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Notizen |
Samstag, Juni 29, 2002
About Beth Kovacevich liebt. Kovacevich hat die große Liebe gefunden. Die fürs Leben. Glaubt er jedenfalls. Er seufzt nicht ungekonnt. Und das ist das Einsatzzeichen für den lieben Gott. "Wer liebt hier was, das entscheide immer noch ich", schreit dieser zürnend und haut dem Kovacevich mit allen Himmlischen Heerscharen auf den Kopf. Reißt ihm das Herz aus. Boah geil, wie da das Blut spritzt. Und so viel. Sieben Liter Blut, notiert der Engel zur Linken, Rekord für heute, gute Quote an den Wettschaltern. Der Engel zur Rechten nuschelt dem lieben Gott was ins Ohr. Es ist der PR-Engel. Soviel Blut ist nicht gut. Gibt schlechte Kritiken. In Zeiten von Erfurt und WTC und zu vieler Priester der Pädophilie, da muss auch Gott auf so was achten. Schlechte Presse sonst und dann wieder lästige Mühen mit der Medienschelte. Na gut, brummt der liebe Gott und setzt Kovacevich das Herz wieder ein und streicht ihn faltenglatt, wobei er im Falsett "Love is just another Four Letter Word" jodelt. Kovacevich ist nun wieder ganz, merkt, dass was mit dem Herz nicht stimmt. Es schlägt jetzt im ¾-Takt und macht Synkopen an den falschen Stellen. Das ist die Liebe, denkt er sich, die Liebe, hach. Dann schaut er Beth an und will ihr was säuseln, so a la "Ohne Liebe kann kein Leben sein" oder was anderes fleuropkonformes. Traut sich aber nicht. Schaut auf Beth und die aus dem Fenster, wo zu sehen ist: Nix. Hat Angst, dass Beth ihm antwortet, dass Leben durch Ficken entsteht nicht durch Liebe. Das würde Beth aber nicht sagen, wenn Kovacevich sich mal trauen würde. Denn auch in ihr ist das Sehnen groß, ganz groß. Nach Liebe, hach. Oder was sie dafür hält. Huch. Aber nicht nach Kovacevich. Oder doch? Nein. Freitag, Juni 28, 2002
Offense, the future of defense ist die Kernaussage der neuen Bush Doctrine 2.0 . Kleine, aber nette Animation.
Einsichten Sicher gibt es auch kompetente Frauen, aber so lange so viele dämlich und faul sind, haben wir Männer eine Chance. [...] Eigentlich sind wir den Frauen evolutionstechnisch unterlegen. Wenn sie nicht mehr dämlich und faul sind, werden sie uns abschaffen. Donnerstag, Juni 27, 2002
Knackt das Pils, holt Sauerkraut und Schnitzel, es ist Party-Time Der unglaubliche Sturmlauf der deutschen Fußballelf gegen das chancenlose Südkorea findet auch seinen Niederschlag in der internationalen Presse. Eine Auswahl: "Joongang Ilbo" (Südkorea):
WM-Notiz: Der wahre Fan Der Preis "Fußballnarr der Woche" geht diesmal an Sadiman Berber. Der türkische Fußballfanatiker hatte seine schwere Bandscheibenoperation just zu dem Moment, als seine türkische Nationalmannschaft gegen Brasilien im Halbfinale stand. Ein Problem? Nicht für Sadiman Berber. Der verzichtete nämlich einfach auf die bei dieser OP übliche Vollnarkose und konnte so der Niederlage seiner Mannschaft vom Operationstisch aus mittels OP-TV beiwohnen. Aua.
WM-Gedicht 4 Schade Südkorea, (fast) alles ist vorbei. (wird fortgesetzt) Mittwoch, Juni 26, 2002
Thema des Tages: Fastfood Fastfood 1
Mal so, mal so. "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?" pflegte Konrad Adenauer im breiten rheinischen Dialekt zu sagen. Diese Einstellung perfekt verinnerlicht hat auch der gerne als "Lichtgestalt des deutschen Fußballs" bezeichnete Franz Beckenbauer: Wenn man alle außer Kahn in einen Sack steckt und drauf haut, findet man immer die Richtigen. Der Mannschaft ist alles zuzutrauen. Der Rudi kann aufstellen, wen er will, die sind alle gleich stark. Dienstag, Juni 25, 2002
Unheilige Allianzen Aus einem Artikel der "Washington Post" : Conservative U.S. Christian organizations have joined forces with Islamic governments to halt the expansion of sexual and political protections and rights for gays, women and children at United Nations conferences. The new alliance, which coalesced during the past year, has received a major boost from the Bush administration, which appointed antiabortion activists to key positions on U.S. delegations to U.N. conferences on global economic and social policy. But it has been largely galvanized by conservative Christians who have set aside their doctrinal differences, cemented ties with the Vatican and cultivated fresh links with a powerful bloc of more than 50 moderate and hard-line Islamic governments, including Sudan, Libya, Iraq and Iran. [...]
Flugfraß Es gibt ja bekanntlich nix, was es nicht gibt und das alles gibt es im Internet. Oder anders: Sie sitzen im Flugzeug und die fremdländische Stewardess stellt etwas vor ihrem Sessel ab, was sie nicht identifizieren können. MmmH, Motorersatzteile? Oder die Reste, die das Saubermach-Personal vom Bodenwischen übrig gelassen hat? Nach einigem Forschen erkennen Sie in aufrichtiger Bestürzung, dass es sich um Ihr Essen handeln muss. Dem sogenannten Luftfraß. Sie beschließen entsetzt, nie mehr Touristenklasse zu fliegen, was Sie jedoch bis zum nächsten Flug wieder vergessen haben. Es scheint jedoch auch Fans dieser von vielen als Henkers-Mahlzeit empfundenen Form der Ernährung zu geben, wie dieser schmucke Link beweist.
