MEDIEN-KONTOR:NOTIZEN  
Operette macht dick
Notizen


Freitag, Mai 31, 2002
Heiner Link
Gestern abend verstarb bei einem Motorradunfall in der Nähe von München der von mir sehr geschätzte Schriftsteller Heiner Link. Link, Jahrgang 60, veröffentlichte u. a. die Anthologie "Trashpiloten", den Roman "Hungerleider", die Humoreskensammlung "Affen zeichnen nicht" und eine Sammlung von weitgehend im Internet geschriebenen Texte in "Mein Jahrtausend". Sollten Sie in den nächsten Tagen die Möglichkeit haben eine Buchhandlung aufzusuchen, kaufen bzw. bestellen Sie bitte die oben genannten Werke. Sie werden keine Zeile bereuen.
Quem di diligunt, adolescens moritur. Welch ein kläglicher Trost. Nie wieder Sandflohhändler. Mach's gut, Heiner.

Jedenfalls gestern, ich komme grad vom Büro, den Kopf voller Bürogedanken, als ich also bei uns zu Hause angewackelt komme. Wie ihr sicher wißt oder in der Wochenschau gesehen habt, wackeln wir mit den Tragflächen wenn wir was runtergeholt haben. Schon im Garageneinfahrtsbereich werde ich von meiner ebenfalls aufgeregten Tochter abgefangen. Was war geschehen? Heizstab durchgebrannt! Meine Tochter war beunruhigt, weil die Fische in ihrem Aquarium schon den ganzen Tag »so weit oben geschwummen sind«.
Noch dazu verkehrt herum.
Mein schwacher Einwurf, Fische würden eben auch bald jeden Tag anders schwimmen, konnte sie nicht beruhigen. Ich stürzte also hinauf ins Kinderzimmer mit Ostblick. Meine Tochter hatte schon das Wasseraufbereitungsmittel hergerichtet, das ich natürlich sofort zusetzte, um meinen Willen zur Schadensbegrenzung unmißverständlich zu dokumentieren. Ich will es ja jedem recht machen.
Meiner Frau zuliebe pinkle ich zum Beispiel nur noch im Sitzen. Ich meine, immerhin müssen wir heute darunter leiden, daß unser Kanzler eine schlechte Kindheit hatte. Einmal angenommen, meine Tochter würde die erste bundesrepublikanische Kanzlerin werden und müßte ewig das Trauma der toten Fische aushalten, was käme da schon dabei raus? Zwergkaninchen brauchen keinen Heizstab, ohne Pragmatismus ist das Überleben in der kleinsten staatlichen Keimzelle schwierig. Wenn die Zwergkarnickel hin sind, kauf ich ihr Wüstenhasen. Schließlich bin ich Sandflohhändler.

[Aus: Heiner Link: Affen zeichnen nicht. Reclam Leipzig 1999]





Klare Worte
Zum NATO-Russland-Gipfel in Rom schreibt die linksliberale britische Zeitung "The Guardian":

Noch stärker als George W. Bush hat Wladimir Putin sein politisches Schicksal mit dem "Krieg gegen den Terrorismus" verbunden. Er kann sogar behaupten, dieses Schlagwort erfunden zu haben, als er 1999 mit der Invasion Tschetscheniens begann, um die russischen Wähler vom wirtschaftlichen Fiasko der Jelzin-Jahre abzulenken. Indem der US-Präsident ein ähnliches Programm verfolgt, ist er wahrlich ein Verbündeter Putins. Das Traurige ist nur, dass der Rest der NATO bei diesem Unsinn offenbar mitmacht.
"Da draußen steht ein gemeinsamer Feind", verkündete NATO-Generalsekretär George Robertson gestern - offenbar erleichtert, dass die Allianz eine neue Rechtfertigung für ihr Bestehen gefunden hat. Die NATO täte besser daran, zu überprüfen, ob "globaler Terrorismus" wirklich existiert und ob es keine intelligenteren und effektiveren Wege gibt, mit grundverschiedenen Gruppen verzweifelter Menschen umzugehen, als eine Modernisierung des Arsenals an High-Tech-Waffen.




Tod einer Vorabveröffentlichung
Das Manuskript des neuen Romans von Martin Walser, "Tod eines Kritikers" ist nach Verlagsangaben zum gegenwärtigen Zeitpunkt "nicht zitierfähig". Durch die jetzigen Zitate in der FAZ sei es aber "in einem Zustand in der Welt, in dem wir es nie in der Welt haben wollten", sagte Suhrkamp-Verlagsleiter Günter Berg der Tageszeitung "Die Welt". Der Verlag werde versuchen, das Erscheinen des Buches von August auf Juni vorzuziehen, wolle "aber dem Drängen des Autors, es jetzt sofort zu publizieren, einen Moment widerstehen", so Berg. Der Verlag müsse den Eindruck vermeiden, "dass das Ganze eine zynische Marketingaktion war".
Mit den Worten "Martin Walser ist nicht der Möllemann der deutschen Literatur" wies Berg die gegen Walser gerichteten Attacken zurück. In diese Rolle könne ihn auch nicht der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher drängen. Es habe im Suhrkamp Verlag wie bei jedem Manuskript auch in diesem Fall Diskussionen gegeben. "Den Generalbass Antisemitismus hat es aber dabei nicht gegeben", sagte Berg. Im übrigen sei man schließlich ein Verlag und keine Zensurbehörde.
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Wenn Sie alle Sätze, die irgendwo geschrieben werden, immer projizieren auf den Hintergrund Holocaust, dann werden Sie ziemlich viele Sätze sehr komisch finden, das kann ich Ihnen sagen.
Der Schriftsteller Martin Waiser im NDR-Interview über die Vorwürfe der FAZ, sein neuer Roman sei antisemitisch.


