchte man auf seine Sinnfragen ja eigentlich doch nicht haben. Würde man eine Antwort bekommen, wäre das meistens ja doch zu ernüchternd. So verschanzt man sich dann doch lieber hinter der Frage ansich, wodurch ein gewisser Sinngehalt zumindest als theoretische Option noch erhalten bleibt. Erhalten möchte die Sinnfrage auch der obskure Tuves - Theoretisch unbegrenzter Verein zur Erhaltung der Sinnfrage. Die Sinnfrage wird auf der seltsamen Seite des Vereins garantiert nicht angetastet - man sollte sie aber auch nicht stellen. Donnerstag, April 04, 2002
Wort-Strom Hier bei the stream kann man Wörter einwerfen, wie Papierschnipsel in einen Fluß, irgendwer wird sie dann finden und lesen oder auch nicht. Ob das Sinn macht ist eine Frage, die man nicht stellen sollte und was die Worte der anderen bedeuten sollen und wo der Kontext eigentlich ist, bleibt unklar. Aber das geht einem ja häufig bereits mit den eigenen Worten schon so.
Opfer-Gesellschaft Sehr lesenswerter Artikel von Harald Welzer in der NZZ vom 03/04/02. Seit dem Erscheinen von Günter Grass' Novelle über die Versenkung der «Wilhelm Gustloff» durch einen sowjetischen Torpedoangriff gilt es nicht mehr als anstössig, sondern geradezu als notwendig, von den Leiden und Opfern der Deutschen in und nach dem Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Viele Kommentare zu diesem Buch waren von einem fast hörbaren Aufatmen durchdrungen, so als sei Grass ein Befreiungsschlag gegen das jahrzehntelang gültige Verdikt gelungen, im Angesicht von Auschwitz sei von deutschem Leid besser zu schweigen. Wenn es mit Rudolf Augstein nun endlich «wieder angebracht» scheint, der eigenen Opfer zu gedenken, dann markiert das in der möglichen Tendenz nicht nur eine neue Unbefangenheit der eigenen Geschichte gegenüber, sondern zugleich einen Umbau der deutschen Erinnerungskultur: von der Täter- zur Opfergesellschaft. ( weiter lesen) Mittwoch, April 03, 2002
Metz Fünf Euro die Stunde, Parkhaus a la Francais. Wahrscheinlich die Währung vertauscht. Jemandem ein € für ein F vormachen, oder so. Also reingefahren. Nur dicke Wagen deutscher Provenienz im französischen Parkhaus. Der kleine Porsche dämmert im Schatten der S-Klasse. * Die Roma-Bettelkinder vor der St.Etienne-Kathedrale von Metz mustern die touristischen Neuankömmlinge und begrüßen diese fachkundig in deren Heimatsprache. Ein "Gut Tag" gibt es für mich, ich gebe trotzdem nix. Zu einfach bei mir, dass mit der Begrüßung. Das nächste Mal bitte in Dänisch oder Niederländisch, ein Irrtum, der mir die Spendierhosen animieren würde. * In der Kathedrale wieder mal verwundert, wozu religiöser Fanatismus die Leute befähigt. Diesmal positiv. Lange nach oben geschaut, Heiligen Geist wieder nicht gefunden, dafür aber Schwindel. Ein so schmales Schiff in solche Höhen zu ziehen, ohne das es umfällt. Chapeau. * Das Wichtigste haben die dem Gotentum verpflichteten Kathedralenbauer aber vergessen: Es gibt keine Orgelempore. Seltsam, dies. Dafür hässliche 70er-Jahre Orgel ins rechte Seitenschiff deplaziert. Chapeau wieder zurück. * Vor den Chagall-Fenstern bade ich ein wenig im Blau. * Der dicke schwitzende deutsche Abziehbild-Tourist schaut auf meine genauso dicke, aber nicht schwitzende Nikon und erklärt mir: Ohne Blitz jibt dat doch nix! Und blitzt fröhlich mit seiner Ritsch-Ratsch-Klick in das reflektierende Glas. Ich sag nix, halte die Luft an: Eine Sekunde aus der Hand belichtet. So geht das. * Auslöser und Blende der Nikon machen mehr Lärm in der stillen Kirche, als zehn Sucherkameras gleichzeitig. Das gefällt mir. Ich mache noch ein paar sinnlose Photos, nur um das mechanisch-schöne Geräusch zu hören. Kameragebete. * Vor dem Portal verscheucht ein einheimischer Bettler die Roma-Kinder. Revierwilderei, sein empörter Vorwurf. * Fußgängerzone: Die französische Antwort auf "McDonalds" heißt doch nicht "Quick", sondern "Flunch". Was "Flunch" wiederum heißt, weiß ich nicht. * Zurück im Parkhaus: Empört festgestellt, dass die fünf Euro die Stunde doch kein Druckfehler waren. Im Preis mit inbegriffen: Eine von Hundepisse benetzte Fahrertür. War bestimmt ein französischer Pudel. Die Hundepisse mit zwei Litern Evian von der Tür gespritzt. * Merksatz für Hunde: Bewegliche Güter wie etwa Autos zwecks Revierabgrenzung zu bepissen, ist Urinverschwendung. Damit wäre das auch geklärt. |