Flop 1 Ein ziemlicher Flop ist - zumindest bisher - die holländische Antwort auf die deutschen Schmähgesänge "Ohne Holland, fahr'n wir zur WM". Dabei hätte es so schön sein können: Das Rotterdamer Duo "Schwalbe Sisters", gebildet vom Journalisten Sander de Kramer und dem Schauspieler Joris Lutz, hatten eigens eine anti-fußballdeutsche CD brennen lassen: Die "Lothar Matthäus Passion". Doch kaufen will das Werk bisher kaum einer, ist doch das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft die Vorraussetzung für das Funktionieren der holländischen Liedchen. Die deutsche Elf will nun ihre Antwort auf dem Platz geben, heute 13:30 Uhr, Halbfinale gegen Südkorea. * Flop 2 Klassenziel leider verfehlt: Drei Tage lang haben Anhänger verschiedener mazedonischer Fußballvereine im Workshop "Stoppt Gewalt" darüber gesprochen, wie Ausschreitungen rivalisierender Fans verhindert werden können. Doch beim Abendessen zum Abschluss des von der Regierung organisierten Workshops mussten Veranstalter und Teilnehmer erkennen, wie weit Theorie und Praxis auseinander liegen. Ein Streit darüber, welcher Verein denn nun die besseren Spieler habe, endete am Sonntagabend in einer wilden Schlägerei. Montag, Juni 24, 2002
Kahnsche Dialektik These Antithese
The Hans Gottes Einmal mehr lobt die internationale Presse die spielerischen Glanztaten der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft: "AS" (Spanien):
Glaube, Liebe, Hoffnung Zitate vom Wochenende Die Erkenntnis, alt zu sein, kommt nicht allmählich. Sie überfällt einen ganz plötzlich. Man wacht eines Morgens auf und stellt fest: So, jetzt bist du alt. Ein Anlass zu staunen. Sonntag, Juni 23, 2002
About Beth Beth dreht sich auf die Seite, schließt die Augen, schlägt sie auf und wartet darauf, dass der Kopf so leer wird, das sie einschlafen kann. Überall um sie herum ertönt das unruhige Murmeln der Menschen, das wie ein Strom von Hotelzimmer zu Hotelzimmer fließt, während alle auf ihren Betten liegen und nicht an ihre Möglichkeiten zu denken versuchen. In jedem Winkel lauert der Schatten der Enttäuschung und wartet darauf, sich bei ihnen einzuschleichen und sich an sie zu heften, sich zu bewegen, wenn sie sich bewegen, sich umzudrehen, wenn sie sich umdrehen, wie eine Blechdose, die man einem Hund am Schwanz festgebunden hat und die das laute Rappeln der Erwartung ertönen lässt. Samstag, Juni 22, 2002
WM-Gedicht 3 Schade England, alles ist vorbei. (wird fortgesetzt)
WM-Notiz: Yep ... Benjamin Henrichs schreibt in der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe): Bedauerlicherweise gibt es immer noch Deutsche, die sich vor einer deutschen Weltmeisterschaft panisch fürchten. Was sind das bloß für Menschen? Freitag, Juni 21, 2002
Großdeutsche Haupstadt Von den ca. 145.000 Beschäftigten des öffentlichen Dienstes [in Berlin, Anm.] sind 53.000 disponibel. Aus dem Bericht des Berliner Landesrechnungshofes zur katastrophalen finanziellen Situation der Bundeshauptstadt.
Wertarbeit Wer seit Juli 2000 den Kauf-Empfehlungen deutscher Analysten für Aktien im Dax 30 folgte, hat bis Ende März 2002 im Schnitt ein Minus von 19,3 Prozent erzielt. Die Empfehlungen für die 50 Unternehmen im europäischen Stoxx-Index bescherten Anlegern, die sich daran hielten, einen durchschnittlichen Verlust von 24,5 Prozent. Und wer sich auf die Urteile der "Experten" für den Neuen Markt verließ, verlor im Mittel sogar 67,3 Prozent seines Einsatzes. Für seine Studie hat Reinhart Schmidt, Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der Universität Halle, im Auftrag von manager magazin die Performance von über 9400 Kauf- und Verkaufsempfehlungen untersucht. 51 deutsche und ausländische Researchhäuser hatten diese Tipps von Anfang Juli 2000 bis Ende Juli 2001 abgegeben.
Sendernoten ARD und ZDF schneiden mit ihren Leistungen bei den Fernsehzuschauern laut Umfrage am besten ab. In einer Forsa-Erhebung für die Hamburger Zeitschrift "TV Today" unter 1.005 Bundesbürgern erhielten die beiden öffentlich-rechtlichen Sender jeweils durchschnittlich die Note 2,6. Auf den folgenden Plätzen landeten RTL und Sat.l (jeweils 2,8). Mit einer Durchschnittsnote von 2,9 stufen die Deutschen Pro Sieben etwas schlechter ein. Schlusslicht unter den sechs bei der Umfrage vorgegebenen Sendern wurde mit einer 3,7 RTL 2.
www1 Wer auf seiner Homepage ein so genanntes Gästebuch führt, muss dessen Inhalt regelmäßig kontrollieren. Unterbleibt die regelmäßige Überprüfung, macht sich der Betreiber nach Ansicht des Landgerichtes Trier den Inhalt der Eintragungen zu eigen und handelt daher möglicherweise rechtswidrig (Az.: 4 O 106/00). * www2 Laut der Zugriffsstatistik der deutschen Meta-Suchmaschine MetaGer bedienen sich bedauerliche 84,7 % aller Internetnutzer des Microsofts Internet Explorer. Nur 14,3% (darin sind wir enthalten) nutzen den Netscape-Browser, meist in der alten Version 4.73. Das restliche Prozent verteilt sich auf Opera und Konqueror, den Linux-Browser. Auf das vorzügliche PreRelease des neuen Netscape 7.0 haben wir an dieser Stelle ja schon aufmerksam gemacht. Gerne nutzen wir auch die Gelegenheit, für den neuen (und ebenfalls kostenlosen) Mozilla 1.0 Werbung zu machen, der sich genau wie der Netscape der neuen Gecko-Engine bedient.