Mehr Geld und nicht wieder alte Computer in Entwicklungsländer schicken, wenn es dort überhaupt keinen Strom gibt.
Forderung der niederländischen Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit, Evelyn Herfkens, nach mehr Hilfe für Bildung in den ärmsten Ländern der Welt.
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Ich war früher ein zorniger junger Mann, heute bin ich ein zorniger Alter.
Oswalt Kolle (73), "Sex-Aufklärer", in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel".
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Es wäre gut für Deutschland, wenn die Amtszeit von Bundeskanzlern auf zwei Amtsperioden begrenzt würde. Danach ist ihr Zustand so, dass sie sich einer anderen Aufgabe zuwenden sollten - zum Beispiel im Deutschen Fußballbund oder in einem Jagdverband.
FDP-Vize Jürgen Möllemann auf einer Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend in Frankfurt (Oder).
*
Herr Westerwelle ist ein Virtuose auf der Klaviatur der Zeitgeistes, Jürgen Möllemann ist Experte für die gesellschaftliche Windrichtung.
Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main, Salomon Korn, am Mittwoch im Deutschlandsfunk zum Antisemitismus-Streit zwischen FDP-Vize Jürgen Möllemann und dem Zentralrat der Juden.




Donnerstag, Mai 30, 2002
Terror-Check
Man kann ja nicht vorsichtig genug sein, in diesen Zeiten. Sie wissen ja: Vorsicht, Feind hört mit. Und häufig ist der Feind viel näher und besser getarnt, als Sie es vermutet hätten. Ist vielleicht doch Ihr Nachbar ein Terrorist, oder der seltsame Kollege, der nie in die Mittagspause geht, während sie stundenlang in der Kantine hocken? Das ist verdächtig. Halten Sie die Augen offen.
Um Ihnen die Suche nach den Terroristen etwas zu erleichtern, möchte Medien-Kontor Sie hiermit auf diesen Terroristen-Check hinweisen: Is your Neighbor a terrorist? Mit raffinierten und gezielten Fragen können sie Ihrem terroristischem Nachbarn die Gut-Menschen-Maske vom Gesicht fetzen:
Does your neighbor prefer to read books, instead of watching television?
Read Books? Sehr verdächtig!
Have you ever seen your neighbor riding a bicycle when they should be driving a car?
Use a bike? Noch verdächtiger!
Da heißt es dran bleiben und Augen und Ohren offen halten.

Übrigens haben wir nach dem ausgiebigen Studium der WM-Beilage der BILD-Zeitung herausbekommen, dass Franz Beckenbauer an einem 11. September auf die Welt gekommen ist. Ebenso auch Theodor W. Adorno, was freilich nicht in der BILD stand, aber trotzdem sehr verdächtig ist.
Ganz klar, das ist eine neue Spur.




Umfrage: Neid
Wenn es um Neidfaktoren geht, ticken Männer und Frauen völlig anders: 17 Prozent der Frauen ärgert es, wenn andere besser aussehen, wie eine Umfrage ergab. Dagegen stören sich nur 5 Prozent der Männer an schönen Geschlechtsgenossen. Umgekehrt sind 19 Prozent der Männer neidisch auf den Karriereerfolg anderer Bei Frauen nur 14 Prozent, wie eine Umfrage unter 1.056 Bürgern im Auftrag der Hamburger Zeitschrift "Laura" ergab. Unterschiede auch beim Geld: 31 Prozent der Männer neiden anderen Menschen ein dickes Bankkonto, von den Frauen nur 25 Prozent.
Wir wurden ja nicht befragt, aber wir geben gerne zu: Wir ärgern uns, wenn andere schönere Frauen haben, wir ärgern uns, wenn andere mehr Geld haben, wir ärgern uns überhaupt ganz gerne. Aber neidisch? Wir doch nicht.



Kanon
So, hier ist sie also, die überhaupt nicht lang ersehnte und absolut überflüssige Literatur-Kanonliste des deutschen Großkritikers Marcel Reich-Ranicki.

Johann Wolfgang von Goethe: "Die Leiden des jungen Werther"
Johann Wolfgang von Goethe: "Die Wahlverwandtschaften"
E.T.A. Hoffmann: "Die Elixiere des Teufels"
Gottfried Keller: "Der grüne Heinrich"
Theodor Fontane: "Frau Jenny Treibel"
Theodor Fontane: "Effi Briest"
Thomas Mann: "Die Buddenbrooks"
Thomas Mann: "Der Zauberberg"
Heinrich Mann: "Professor Unrat"
Hermann Hesse: "Unterm Rad"
Robert Musil: "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß"
Franz Kafka: "Der Prozess"
Alfred Döblin: "Berlin Alexanderplatz"
Joseph Roth: "Radetzkymarsch"
Anna Seghers: "Das siebte Kreuz"
Heimito von Doderer: "Die Strudlhofstiege"
Wolfgang Koeppen: "Tauben im Gras"
Günter Grass: "Die Blechtrommel"
Max Frisch: "Montauk"
Thomas Bernhard: "Holzfällen"

Sie vermissen einige entscheidende Werke der deutschen Literatur? Okay, wir auch. Aber Teil zwei folgt sicherlich bald ... .




Mittwoch, Mai 29, 2002
Camouflage?
Unschöne Szenen gab es bei den letzten Weltmeisterschaften in Frankreich zu beobachten. Deutsche, englische und holländische Hooligans zerlegten ganzen Innenstädte und schlugen den französischen Gendarm Nivel zum Krüppel. Das muss nicht sein, dachten sich deshalb die japanischen WM-Veranstalter und verschenkten T-Shirts an rechtschaffene Zuschauer. Auf den Leibchen steht in englischer und japanischer Sprache: "I'm not a hooligan!".
Die kluge Kampagne hätte in dieser Form auch vom Deutschen Fußball Bund stammen können (etwa "Ich bin kein Biertrinker").
Der Erfolg der pfiffigen Anti-Gewalt-Kampagne war durchschlagend. Als die ersten Japaner das T-Shirt bei Ligaspielen trugen, wurde sofort die Polizei aufmerksam. Aufgeregt funkten die Wachtmeister in die Einsatzzentrale: "Verdächtige Personen entdeckt." Und einen dringenden Verdacht hatten die Polizisten auch schon: "Möglicherweise Hooligans! Geschickt getarnt!"



Dienstag, Mai 28, 2002
Transfer-Dollar
Der russische Autor Viktor Jerofejew beschreibt in der heutigen Ausgabe der FAZ das russische Verhältnis zum Westen nach dem Bush-Besuch:
Zwar ist uns der Dollar von allen Währungen die liebste. Doch mit Dollars kauft die russische Mittelklasse deutsche Autos, isst in italienischen Restaurants und schluckt dazu französischen Cognac. Amerika ist reicher, aber Europa dem Herzen näher.