Vor dem Viertelfinale Wir spielen auch gegen eine Mannschaft vom Mond. USA-Trainer Bruce Arena zum Wunschkandidaten für das mögliche Halbfinale. * Wir werden unsere Herzen in die Schuhspitzen legen. Brasiliens Stürmerstar Rivaldo vor dem Viertelfinale gegen England. Donnerstag, Juni 20, 2002
Nothing Dialog aus dem neuen Film des isländischen Regisseurs und Autors Baltasar Kormákur "101 Reykjavík": Lola (Victoria Abril): What are you doing in life?
Fat Seats for fat people? Extrem dicke Fluggäste müssen bei der amerikanischen Fluggesellschaft Southwest Airlines künftig zwei Tickets kaufen. Die Regelung trete in einer Woche in Kraft, berichteten US-Medien am gestrigen Mittwoch. Anhaltspunkt sei, ob sich der Sicherheitsgurt um den Bauch des Fluggastes ohne Verlängerungsstück schließen lasse und ob die Armlehne herunterstellbar sei. Organisationen übergewichtiger Amerikanern äußerten sich empört und kündigten die USA-üblichen Diskriminierungsklagen gegen Southwest Airlines an. Die Sitze seien einfach zu klein, kritisierte Fettleibigkeits-Aktivistin Miriam Berg in der "Washington Times". Die Amerikaner würden eben dicker und die Fluggesellschaften hätten die Verpflichtung, ihre Sitze anzupassen. Jeder dritte Amerikaner gilt als übergewichtig und jeder fünfte als fettleibig. In die Kategorie der Fettleibigen gehört nach US-Definition zum Beispiel ein Mann von 1,80 Meter Größe und 120 Kilogramm Gewicht. Die Zahl der Fettleibigen hatte in den USA allein zwischen 1991 und 2000 um 60 Prozent zugenommen.
WM-Notiz: Die ökonomischen Folgen Für die Weltwirtschaft wäre es das Beste, wenn die deutsche Nationalelf bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea den Titel holen würde. Zu dieser Ansicht sind Ökonomen der niederländischen Großbank ABN Amro nach einem Vergleich der acht Viertelfinal-Teilnehmer gekommen. Die Wirtschaftsexperten machen sich aus rein ökonomischen Überlegungen für einen deutschen Titel stark - bei gleichzeitigen Vorbehalten im Hinblick auf die sportliche Seite. "Aufgrund ihrer bisherigen Leistungen, insbesondere gegen Paraguay" würden die Deutschen nach Ansicht der Ökonomen den Sieg eigentlich nicht verdienen. Der Titelgewinn würde aber die deutschen Verbraucher stimulieren und zugleich den Handel mit deutschen Produkten beleben, meinen sie. "Wenn die Deutschen den Titel mit nüchternem einfachem Spiel gewinnen, wird möglicherweise das ausländische Interesse an deutschen Produkten steigen", erläutern die Analysten. "Es würde bestätigen, was ausländische Verbraucher über Erzeugnisse «Made in Germany» schon wissen: Die sind vielleicht nicht immer extravagant und elegant, aber sie sind gut, haltbar und wirkungsvoll", schätzen die Ökonomen ein. Der Effekt wäre im Fall Deutschland auch deshalb so bedeutend, weil die deutsche Wirtschaft das Schlusslicht in der Eurozone bilde. Und über eine Belebung der Eurozone würde auch die Weltwirtschaft den Nutzen haben. Zwar wäre auch für Großbritannien der Titelgewinn nützlich, stellten die Volkswirtschaftler fest. Da London aber nicht zur Euro-Familie gehöre, wäre es besser, wenn der Titel an Deutschland fiele. Wenn Brasilien, Senegal, Südkorea oder die Türkei die Weltmeisterschaft gewinnen würden, sei die zu erwartende ökonomische Belebung außerhalb dieser Länder kaum zu spüren. Auch die USA könnten wirtschaftlich eine Belebung gebrauchen, meinen die Bank-Fachleute. Aber sie fragen sich doch, ob ein Titelgewinn im Fußball für die an Baseball, Eishockey und Basketball gewohnten US-Verbraucher so sehr stimulierend wirke.
Webbys Die Webby Awards, eine Art Grammy-Preis des Internets, sind gestern Abend verliehen worden. Mit den Webbys belohnt die International Academy of Digital Arts and Sciences jedes Jahr besonders gute und nützliche Websites in aller Welt. Bei der sechsten Verleihfeier in San Fransisco gewann die dänische Netbaby den Preis für die interessantesten Spiele und Australiens Lonely Planet den Preis für die besten Reiseinfos. Zum Gewinner wurde auch Kanadas LOOPLABS in der Kategorie Musik und The Onion , in der Kategorie Humor. Weiterhin wurden teenwire für ausgezeichnete Gesundheitsinformationen und das Center for Responsive Politics für Informationen aus der Politik gewürdigt. Die "Webbys", nach Meinung der "Los Angeles Times" die wichtigsten internationalen Preise für Webseiten, werden jährlich verliehen. Zu den 350 Mitgliedern der Akademie und damit zu den Juroren gehören neben vielen Online-Experten auch Prominente wie der Musiker David Bowie und die Hollywood-Schauspielerin Susan Sarandon. Sie alle waren sich zum zweiten Jahr hinter einander einig, dass die Suchmaschine Google in keiner Webby-Kategorie zu schlagen war und verliehen ihr als Modell für Exzellenz in allen Bereichen den "Best Practices Award". Mittwoch, Juni 19, 2002
WM-Notiz: Haare und Köpfe Das wird ohne Zweifel mein weitester Hausbesuch sein.
WM-Gedicht 2 Schade Paraguay, alles ist vorbei. (Fortsetzung folgt)
Die gekaufte Braut, Version Asien Drum prüfe, wer sich ewig bindet, dass er auch den richtigen Namen findet. Diese Lektion musste nun ein Mann aus Taiwan lernen, der nach der Vermittlung durch ein Eheanbahnungsinstitut eine ihm zuvor unbekannte Frau auf den Philippinen geheiratet hat. Wie sich allerdings herausstellte, ehelichte Hsu Tse-han die falsche Frau, nämlich eine gewisse Jenny Danouze, statt der eigentlich vorgesehen Mary Canque, wie die taiwanischen Behörden am Dienstag berichteten. Die Ehe wurde im März in einer von dem Institut organisierten Gruppentrauung auf den Philippinen geschlossen. Der Irrtum kam erst zu Tage, als die Frau schließlich nach Taiwan zu ihrem Mann auswandern wollte. Dieser hatte nämlich nach seiner Rückkehr nach Taiwan in dem Glauben, Mary Canque geheiratet zu haben, ein Visum auf diesen Namen beantragt. Den Einwanderungsbehörden fiel schließlich der Irrtum auf. Der Bauarbeiter erklärte der Zeitung "United Daily News", er spreche kein Englisch und sei so versessen darauf gewesen, die Frau zu heiraten, dass er sie nicht nach ihrem Namen gefragt und diesen auch nicht überprüft habe.
Kein Sonnenstich Kinder der Sonne auszusetzen ist fast so etwas wie gefährliche Körperverletzung. Eckhard Breitbart, zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, über das erhöhte Hautkrebsrisiko durch UV-Strahlung bei Kinder. * Ein Sonnenstich Eine Belastung der Reisenden als Geiselopfer in einem Tarifstreik wäre unzumutbar. Jochen Hövekenmeier, Sprecher des Automobilclub von Deutschland (AvD), in der BILD-Zeitung zu den Folgen des Baustreiks auf Autobahn-Baustellen während der Ferienzeit. Dienstag, Juni 18, 2002
Alltagsfragment 1 In meinem Haus gibt es Mäuse, kleiner verfressene Mäuse. Heute machte ich die Tür meines Küchenschrankes auf und musste feststellen, dass sie bedenkenlos die dort gelagerten Kerzen angenagt haben. Neben den Kerzen lagern die Tüten mit den Buchstabensuppen, die haben sie gottlob verschont gelassen. Denn jeden Abend mache ich Buchstabensuppe und häufe dann am Tellerrand die vom Löffel heruntergeglitschten Buchstaben in ordentlichen Reihen. Die so entstehenden Wörter bezeichne ich dann als Text und veröffentliche sie.
WM-Notiz: Das Litti-Syndrom Wer Fußball spielt, dem drohen 0-Beine. Diese längst kursierende Vermutung hat nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" der belgische Sportmediziner Erik Witvrouw durch eine Untersuchung an 550 Kickern belegt. Danach sind Fußballer zehn Mal so oft von dem krummbeinigen Phänomen betroffen wie Normalmenschen. Jeder vierte Balltreter sei O-beinig. Laut Witvrouw ist für die Deformierung eine "nicht-symmetrische Krafteinwirkung auf die Kniegelenke" ausschlaggebend. Die inneren Beinmuskeln seien bei Fußballern kräftiger und kürzer als bei Nicht-Spielern. Der Mediziner warnt vor Folgeverletzungen und rät zu Vorsorgemaßnahmen. Die inneren Muskeln (Adduktoren) sollten häufiger gedehnt und die Außenmuskeln (Abduktoren) gestärkt werden. Witvrouw meint: "Wir wollen keine Panik erzeugen." Fußballspielen "kann auch schön sein". Montag, Juni 17, 2002
Angebliche Perlen Deutschlands angeblich beste Internet-Angebote sind mit dem "Grimme Online Award" ausgezeichnet worden. Die undotierten Preise wurden am Samstagabend in Düsseldorf überreicht. "Qualität im Netz ist noch immer eine rare Sache. Um so mehr Grund, die Perlen zu ehren", sagte ZDF-Reporter Steffen Seibert, der die Gala im Kunstpalast der Landeshauptstadt moderierte. In der Kategorie "Web-TV" gewann "Borschts Welt". Der Internet-Multimedia-Sender sei eine innovative Plattform, Nutzer könnten sich kreativ an einem Drehbuch beteiligen, begründete das Adolf Grimme Institut mit Sitz in Marl die Entscheidung. Beim "Medienjournalismus" siegte Telepolis vom Verlag Heinz Heise. "Telepolis ist ein digitales Forum für Kunst-, Kultur-, Wissenschafts- und Unterhaltungsangebote aus aller Welt, das im deutschsprachigen Raum seinesgleichen sucht", so Chefredakteur Florian Rötzer. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) machte im Bereich "Fernsehen" mit einem Internet-Angebot zum Thema Stammzellen das Rennen. Das brisante Thema werde dort aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet. Der WDR teilt sich den Sieg mit dem Jugendmediaprojekt "DasDing" des SWR. "DasDing" verbinde Radio, Fernsehen und Internet zu einem "Multimedium", urteilten die Grimme-Juroren. Den Förderpreis "Medienkompetenz" gewann in der Profi-Kategorie jetzt.de - die Internet-Variante des Jugendmagazins der Süddeutschen Zeitung sowie AutoLernWerkStadt.de von Volkswagen und dem Deutschen Bibliotheksverband. Warum Medien-Kontor , die eigentliche Perle des Internets, keinen Preis erhielt, ist uns natürlich unverständlich, da die Preise aber undotiert sind, können wir gut damit leben.
Holzschuh-Fußball Nach dem triumphalen Sieg der deutschen Nationalmannschaft über Paraguay schwelgt die internationale Presse in höchsten Lobeshymnen: "B.T." (Dänemark): "The Observer": ![]()
Weise Richter Autofahrer dürfen einander beschimpfen: Das hat jetzt das höchste italienische Gericht in Rom in einem Urteil klargestellt. Vor allem wenn es sich um jugendliche Autofahrer handele, seien Beschimpfungen und vulgäre Ausdrücke nicht strafbar, befanden die Richter nach einem am Samstag veröffentlichten Urteil. Zwar seien Schimpfwörter moralisch verwerflich, aber im Alltagsleben würden sie toleriert, zumal sie auch im Fernsehen verwendet würden, argumentierten sie. Daher stellten sie auch keine Ehrverletzung mehr dar. Das oberste italienische Gericht hatte in der Vergangenheit bereits öfter für Aufsehen gesorgt. So hatte es befunden, dass eine Vergewaltigung nicht nachweisbar sei, wenn eine Frau enge Jeans trage, da man ihr die enge Hose nicht gegen ihren Willen ausziehen könne.