Der Storch bei den Störchen
Der beliebteste Vogel im deutschsprachigen Internet ist nicht der Linux-Pinguin, sondern die als "Internetstörche" bekannt gewordenen Adalbert-Familie von Vetschau. Und bei denen ist jetzt noch mal der Storch vorbei gekommen. "Nabi" heißt das zweite Küken, das am frühen Montag im Nest geschlüpft ist. Es folgte auf "Envi", das sich am Sonntag schon nach 30 Tagen, zwei Tage früher als normal, aus dem Ei pellte, wie das Weißstorch-Informationszentrum in Vetschau (Oberspreewald-Lausitz) mitteilte. Der Namen "Nabi" soll eine Ehrung für die Leistungen des Naturschutzbundes Deutschland sein, der sich NABU abkürzt. "Envi" wurde nach dem Sponsor des Internetnestes, dem Energieunternehmen Envia, benannt. Im Abstand von zwei Tagen sollen jetzt noch drei weitere Küken schlüpfen, wie Storchenbetreuer Winfried Böhmer sagte. Storch-Babys gucken.



"Ohne Holland ..."
Die ganze Welt befindet sich derzeit im Fußball-Fieber. Die Weltmeisterschaften stehen vor der Tür und die Fußballeritis grassiert. Die ganze Welt? Nein. Ein kleines aber fußball-technisch spielstarkes Volk stemmt sich gegen den Fußballwahn. Die Niederlanden haben sich nicht qualifiziert und deswegen offensichtlich den WM-Boykott beschlossen. Da hilft es dem kränkenden Nationalgemüt der Orangen auch nicht viel, dass sich die beiden Erzfeinde des Landes von Tulpen und Käse ebenfalls in Krisen befindet. Die "Moffen" genannten Deutschen haben einen spielschwachen und verletzungsgeplagten Kader, die als "Frieten" verhöhnten Belgier entfachen kurz vor Turnierbeginn eine Trainerdiskussion über Nationalcoach Robert Waseige. Aber beide Erzfeinde sind qualifiziert, die Käsköppe halt nicht.
Und das spiegelt sich im Interesse an dem am Freitag beginnenden wichtigsten Sportereignis der Welt nieder. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts NFO-Trendbox zufolge, planen rund 70 Prozent der sonst so begeisterungsfähigen Nation, die Spiele nicht im Fernsehen zu verfolgen.
Verstärkt wird das Aussätzigengefühl noch durch öffentliche Schmähungen von Harald Schmidt und Stefan Raab, spöttischen Werbekampagnen wie "Mitten drin, statt nicht dabei" (dsf) oder "WM ohne NL" (Mars). Und natürlich durch den jetzt bei jeder Gelegenheit in Deutschland zu hörenden Schlachtruf "Ohne Holland fahren wir zur WM, ohne Holland ...".
Die Reaktionen in Holland reichen von wütenden Protesten bis hin zur vereinzelten Einsicht, dass sich die holländischen Schmähgesänge nach der deutschen EM-Katastrophe gegen Portugal 2000 ("Schade, Deutschland, alles ist vorbei, Schade Deutschland ...") halt irgendwann rächen mussten.
Um den Verliererstachel im holländischen Fleisch noch ein bißßerl tiefer zu schieben, haben deutsche Fußballfans jetzt auch noch die Site ihrseidnichtdabei geschaltet. Dort gibt es unter anderem auch eine Spielecke, in der man trotz fehlender WM-Qualifikation mit "Oranje" gegen Deutschland antreten kann. Freilich ist Holland auf verlieren programmiert.


Montag, Mai 27, 2002
Sprachpanscher 2002, Kandidaten-Kür
Jedes Jahr vergibt der Dortmunder Verein Deutsche Sprache die Auszeichnung "Sprachpanscher des Jahres". Am vergangenen Wochenende stellte der Gründer des Vereins, Walter Krämer, die diesjährigen Kandidaten vor.

Kandidat 1
Uli Hoeneß, Manager des deutschen Fußball-Rekordmeisters Bayern München.
Hoeneß belehrt über "Ups And Downs", "Cash Flow", "Ranking" und lässt seine Balltreter bei Auswärtsspielen im "Away Shirt" antreten.

Kandidat 2
Postchef Klaus Zumwinkel, der für Bezeichnungen wie "One Stop Shopping", "Global Mail", "Easytrade" und die Paketgrößen von "Small" bis "Extra Large" verantwortlich ist.

Kandidatin 3
Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, wurde für ihre Warnung "You Cannot Rewind Your Life" nominiert.

Kandidat 4
Alexander Erdland, Vorsitzende der Bausparkasse Schwäbisch Hall, der eine Bauzeitschrift mit dem
Titel "House And More" aufpeppen wollte.

Kandidatin 5
Bärbel Höhn, NRW-Umweltministerin.
Die Grüne- Politikerin bezeichnete artgerechte Tierhaltung als "Easy Going" und Obst und Gemüse als
"Flower Power".

Der "Sieger" des Wettbewerbs wird am 30. August bekannt gegeben. Der Verein Deutsche Sprache
besteht seit 1997, hat rund 13.000 Mitglieder und bekämpft die Vermischung des Deutschen mit dem Englischen (sog. "Denglisch").
"Sprachpanscher 200l" war der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, Wolfgang Zocher, der Totengräber in "Funeral Master" umbenannt hatte.




Umfrage: Lieblingsthema
Jeder zweite Mann wünscht sich eine Frau, die beim Sex die Initiative ergreift. Das geht aus einer repräsentativen Umtrage des Meinungsforschungsinstituts Gewis im Auftrag der Frauenzeitschrift "Laura" hervor. Zwei von drei Männern (68 Prozent) glauben demnach außerdem, dass eine Frau dann gut im Bett ist, wenn sie voll und ganz auf die Wünsche des Partners eingeht. Nicht einmal jede zweite Frau (42 Prozent) konnte sich allerdings vorstellen, dass das bei den Männern gefragt ist.
Leichte Unterschiede gibt es zwischen Mann und Frau offenbar auch bei der Einschätzung von "gutem Sex": Während es für fast alle Frauen (86 Prozent) entscheidend ist, dass beide Partner einen Orgasmus haben, glaubten das bei den Männern mit 77 Prozent weniger. 16 Prozent aller Männer (Frauen: 9 Prozent) reicht es aus, wenn sie selber den Höhepunkt erleben. Im gleichen Maße unsicher sind Mann und Frau aber bei der Einschätzung ihrer eigenen "Sex-Qualitäten": 53 Prozent der Frauen und 54 Prozent der Männer sind nicht sicher ob sie "gut im Bett sind".
Befragt wurden insgesamt 1038 Männer und Frauen zwischen 25 und 45 Jahren.