Glaube, Liebe, Hoffnung Zitate vom Wochenende Zumeist haben es die Diebe auf Damenunterwäsche abgesehen, nehmen aber auch andere bewegliche Sachen mit. Freitag, Juni 14, 2002
WM-Gedicht 1 Schade Frankreich, alles ist vorbei. (wird fortgesetzt)
Der Ball ist unter anderem auch deswegen rund, damit er seine Richtung ändern kann. Heribert Fassbender als Kommentator des Spiels Portugal gegen Südkorea soeben in der ARD.
ish Die Firma ish wird wohl nur den nordrhein-westfälischen Lesern ein Begriff sein. Die zur amerikanischen Callahan-Gruppe gehörende Firma hat in NRW das Kabelnetz der Deutschen Telekom AG übernommen und glänzt seit dem durch eine ungewöhnliche Ansammlung an Inkompetenz. Kurz nach der Übernahme erhöhte ish erst einmal die Kabelgebühren kräftig, anschließend bewies man auch technisches Unvermögen dadurch, dass hin und wieder ganze Kölner Stadtteile ohne Kabelfernsehen auskommen mussten, weil bei ish wohl jemand an den falschen Knöpfen gespielt hatte. Mittlerweile schlingert ish in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, da die Firma unter anderem die Kosten für den Ausbau des Kabels auf die sog. Netzebene 4 völlig unterschätzt hat. Dem versucht ish durch Preiserhöhungen und Mitarbeiterentlassungen (rund 500 Angestellte werden "freigesetzt") zu begegnen. Weiterhin wurde der Netzausbau verlangsamt, was im Klartext heißt, dass es in NRW momentan nicht möglich ist, die Verlegung eines Kabelneuanschlusses durch zu setzen. Um endgültig einen Spitzenplatz auf der Liste der unsympathischsten Firmen zu erlangen, hat ish nun gestern die Einspeisung der beiden belgischen Fernsehsender VRT 1 (flämisch) und RTBF 1 (französisch) eingestellt. Auf diesen beiden Sendern konnten NRW-Kabelkunden bisher die belgischen Übertragungen der Fußballweltmeisterschaften sehen. Alle Spiele wohlgemerkt und das ohne Premiere-Unfug oder Fassbender-Gewürge. Angeblich befürchten die belgischen Sender rechtliche Probleme mit der KirchMedia AG, die die Fußballrechte für Deutschland verwaltet. Die Kirch-Gruppe gibt es zwar - gottlob - seit Mittwoch nicht mehr, aber Abschalten ist immer der einfachste Weg. ish komplett die Schuld zu zuweisen, ist aber zu einfach. Es bleibt letzt endlich die Frage, wieso ein relativ mittelloses Land wie Belgien gleich über zwei öffentlich-rechtliche Sender mit allen WM-Ausstrahlungsrechten verfügt, das wesentlich reichere Deutschland aber über keinen einzigen. Quersubvention ist hier das entscheidende Stichwort. ARD und ZDF, die willenlosen Erfüllungsbüttel der beiden Großparteien CDU und SPD, zahlen stolze 10. Mio. Euro pro Spiel. Gebühren und Steuergelder, mit denen das schon lange völlig überschuldete Medien-Imperium des Duz-Freundes von Helmut Kohl, Leo Kirch, seine Agonie um Wochen verlängern konnte.
db Aus einem Interview mit David Bowie, das Spiegel-Online anlässlich der Präsentation des sehr empfehlenswerten neuen Bowie-Albums "Heathen" führte: Ich hasse den Mainstream. Ich ersticke an seiner Mittelmäßigkeit und Berechenbarkeit. [...]Ich habe während meiner Karriere immer wieder die Flucht weg von diesem verfluchten Ort angetreten. Sobald man zum Mainstream gehört, wird auf einmal alles leer und vollkommen hinfällig. In den Siebzigern bin ich aus Amerika abgehauen und in die Berliner Anonymität abgetaucht.
Donnerstag, Juni 13, 2002
Rubrik: Die Stimme von außen Zur US-Strategie gegen den Terrorismus schreibt die britische Zeitung "The Guardian" (London): Durch ihre Worte und Taten tun George Bush und die Mitglieder seiner Regierung womöglich mehr, um amerikanische Bürger in Angst und Schrecken zu versetzen, als die El-Kaida-Terroristen. Vor allem John Ashcrofts Versicherungen zu dem mutmaßlichen "schmutzigen Bombenleger" Abdullah al Muhajir machen eine genaue Analyse erforderlich. Der Justizminister behauptet, dass mit Muhajirs Festnahme eine "Verschwörung" aufgedeckt worden ist, die USA mit radioaktiven Waffen zu verseuchen.
Kapitalismus Hier erleben wir einen richtigen klassischen Kapitalismus. [...] Hier musst du nicht so rumeiern, die sind nicht so ideologisch. Die wollen wissen, wie viel Profit sie machen können und ich will wissen, wie viele Arbeitsplätze ich dafür kriege in Berlin. Das ist so eine Ebene, auf der kann ich mich verständigen. Der Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS) bei einer Werbetour für den Standort Berlin am Mittwoch in New York.
WM-Presse: Les Miserables Hart ins Gericht geht die französische Presse mit der Leistung ihrer Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft: "L'Humanite": "El Periodico" (Spanien): Mittwoch, Juni 12, 2002
Adieux les bleus Fußballfans im speziellen und Fanatiker im allgemeinen neigen ja zur Abergläubigkeit, irrsinnigen Deutungen und Anpassung der Realität an die Vorstellungen, die der Fan für die bessere Realität hält. Und natürlich zu Sätzen wie "Der Super-Bode, hab ich doch gleich gesagt", nachdem man 5 Minuten vorher noch erklärt hat: "Der Bode? Nein, nicht der Bode auch noch, der alte Rumpelfuß". Für die irrwitzigsten Realitätsdeutungen und Wirklichkeitsverdrehungen sind aber stets die Inselkollegen zuständig, deren konservativer Teil immer noch alter Empire-Herrlichkeit nachzutrauern scheint. Die britische Zeitung "The Times", die gegen die Europäische Währungsunion kämpft, erklärt in ihrer Mittwochsausgabe, warum der Weltmeister Frankreich in Wirklichkeit vorzeitig bei der WM ausgeschieden ist: Die letzten Jahre des Franc haben Frankreich bei der WM und bei der EM großen Ruhm beschert. Doch jetzt, bewaffnet mit Euros, sind "Les Bleus" erst von Senegal geschlagen worden und gestern im entscheidenden Duell von Dänemark, dem Land, das den Euro in einem Referendum abgelehnt hat. Der festgesetzte Wechselkurs kann praktisch alle Überraschungsergebnisse dieses Turniers erklären.
Gute Manieren Aus der Uni-Zeitung der Uni Cambridge über eine Collegeparty: Dorothy Parker: Nach drei Martini liege ich unter dem Tisch, nach vier unter dem Gastgeber.
Aus dem Reformhaus Der Mannheimer Duden-Verlag hat eine positive Bilanz der Rechtschreibreform gezogen. "Die Reform ist auf einem gutem Weg, um wie geplant ab 2005 die alte Rechtschreibung komplett abzulösen", erklärte Vize-Redaktionsleiter Werner Scholze-Stubenrecht. Zuvor hatte die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, dass die Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung in ihrem jüngsten Jahresbericht den Erfolg der 1998 eingeführten Reform bezweifelt. Für das nächste Jahr seien Korrekturen in Aussicht gestellt worden. Weiterhin könnten rechtzeitig vor dem Ende der Übergangszeit (bis 31.Juli 2005) neue Verordnungen erlassen werden. Scholze-Stubenrecht betonte, er sehe im Augenblick aber keinen Bedarf, die Reform auch nur in Teilen zu reformieren oder gar zurückzunehmen. Eine Neuauflage des Rechtschreib-Dudens sei derzeit nicht absehbar. Dienstag, Juni 11, 2002
Quak Tierische Klänge erobern derzeit die Charts im US-Staat New Jersey. Eine neue CD mit Froschquaken findet so reißenden Absatz, dass die staatliche Naturschutzbehörde kaum mit der Produktion nachkommt. 'Es ist ganz erstaunlich. Wir hätten nicht gedacht, dass sie so populär wird", sagte die Direktorin der Umweltschutzstiftung, Linda Tesauro. Aufgenommen wurden die Froschklänge in der freien Natur. Ursprünglicher Zweck der CD: Tierfreunde sollten mit ihrer Hilfe lernen, die verschiedenen Quaklaute der kleinen Amphibien zu unterscheiden.
Rubrik: Die Stimme von außen Die luxemburgische Tageszeitung "Luxemburger Wort" über die deutschen Politik, wie sie sich derzeit im Antisemitismusstreit darstellt: Das Wohl der FDP müsste einen nicht besonders anfechten, Möllemanns Skandalnummer könnte egal sein, wenn nicht die starrköpfigen Spiegelfechtereien riskierten, größeren Schaden anzurichten. [...] Die deutsche Politik bewegt sich zur Zeit nicht auf einem würdigen Niveau. Nachdem Kanzler Schröder den Bundesrat durch wiederholtes Schachern um Stimmen bei Voten über Steuer- und Rentenreform schon nachhaltig beschädigte, Bundesratspräsident Wowereit bei der Abstimmung über das Zuwanderungsgesetz mit einer umstrittenen Reglementsauslegung nachlegte und schließlich die Opposition nach Erreichen der Stimmenmehrheit die Institution zur wahltaktischen Klitsche abwertete, ist der Flurschaden unübersehbar. Gibt es in Deutschland keine wichtigeren Themen? Arbeitslosigkeit,
Tja ... Der FDP-Kreisvorsitzende im thüringischen Eisenach, Klaus Schneider, sieht sich durch eine Aktion des Satiremagazins "Titanic" in ein falsches Licht gerückt. "Titanic"- Chefredakteur Martin Sonneborn und mehrere Mitarbeiter hatten sich in Eisenach als Junge Liberale ausgegeben und mit antisemitischen Plakaten für die FDP geworben. Schneider traf auf die Gruppe und schüttelte Sonneborn vor einem Fotografen die Hand. Die "Titanic"-Mitarbeiter hatten vor einem "Guidomobil" Passanten gefragt, ob der Vizepräsident des Zentralrates der Juden, Michel Friedman, in die "Heimat zurückgeschickt" werden solle. Sie postierten sich dabei mit drei vorgeblichen FDP-Plakaten. Eines zeigte Friedman mit einem roten Kreuz vor dem Mund, auf dem stand: "Gib endlich Friedman!", darunter die Parole "Judenfrei und Spaß dabei!" Schneider kommentierte dieses Plakat mit den Worten: "Das ist Verpackung, das gehört dazu." Zur Rede gestellt, erklärte er später freilich, er habe die Plakate, vor allem das mit Friedman, in der Hektik nicht richtig wahrgenommen. Die Jungen Liberalen Thüringens wollen Anzeige gegen die "Titanic" erstatten, wie ihr Sprecher Andreas Ludwig ankündigte. Montag, Juni 10, 2002
Hauptsache PC Eine Stellenanzeige, mit der "freundliches" Personal angeworben werden sollte, ist in Großbritannien als "diskriminierend" eingestuft worden. Menschen, "die nicht das Glück haben, eine solche Art von Persönlichkeit zu sein", würden damit ausgeschlossen, argumentierte ein Arbeitsamt aus dem Ort Bolton und verbot dem Geschäftsmann Dominic Speakman eine entsprechende Stellenausschreibung. Wie die BBC am Freitag berichtete, sucht Speakman nach Personal für ein Cafe. Er bezeichnete die Zensur des Arbeitsamtes als ein "lächerliches Beispiel für politische Korrektheit".