Glaube, Liebe, Hoffnung
Zitate vom Wochenende

Wenn ich gewinne, werde ich trinken. Ich weiß zwar nicht, was, aber auf jeden Fall eine Menge.
Die lettische Grand-Prix-Siegerin Marie N in der vergangenen Woche auf die Frage, was sie im Falle eines Sieges beim Eurovision Song Contest tun würde.
*
Das Wahlprogramm von Edmund Stoiber enthält so viel heiße Luft, dass man damit ganz Bayern einschließlich der Alpen beheizen könnte.
Wolfgang Clement, NRW-Ministerpräsident, auf der Parteikonferenz zum Wahlkampfauftakt seiner Partei am Sonntag in Duisburg.
*
Wie kommt nur jemand auf die Idee, sich an seinem Hochzeitstag hinter Decken zu verbergen?
Die enttäuschte Engländerin Janet Damant (57) zu dem Umstand, dass sich Claudia Schiffer auf dem Weg zu ihrer Trauung hinter Decken versteckte, um nicht gesehen zu werden.
*
Vielleicht war ihr kalt.
Vermutung der 72-jährigen Rentnerin Betty Pearson zu dieser Fragestellung.




Freitag, Mai 24, 2002
Bundle
Beliebt ist ja das Ergebnis der Was-lesen-die-noch-die-dieses-Buch-gekauft-haben-Funktion bei Amazon.
Gibt man zum Beispiel
"Mein Kampf"
ein, erfährt man, das Mein-Kampf-Leser angeblich auch sehr gerne den "Herrn der Ringe" von Tolkien bei Amazon bestellt haben. Darüber hinaus auch noch das Bürgerliche Gesetzbuch. Als besonderen Leckerbissen bietet Amazon daher derzeit ein sog. Bundle an: "Mein Kampf" und das BGB, zusammen zum Sonderpreis. Wer wohl auf solche tumben Ideen kommt? Mir fallen gleich noch andere tolle Bundle ein: "Das Kapital" und die Bibel, oder Marquis de Sade und "Kochen wie bei Muttern". Und, und, und.





Einige von unserer politischen Konkurrenz haben die Hosen so voll, dass sie überall Braunes sehen.
Jürgen Möllemann, NRW-Fraktionschef der Spaß-Partei FDP, in Düsseldorf zu dem Vorwurf, er fische am "rechten Rand" nach Wählerstimmen.



Quasselkröte
In Wien gibt es etwa 300 000 bis 400 000 Menschen, von denen jeder überzeugt ist, dass er die Staatsoper Wien besser leiten kann als die gegenwärtige Spielleitung. Es gibt auch sehr viele Menschen, die fest davon überzeugt sind, sie könnten den Kanon besser machen als ich. Und ich bin gar nicht anderer Ansicht: Vielleicht haben sie Recht.
Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in Frankfurt bei der Vorstellung seiner Taschenbuch-Edition mit den 20 wichtigsten deutschsprachigen Romanen.
Die 20 wichtigsten deutschsprachigen Roman, da lachen ja die Ranicki-Hühner, welch eine Anmaßung. Könnte man denken, aber eigentlich geht es wie gewohnt nur um Geldbeutelschneiderei. Und da zieht der Name des Großkritikers eben wie kaum ein anderer.



Mittwoch, Mai 22, 2002
Pragmatisch
Die ecuadorianische Zeitung "El Universo" informiert über eine politische Pause in ihrem Heimatland.
Die ecuadorianische Nationalmannschaft nimmt zum ersten Mal in der Geschichte an einer Weltmeisterschaft teil. Aus diesem Grund hat das ecuadorianische Parlament die Tage zwischen dem 4. Juni und 4. Juli als Urlaubstage deklariert, um unentschuldigte Fehlstunden der Politiker während der Weltmeisterschaft zu vermeiden, wie der Präsident der legislativen Kammer José Cordero erklärte.



Dienstag, Mai 21, 2002
G. Walker B.
Einen weiteren Beweis seines unglaublichen Bildungsvorsprungs gab US-Präsidenten-Darsteller Georg Doppeldoof Bush bei einem Empfang des brasilianischen Präsidenten Fernando Enrique Cardoso. Beim Thema Minoritäten und soziale Probleme fragte er seinen Amtskollegen völlig überrascht: "Do you have blacks, too?"



Ewige Wahrheit

Siehe es gibt keinen Beruf, in dem einem nichts befohlen wird, außer dem des Beamten, da ist er es, der befiehlt.
Ca. 3.000 Jahre alter Lehrspruch aus der Ausstellung "Hatschepsut - Königin Ägyptens", zu sehen im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.



Ehe-Führerschein
Jeder vierte Deutsche ist für die Einführung einer Art von Prüfung vor der Eheschließung. Das hat eine am Freitag in Hamburg veröffentlichte Forsa-Umfrage der Zeitschrift "Marie Claire" ergeben. Bei dem "Führerschein" handelt es sich nach Angaben der Zeitschrift um einen "Prepare" genannten Partnerschaftstest. Dieser werde von Paarberatern und Beziehungstherapeuten angeboten. Die zukünftigen Ehepartner müssen 165 Fragen beantworten, von "Ich fühle mich als Versager" bis "Sex ist für uns wichtig".
Leider teilte "Marie Claire" nicht mit, ob zu diesem Ehe-Führerschein auch eine praktische Prüfung gehört. So etwa der Vollzug der Ehe vor dem Prüfungskomitee. Und dann die Frage der Benotung. Vielleicht wie im Eiskunstlauf, eine A-Note (Technik) und eine B-Note (Ausdruck)? Und was wären dann die Kriterien? Lautstärke? Zahl der Stellungen? Oder ... , ach, bei dieser Thematik werde ich immer sehr ausschweifend. Lassen wir das.