Rubrik: Die Stimme von außen Zu den jüngsten Konzernzusammenbrüchen und Finanzskandalen in den USA schreibt die linksliberale britische Zeitung "The Observer" (London) in ihrer Sonntagsausgabe: Während des größten Teils des vergangenen Jahrzehnts ist die amerikanische Wirtschaft unkritisch als Bannerträger von Unternehmergeist, Dynamik und Innovation gefeiert worden. Die Mittel zu diesen Zweck - unerhörte Vorstandsgehälter - wurden als notwendiger Preis für Wachstum und Innovation betrachtet. Jetzt lernt Amerika auf die harte Tour, dass schlichtere Tugenden wie Integrität und geduldiges Investment auch ihren Wert haben. Das geradem fantastische Ausmaß an persönlicher Gier, an Betrug und Unfähigkeit wirft nicht nur einen langen Schatten auf die viel gehörte These, wonach der amerikanische Kapitalismus des freien Marktes das Modell für die Welt schlechthin ist. Es untergräbt auch die Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung in den USA. Großbritannien und Europa müssen in Zukunft vorsichtiger damit sein, das zu imitieren, was sich nun als eine der schlechtesten Formen von ungezügeltem Kapitalismus herausstellt.
Glaube, Liebe, Hoffnung Zitate vom Wochenende Die meisten Leute sehen so furchtbar aus, dass ich sie gar nicht ansehen mag. Samstag, Juni 08, 2002
Möllemänner: Wir müssen leider draußen bleiben Die überregionale "tageszeitung" (taz ) hat ihre heutige Ausgabe zur "Möllemann-freien Zone" erklärt. Die Redaktion habe sich darauf verständigt, alle Passagen zu streichen, in denen Möllemann thematisiert wird, teilte die Zeitung mit. Verdeutlicht werden solle dies auch mit einem Stempel im Titelkopf der Printausgabe. "Möllemann soll sich den Platz gefälligst kaufen, den er für seine Inszenierung braucht", sagte der stellvertretende Chefredakteur Thomas Eyerich. Allerdings bekomme der FDP-Vize den auch nicht auf einer Anzeige. Eyerich: "Wir drucken keine Anzeigen von Antisemiten." Freitag, Juni 07, 2002
Endlich Dringend empfehlen wollen wir den neuen Netscape. Beim Netscape 7.0 handelt es sich zwar erst um ein PreRelease, der Browser macht allerdings einen sehr guten Eindruck und besser als das Virenmagnet von Microsoft ist er allemal. Das PreRelease kann hier und hier runtergeladen werden.
Rubrik: Die Stimme von außen Zur Antisemitismus-Debatte in Deutschland meint das niederländische unabhängige "Algemeen Dagblad" (Ausg. 06/06/02) aus Den Haag: Deutschland ist mehr oder weniger Gefangener seiner eigenen Geschichte. Es trägt große Verantwortlichkeit für den israelisch- palästinensischen Konflikt, denn ohne Hitler und ohne den Holocaust wäre höchstwahrscheinlich kein jüdischer Staat gegründet worden. [...] Die Debatte hebt sich krass ab von anderen Diskussionen über die deutsche Geschichte und damit auch über die deutsche Identität, die in immer kürzeren Abständen aufeinander folgen. Die Diskussionen machen deutlich, dass sich der deutsche Riese, die wichtigste Industrienation Europas, auf der Suche befindet und verwundbar ist. Patriotische Gefühle kennen unsere Nachbarn nur, wenn die Nationalmannschaft gewinnt. Ein Nationalgefühl wie in den Niederlanden oder in den USA ist ihnen fremd.
Haarmutation: Von Roberts zu Bin Laden In Hongkong hat eine Kundin einen Friseur verklagt, weil sie nach einer Dauerwelle wie der islamische Extremistenführer Osama bin Laden ausgesehen habe. Verlangt habe Frau Chu Leu eine Frisur wie Hollywood-Star Julia Roberts, berichtete die Zeitung "South China Morning Post", am Donnerstag. Vor Gericht sagte Chu, ihre Haare hätten nach zwei Dauerwellen- Behandlungen im Juli und August vergangenen Jahres ausgesehen wie ein Besen. "Jedes Haar stand ab, es sah aus wie ein offener Regenschirm, den man nicht schließen kann. Es war schrecklich. Ich sah aus wie Osama bin Laden", meinte Chu unter Anspielung auf den Turban, die übliche Kopfbedeckung des Moslem-Extremisten. Ihre Forderung nach einer Entschädigung von 50.000 Hongkong-Dollar (etwa 6.800 Euro) wies der Richter jedoch zurück. Die Klägerin habe nicht nachweisen können, dass ihr Haar tatsächlich beschädigt worden sei. "Sie haben dem Gericht nur gezeigt, dass der Haarschnitt nicht gut aussah", sagte der Richter. Trotz intensiver Recherche ist es uns nicht gelungen, ein Vorher-Nachher-Bild der betroffenen Dame aufzutreiben. Hätte uns ja schon interessiert. Donnerstag, Juni 06, 2002
WM-Notiz: Klogang Mehr als eine Million Berliner sind nach dem Pausenpfiff beim zweiten Weltmeisterschafts-Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Irland auf die Toilette gegangen. In den fünf Minuten nach der ersten Hälfte sei am Mittwoch ein deutlicher Anstieg des Wasserverbrauchs in der Bundeshauptstadt zu verzeichnen gewesen, teilte der Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe, Stephan Natz, mit. Auch in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart nutzten die Fußball-Fans die 15 Minuten zwischen dem Seitentausch zum Toiletten-Gang. Im Ländle stieg der Verbrauch zu diesem Zeitpunkt um etwa ein Drittel an.
WM-Notiz: Frauenabseitsregelerklärwitz Ich verstehe nicht, was die da auf dem Feld machen. Die Spieler hören zwischendurch immer auf zu spielen, und ich weiß nicht warum. Die amerikanische Sängerin Anastacia, die bei der Schlussfeier der Fußball-WM auftreten wird, in "BILD" (Mittwochsausgabe) über ihr Fußballkenntnisse.