Freitag, Mai 17, 2002
Aus den Refers
Für ein gewisses Amüsement sorgt ja immer ein Blick in die sog. Refers. Oder für große Ernüchterung, je nach dem. Die schönsten Sucheinträge bei Google.de, die im Mai zu dieser Seite führten: "Japanerinnen in der Badewanne", "Hitler hat getrunken Coca-Cola", "Trinken Franzosen Eierlikör?". Wir hoffen, Sie wurden hier fündig.



Verschiedene Stimmen

Gib nicht mehr aus, als du hast, und pinkel nicht höher, als du kannst.
Bayer-Manager Reiner Calmund zur "Philosophie" der Leverkusener Fußball GmbH.
*
Wir legen eine Platte auf. Auf der ersten Seite lautet der Song: Ihr werdet nie deutscher Meister! Und auf der Rückseite gibt es: In Europa kennt Euch keine Sau!
"Callie" Calmund zum Vize-Triple von Leverkusen in Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League.
*
Wissenschaftlich gesehen hat der Nobelpreis eigentlich wenig verändert, außer dass ich sehr viele Einladungen bekomme und noch mehr Ablehnungsbriefe schreiben muss.
Günter Blobel, Nobelpreisträger, im Interview der Zeitschrift der Frankfurter Goethe-Universität "Uni-Report".
*
Moderne Gesellschaften sind große Neidkraftwerke. [...] Kommunikation ist Sklavenarbeit.
Peter Sloterdijk, deutscher Großdenker, beim Siebten Deutschen Trendtag in Hamburg über Konsum, Eifersucht und Kommunikation.
*
Zuletzt hat ein Gespenst gewonnen. der kahle und hagere Geist Pim Fortuyn, der seit zehn Tagen die Träume der Politiker in den Kanzleien des alten Kontinents heimsucht.
Aus einem Leitartikel der Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" zu den Wahlen in den Niederlanden.
*
Zum einen fehlt es an charismatischen Persönlichkeiten in den Volksparteien. Wo sind die Adenauers und Palmes? Stattdessen sitzen oft blasse Figuren an den Hebeln der Macht, die verwalten statt walten. Ein Porsche fahrender Haider oder ein Zigarre rauchender Fortuyn dagegen ziehen in unserer Mediengesellschaft. Zwar ist dabei viel Schall und Rauch, doch diese Typen sind die postmodernen Polit-Heroes. Nicht zuletzt auch deswegen, weil sie -. und das ist der zweite Grund - scheinbar einfache Lösungen anzubieten haben: In unsicheren Zeiten geben wir Halt, Heimat. (...) Die historisch gewachsenen Parteien und die EU als Ganzes müssen dem eine Politik mit Ecken und Kanten gegenüberstellen. Sonst machen es andere - von ganz links und ganz rechts außen.
Aus einem Leitartikel des österreichischen Massenblatts "Kurier".




Donnerstag, Mai 16, 2002
Mein schönstes Ferienerlebnis
Ein Opfer seiner unglaublichen Verfressenheit ist gestern Exbundeskanzler Helmut Kohl geworden. Dieser weilte auf Einladung des israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav in Jerusalem und sollte an einer Zeremonie zum jüdischen Feiertag Schavuot beiwohnen, bei der israelische Bauern ihr eigenes Gemüse anbieten. Katzav entdeckte eine rote Peperoni und sagte Kohl scherzhaft, diese könne er ja seinem politischen Gegner anbieten. Katzav spricht jedoch kein Deutsch. Kohl kein Hebräisch, kein Englisch und auch nur unzureichend Deutsch, verstand also nix, hielt die für ihn unverständlichen Worte aber - da kommt halt das Naturell durch - für eine Aufforderung, mal zu probieren. Der Gast aus Deutschland biss also herzhaft in die Peperoni. Innerhalb von Sekunden wurde er puterrot, jappste nach Atem und begann heftigst zu schwitzen. Katzavs Helfer brachten schnell ein großes Glas Wasser, um so das diplomatische Feuer zu löschen, wie ein israelischer Behördenvertreter erklärte.
Kohl hatte zuvor einen Vortrag gehalten. Thema: "Gegenwärtige Gefahren und zukünftige Hoffnungen".



Zwei Leiter
Die sozialdemokratisch orientierte niederländische Zeitung "Volkskrant" (Den Haag) über die Warnung von Gerhard Schröder vor der Gefahr der Renationalisierung Europas:

Nach dem Vorbild von Bill Clinton nutzt der moderne Politiker endlose Umfragen und Zielgruppen um festzustellen, was er herausfinden muss. Das erweckt zwar demokratischen Anschein, bringt letztlich aber die Politik in Misskredit. [...] Schröder schimpft auf Brüssel und behauptet, damit der extremen Rechten den Wind aus den Segeln zu nehmen. In Wirklichkeit bestätigt er den Wählern nur in dessen Vorurteil und trägt so zu der von ihm befürchteten Renationalisierung bei. Er sollte lieber Kosten und Nutzen des europäischen Einigungsprozesses für Deutschland vorrechnen.

Sehr wehmütig und mit unpassenden Formulierungen beschreibt die russische Tageszeitung "Nesawissimaja Gaseta" (Moskau) die deutschen Tarifkonflikte:

Wenn ein Land in Europa noch die Tugenden des Klassenkampfes bewahrt hat, dann ist es Deutschland. Der proletarische 1. Mai diente in diesem Jahr als Start für eine Streikwelle. Die Arbeitsniederlegungen lassen in Deutschland politische, wirtschaftliche und soziale Emotionen hochkochen.

Klassenkampf? Es geht um Prozente, ums Geld. Sonst um nix.



Mittwoch, Mai 15, 2002
PISA, Version USA
Es ist beruhigend (?), wenn auch nicht überraschend, dass die us-amerikanischen Schüler genauso ungebildet (oder blöd?) sind wie hiesige Schüler. Die Geschichtskenntnisse der amerikanischen Oberschüler sind nach einer Untersuchung des US-Bildungsministeriums nämlich äußerst schlecht. So konnten 52 Prozent der High-School-Schüler in einem Test nicht sagen, ob die USA im Zweiten Weltkrieg mit Deutschland, Japan, Italien oder der Sowjetunion verbündet waren, berichtet die Zeitung "USA Today". 57 Prozent der Schüler zeigten bei dem umfassenden Geschichtstest nicht einmal Grundkenntnisse.
Dabei müsste doch eigentlich jeder wissen, dass die USA mit dem Deutschen Reich verbündet waren und mit "The German Wunderwaffe", dem sog. "Rosinenbombern" Italien zerlegte, da dieses sich weigerte, auch die UDSSR mit Nudelteigwaren zu beliefern. Ist doch ganz einfach.



Der verlorene Kontinent (?)
Zur Forderung von Pop-Stars wie Bono und Bob Geldof nach mehr westlicher Wirtschaftshilfe für Afrika schreibt die konservative britische Zeitung "The Daily Telegraph" (London):

Wann wird es diesen gut meinenden Hilfsaktivisten dämmern, dass das verteilen großer Summen westlichen Geldes an Afrika in den vergangenen 40 Jahren kläglich gescheitert ist und auch weiterhin scheitern wird? Der Grund der Armut in Afrika ist nicht der Mangel an Hilfe, sondern die Art, in der fast alle diese Staaten seit ihrer angeblichen Befreiung vom kolonialen Joch heruntergewirtschaftet wurden.[...]
Was afrikanische Politiker wie Amin, Mobutu, Mengistu, Moi und jüngst Mugabe in ihren Ländern geschaffen haben, sind Zustände, die ausgesprochen hinderlich für die Entwicklung der Fähigkeiten, Motivation und politischen Institutionen ihrer Völker sind. Sie haben ihre Länder wie mittelalterliche Lehen beherrscht, die zusammenbrechende Wirtschaft geplündert und durch Fehlentscheidungen Leid und Hunger für die Menschen geschaffen, die keine Chance bekommen, diese Herrscher abzuwählen.[...]
Solange wir- den zerstörerischen Diktatoren, die im Zentrum des Verfalls Afrikas stehen, weiterhin Legitimität zubilligen und ihnen dann beim Zusammenbruch ihrer Länder Hilfe leisten, wird der Verfall weitergehen.



Dienstag, Mai 14, 2002
Mette-Marit meets Maischberger
An Dumpfbackigkeit kaum zu übertreffen ist in diesen Tagen der Nachrichtenkanal n-tv. Klar, bei einem Interview kann mal was schief gehen. Aber dass die Lichtverhältnisse beim Interview von Sandra Maischberger mit dem norwegischen Kronprinz Haakon und seiner charmanten Gattin Mette-Marit nicht stimmen, war selbst für nachrichtentechnische und medizinische Laien nicht zu übersehen (Ausstrahlung des Interviews gestern 17:15 Uhr bei Maischberger / n-tv). Dies hätte eigentlich auch der doch immer so forschend schauenden Maischberger nicht entgehen können, aber wahrscheinlich kann diese immer nur das sehen, was ihr ihr Produktionschef Friedrich Küppersbusch vorher souffliert hat.
Um die Peinlichkeit noch zu verstärken, scheint n-tv auf die eigenen Fehlleistungen auch noch stolz zu sein. Endlich hat man mal selber Nachrichten produziert, statt nur welche abzulesen. So ließ Chefredakteur Helmut Brandstätter im Berliner "Tagesspiegel" verlauten: "Vielleicht kommen wir noch drauf, dass sich das Ozonloch über Norwegen geöffnet hat." Wahrscheinlicher aber ist es, dass sich das Ozonloch über den Verantwortlichen von n-tv geöffnet und bei diesen zur Hirnverdampfung geführt hat. Nur so kann man es sich erklären, dass n-tv auf seiner Website eine Bildgeschichte des Interviews abliefert, die überschrieben ist mit: "Das Kronprinzenpaar auf Deutschlandbesuch - es hätte so schön sein können". Hätte. Und warum nur "hätte", wird gleich auf den folgenden Bildern mitgeliefert, ein geschmackssicherer szenischer Spannungsbogen: Von "Erst brannten die Augen" bis "dann spannte die Haut", halt "Ein Interview, das unter die Haut geht."
"Die beiden sind ziemlich schüchtern. Man möchte sie am liebsten in den Arm nehmen.", ließ Frau Maischberger nach der Interview-Produktion verlauten. Bitte halten Sie Distanz Frau Maischberger, wer weiß, was sonst noch passiert. In dem Arm nehmen kann Sandra Maischberger bald allerdings etwas anderes: Den diesjährigen Hildegard-von-Bingen-Preis der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz. Von Bingen, so heißt es zur Begründung des Preisnamens, habe sich hervorgetan als Vorläuferin einer modernen Medizinpublizistik. Offensichtlich hat Frau Maischberger da etwas falsch verstanden.




Es ist schon ein bisschen bitter, dass ein anerkannter und erfahrener Demonstrant wie Außenminister Joschka Fischer seine Partei aufruft, nicht an der Friedensdemonstration teilzunehmen.
Der stellvertretende Vorsitzende der PDS-Bundestagfraktion, Wolfgang Gehrcke, zu Aufforderungen Fischers im Vorfeld des Besuchs von US-Präsidentendarsteller George W. Bush.



Montag, Mai 13, 2002
Glaube, Liebe, Hoffnung
Zitate vom Wochenende

Natürlich bin ich auch mit Märchen aufgewachsen wie alle anderen. Doch Prinzessin zu sein, ist eine härtere Arbeit als sich mancher das vorstellt.
Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag.
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Mir macht der Parteitag richtig Spaß. .... Das ist der Spaß an der liberalen Sache. Deshalb möchte ich die Partei auch bitten, um das Wort "Spaß" keine Tabuzone zu errichten. Griesgram und Sauertopf werden nicht gewählt.
Der FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher auf dem Parteitag der Spaßpartei F.D.P. in Mannheim.
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Trübsinn ist keine Tiefsinn.
Guido Westerwelle, Chef der Spaß-Partei FDP, zum Spaß in der Politik.
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Wir müssen aus der dynamischen Erfolgswelle Marke Westerwelle jetzt eine lang anhaltende Dauerwelle machen.
Jürgen Möllemann, stellvertrender Vorsitzender der Spaß-Partei FDP, zur aktuellen Haarmode.
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Die FDP macht dem Fortschritt den Weg frei - egal ob zu Wasser, zu Lande oder in der Luft.
Cornelia Pieper, Generalsekretärin der Fortschritts-Spaß-Partei FDP, bei Einbringung des Wahlprogramms.
*
Bei uns wird er mit Schuhgröße 18 auf der Reservebank sitzen.
SPD-Generalsekretär Franz Müntefering am Sonntag in der ZDF-Sendung "halb 12 - Eser und Gäste" zu der Kanzlerkandidatur von FDP-Chef Guido Westerwelle.
*
Das ist Bier, das gehört zu Schalke.
Schalke-Trainer Huub Stevens auf die Frage im ZDF-Sportstudio, ob er einen Sektfleck auf seiner Jacke habe.
*
Irgendwann werden sie 'mal ein Finale gewinnen. Das ist Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Nationalspieler Jens Jeremies am Sonntag im DFB-Quartier in Winden auf die Frage, warum er daran glaubt, dass Bayer 04 Leverkusen das Champions-League-Finale gegen Real Madrid gewinnt.



Freitag, Mai 10, 2002
Umfrage: Buch
Schriftsteller aus aller Welt haben "Don Quijote" von Miguel de Cervantes Saavedra zum besten Buch aller Zeiten gewählt. Der Norwegische Buchclub forderte 100 Autoren aus 54 Ländern auf, ihre zehn persönlichen Favoriten zu wählen und erstellten daraus eine Liste mit den 100 größten Romanen. "Don Quijote" hat rund 50 Prozent mehr Stimmen erhalten als jedes andere Buch.
Für die anderen Bücher auf der Liste gab der Club keine Platzierungen an. Erfolgreichster Schriftsteller war der Russe Fjodor Dostojewski, der gleich mit vier Werken vertreten war: "Schuld und Sühne", "Der Idiot", "Die Dämonen" und "Die Brüder Karamasow". Franz Kafka, William Shakespeare und Leo Tolstoi schafften es mit je drei Werken auf die Liste, Thomas Mann, William Faulkner und Virginia Woolf mit je zwei.



Praktisch
Wer schnell mal ein Kondom braucht, muss in Wien nicht lange suchen. Ein Anruf genügt, und das Verhüterli wird vom Fahrradboten gebracht. Diesen Service bietet das Wiener Spezial-Geschäft Condomi unter dem Slogan "Condomi-Express" an Wochenenden. Freitags und samstags von 22.00 bis 02.00 Uhr kann man ihn für acht Euro bestellen. Das Geschäft kommt dem Bericht zufolge erst langsam in Fahrt: In der ersten Nacht zum vergangenen Samstag gab es zwei Bestellungen, in der folgenden aber bereits zehn.



Tüchtig
Nach dem Konsum von 18 Liter-Bier ist in der Nacht in Koblenz ein 28-jähriger Mann noch Rad gefahren und schließlich am Moselufer auf einer Gefällstrecke gestürzt. Er verletzte sich nur leicht, teilte die Polizei mit. Der Mann habe selbst angegeben, zuvor 36 Halbliter-Dosen Bier getrunken zu haben, so Polizeisprecher Ralf Schomisch.



Donnerstag, Mai 09, 2002
German Angst
Lesenswerter, atmosphärisch dichter Bericht des Frankfurter Schriftstellers Matthias Altenburg ("Alles irgendwie Sex") in der "Zeit":

Die Erregung in den Stimmen der Moderatoren ist nicht zu überhören. Fast möchte man, was da mitschwingt, Geilheit nennen. Plötzlich sind sie wichtig. Haben uns etwas Unerhörtes, etwas Nie-da-Gewesenes mitzuteilen. Nicht mehr bloß Effenberg, Uschi Glas und Frühlingsdiäten. Achtzehn Tote heißt es zunächst, habe es im Erfurter Gutenberg-Gymnasium gegeben. "Das ist nicht die Art, wie wir uns das Projekt 18 vorstellen", sagt der FDP-Abgeordnete Ralf Witzel, dessen Partei bei den kommenden Bundestagswahlen 18 Prozent der Wählerstimmen anstrebt. Nein, es gibt nicht einmal mehr die kleine Stille nach dem Sturm, das kurze Schweigen nach der Katastrophe. Die Medienmaschine läuft. Wie geölt.
[...]
Hat eigentlich irgendwer noch vor irgendetwas Angst? Ich bin mir nicht sicher. Und wenn es sie noch gibt, dann ist die "tschörmen ängst" mal wieder so diffus, so allgemein und wenig fassbar, dass sie garantiert vor Einsichten schützt und vor Konsequenzen bewahrt.
[...]
Ein paar Tage nach der Tat, als es nichts Neues mehr zu berichten gibt, sucht die Bild-Zeitung in ihrem Aufmacher nach einem "Killer-Gen". Zehn Zentimeter tiefer streckt schon wieder die "leidenschaftliche Naschkatze" Verena ihre "Sahnestückchen" in die Kamera. Angesichts der grenzenlosen Obszönität dieser Art von Journalismus wundere ich mich wirklich, warum ich so friedlich bin.
(weiter lesen)



Unschuldiger Junge
Seltsames Interview mit dem niederländischen Schriftsteller Harry Mulisch über Pim Fortuyn in der SZ.

Er [Pim Fortuyn] bezog seine Kraft daraus, dass in ihm nichts Bösartiges war. Das Kennzeichen eines Faschisten ist die Bösartigkeit. Irgendwie war er aber wie ein unschuldiger Junge von zwölf Jahren.

Ärgerlich, wenn selbst so moralisch integere Schriftsteller wie Mulisch nicht erkennen, dass genau dieses scheinbar Harmlose ("Unschuldige") Politiker wie Fortuyn so gefährlich macht. Nicht die dumben Rechtskrakeler al a Haider oder Le Pen mit ihren Stammtischparolen gefährden eine liberale Gesellschaft, sondern hoch-intelligente Außenseiter wie Fortuyn.



Mittwoch, Mai 08, 2002
Wenn er sich als kantig beschreibt und dann eher aussieht wie Vanilleeis im Plastikbecher ist das nichts, was ihn auszeichnet, dieses Land zu führen.
SPD-Generalsekretär Franz Müntefering am Dienstag in Berlin über Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber.



"Le Peng"
Leider abgelehnte Überschrift nach dem Attentat auf den rechtsradikalen niederländischen Politiker Pim Fortuyn.



Dienstag, Mai 07, 2002
Missverständnis
In der Haushaltswarenabteilung eines Kaufhauses frage ich die Verkäuferin, wo denn bitte schön die Sektglasreinigungsbürsten zu finden sind. Sektglasreinigungsbürsten, muss ich mir da anhören, davon hätte sie ja noch nie gehört, sowas gibt es gar nicht. Doch, doch, sage ich, hab' ich hier schon oft gekauft. Eine zweite Fachkraft wird zu Rate gezogen. Auch sie gibt sich unwissend. Ich insistiere gewohnt penetrant. "Beschreiben Se doch mal, wat se eijentlisch meinen, junger Mann", so Verkäuferin zwei. "Eine Spülbürste, längliche Form, mit seitlich befestigten Borsten zur Reinigung von Sektgläsern und Champagnerflöten!", beschreibe ich. Verkäuferin zwei verschwindet und kommt kurze Zeit später wieder. Mit einer Sektglasreinigungsbürste in der Hand. Genau die meinte ich, triumphiere ich. Zwei Augenpaare schauen mich vorwurfsvoll an. "Typisch ...", tuschelt Verkäuferin eins. "Äh wieso jetzt?" frage ich unschlau. "Das ist eine Spülbürste zur Reinigung von Babyflaschen!". Achso, na dann, auch gut. Wer kann so was auch ahnen.



Montag, Mai 06, 2002
Erfurt
Eine fundierte und angenehm nüchterne Zusammenfassung der Ereignisse von Erfurt hat der Göttinger Professor für Soziologie Wolfgang Sofsky für die NZZ geschrieben.
Unglaublich schlecht dagegen der Leitartikel "Erfurts Botschaft" von Helmut Herles im Bonner "General-Anzeiger". Höhepunkt dieses Dummschriebs der Satz: Die DDR erzog zwar zu einer gescheiterten Ideologie, aber sie erzog wenigstens.
Das erinnert fatal an die Stammtischweisheit: "Ja, ja, das war schon schlimm, damals, aber er hat ja dafür die Autobahnen gebaut."



Er ist jetzt frei, Führungskraft zu zeigen, die Welt zu führen.
George W. Bush, US-Präsidenten-Darsteller, auf einer Pressekonferenz zum Ende des Hausarrests von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat.



Freitag, Mai 03, 2002
Nur angedacht
Man kennt das ja von Politikern, erst irgendeinen Unfug laut herauskrakelen und wenn die öffentliche Reaktion dann negativ ausfällt, wird schnell zurückgerudert. Man hätte das ja nur laut angedacht, heißt es dann stets, wobei das Idiom "laut andenken" den Laut-Andenkenden ohnehin als Blödsprecher entlarvt. Gerne wird dann auch entgegnet, man hätte nur eine Diskussion anregen wollen und das ginge halt nicht ohne Hauen-und-Stechen. Was man von Politikern gewohnt ist, scheint jetzt auch bei Zeitungen Einzug zu halten, wie der rührselige "Brief an die CS-Spieler" des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher beweist.



EU-Rätsel
Was ist das?
Eine Art kurzhalsige, bauchig-runde, etwas abgeflachte Glasflasche mit ellipsoider Standfläche und mit ellipsoidem Querschnitt an der größten Wölbung des Flaschenkörpers. Das Verhältnis Hauptachse/Nebenachse des ellipsoiden Querschnitts ist annähernd 2:1.
Ganz einfach:
Definition des fränkischen «Bocksbeutels» aus einer gestern veröffentlichten Verordnung der EU-Kommission "mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 1493/1999 des Rates hinsichtlich der Beschreibung, der Bezeichnung, der Aufmachung und des Schutzes bestimmter Weinbauerzeugnisse zum Schutz bestimmter Weinbauerzeugnisse".
Ach so.


Donnerstag, Mai 02, 2002
This is a dream come true. This is a time for cigarettes and drink.
Klaus Toppmöller, Fußballtrainer Bayer Leverkusen, im "Daily Mirror".



Hassverzeichnis
Momentan ist ja viel Gerede von der Schuld bzw. Mitschuld der Medien. An allem im Allgemeinen und am Massaker von Erfurt im Speziellen. Das meiste davon ist Geschwätz und entstammt der widerwärtigen Betroffenheitslyrik mittelmäßiger deutscher Politiker, die glauben, auf jedes Problem eine Antwort geben zu müssen und die einfachste Antwort ist immer noch die, einen möglichst diffusen Sündenbock zu präsentieren. Wie etwa: "Die Medien", oder "Das Internet" oder "Die Computerspiele".
Einfachste Lösung und sehr deutsch: Einfach alles verbieten.
Richtiger aber unendlich viel schwieriger ist es, leicht zu beeinflussende Personen mit den angeblich gefährdenden Medien vertrauter zu machen, Abstraktionsvermögen und differenziertes Denken beizubringen bzw. zu schulen.
Üben könnte man das zum Beispiel mit dem sogenannten hatedirectory, dem Hassverzeichnis, welches der amerikanische Journalist Raymond A. Franklin in losen Abständen aktualisiert und als pdf-file zum Download ins Internet stellt. Ein rund achtzigseitiges Verzeichnis von besonders widerwärtigen Webangeboten.



Mittwoch, Mai 01, 2002
Bizarres
Laut dem Justitiar des Kontors ist Sex mit Tieren in D-Land nicht strafbar. Jedenfalls dann nicht, wenn es nicht mit Tierquälerei verbunden ist. Denn vor dem Gesetz gelten Tiere als Sachgegenstände. Daher können wir auch ohne rot zu werden und ohne schlechtes Gewissen diesen Link empfehlen.



Le Fuehrer
Auch der Möchtegern-Führer aller Gallier, Jean-Marie Le Pen, hat eine Webseite, auf der er sein Gedankentum verbreitet. Wir wollen diese Seite hier freilich nicht verlinken, erlauben uns aber von ihr zu zitieren.

Je suis socialement à gauche, économiquement à droite et plus que jamais, nationalement de France. ["Gesellschaftlich bin ich links orientiert, wirtschaftlich rechts und, mehr denn je, nationalistisch für Frankreich."]

Kleine Synopse gefällig? Am 29. November 1932 krakelte der spätere Gröfaz:
Unser Nationalsozialismus ist die Zukunft Deutschlands. Trotzdem diese Zukunft wirtschaftlich rechts-orientiert sein wird, werden unsere Herzen links orientiert bleiben. Aber vor allem werden wir niemals vergessen, dass wir Deutsche sind.