Autorenzeilen-Streik Mit einem "Autorenzeilen-Streik" ("Byline Strike") haben die Journalisten der "Washington Post" gegen das ihrer Ansicht nach unzureichende Lohnangebot protestiert. Fast die ganze Zeitung erschien am Mittwoch ohne Autorennamen über den Artikeln. Schlicht "Von einem Washington Post-Mitarbeiter" stand an der Stelle der sonst üblichen Autorennamen. Selbst auf den Sonderseiten zum 125 jährigen Bestehen der renommierten Zeitung fehlen die meisten Bylines. Zu dem Streik hatte die Gewerkschaft Washington-Baltimore Newspaper Guild aufgerufen, in der mehr als l 400 Mitarbeiter organisiert sind. Die Angestellten wollen im Tarifvertrag für die nächsten drei Jahre mehr Lohn durchdrücken. Zudem wollen sie die Genehmigung, Urlaubstage in das nächste Kalenderjahr mit hinübernehmen zu dürfen. "Reporter haben das Recht, ihre Autorenzeile zurückzuhalten", sagte die zuständige Personalchefin Patricia Dünn "Wir konzentrieren uns darauf, die Vertragsprobleme am Verhandlungstisch zu lösen." Wo auch sonst. Mittwoch, Juni 05, 2002
About FAZkes Einen sehr guten Kommentar zu der unsäglichen Walser-Debatte hat Thierry Chervel vom Perlentaucher geschrieben. Wer entscheidet denn neuerdings, welches Buch veröffentlicht werden soll? Frank Schirrmacher? Er darf entscheiden, welches Buch in seiner Zeitung vorabgedruckt wird. Marcel Reich-Ranicki? Ein Kritiker entscheidet, wie er ein Buch findet, weiter nichts. Jürgen Habermas, der in Walsers Buch karikiert wird und darüber nicht besonders erfreut sein soll? Das ist ein komplizierterer Fall. Habermas sitzt in dem zu gründenden Stiftungsrat des Suhrkamp Verlags, der nach dem Tod von Siegfried Unseld über die Geschicke des Hauses mitbestimmen soll. Und er hätte nicht die Souveränität, eine Karikatur von sich zu ertragen? Das nennen wir Strukturwandel der Öffentlichkeit. Ein solcher Stiftungsrat hätte auch Proust nicht publiziert - zu viele Karikaturen in der "Recherche", einige sogar antisemitisch. ( weiterlesen )
Aus der Schlemmerecke Wer regelmäßig Würmer, Grasshüpfer und Schmetterlinge auf dem Teller hat, isst einer thailändischen Studie zufolge außerordentlich gesund. Die Bevölkerung im Norden und Nordosten des südostasiatischen Landes, wo traditionell Insekten auf dem Speisezettel stehen, ernähre sich deshalb besser als die übrigen Thailänder, berichtete die Zeitung "The Nation" unter Berufung auf die Erkenntnisse des Landwirtschaftsministeriums. "Die Dorfbewohner dort haben den Nährwert erkannt und nutzen ihn als zusätzliche Eiweißquelle", zitiert das Blatt die Insektenkundlerin Ar-ngun Liuwanich aus dem Ministerium. Den Angaben zufolge landen im nördlichen Thailand mehr als 190 verschiedene Insektenarten im Kochtopf oder auf dem Grill, darunter auch Bienen, Ameisen, Wespen und Termiten. Mehr als die Hälfte davon seien Käfer, gefolgt von Schmetterlings- und Heuschreckenarten. Dienstag, Juni 04, 2002
Antarktis: Dackel und Sprengstoffe unerwünscht In dem Konzept der Bundesregierung für einen umweltfreundlicheren Tourismus sticht eine kluge Maßnahme besonders hervor. Das Umweltbundesamt hat einen Leitfaden für Besucher der Antarktis entwickelt. Dort erfährt der überraschte Leser unter anderem "Die klimatischen Bedingungen in der Antarktis sind nach menschlichen Maßstäben außer ordentlich harsch." Ach so, Pullover-Einpacken nicht vergessen. Touristen werden Verhaltensregeln wie "Distanz bitte!" oder "Ruhe bitte!" ans Herz gelegt. Wir vermissen freilich den Hinweis "Rasen betreten verboten", dafür wird allerdings an Antarktisbesucher dringend appelliert, im Urlaub keine Sprengstoffe zu benutzen. Auch Hunde müssen leider draußen bleiben - der heimische Dackel darf also nicht mit in den eisigen Urlaub. Und noch eine Bitte bezüglich historischer Stätten "Malen oder ritzen Sie keine Namen oder Graffiti auf Steine oder Gebäude." Mannigfaltige Verbote also, dafür aber freundliche Tiere; "Hier heißt Sie ein Adeliepinguin willkommen", steht unter einem der Fotos. Über die Anzahl der Deutschen, die ihren Urlaub in der Antarktis verbringen, gibt die Broschüre keine Auskunft.
Pomp and Circumstance "Komische Leute, diese Engländer". Unter dieser Überschrift berichtet die Mailänder Zeitung "Corriere della Serra" über die Feiern zum 50. Thronjubiläum der Queen. Dem stimmen wir natürlich sofort zu, wirklich seltsam, was sich dort abspielt. Man kommt sich beim Betrachten der Bilder von den Feierlichkeiten wie in einer Operette vor, oder wie in einem Bericht über den Besuch von Johannes Rau in einem afrikanischem Entwicklungsland. "Pomp and Circumstance" in der Fassade, proletenhafte Kleinbürgerlichkeit, Mittelmäßigkeit und schlichte geistige und soziale Armut dahinter. Btw. die Titelgeschichte von "Der Spiegel" über Königin Elizabeth II. hat in Großbritannien Kritik ausgelöst. Der konservative "Sunday Telegraph" nannte den Artikel am Sonntag eine "erstaunliche Attacke auf die Queen und Großbritannien". Unter der Überschrift "Wie ein letztes welkes Blatt" hatte das Magazin die Königin (76) unter anderem als ein "eher unscheinbares Muttchen" bezeichnet (ich habe beim ersten Überfliegen natürlich "unscheinbares Nuttchen" gelesen). Großbritannien sei längst in "europäische Mittelmäßigkeit" abgesunken. "Spiegel"-Sprecher Hans-Ulrich Stoldt wollte am Sonntag die Kritik an der Titelgeschichte (Nr. 22/27. Mai) nicht kommentieren. Der britische Verfassungshistoriker Lord Blake nannte den Bericht eine "giftige Attacke, noch dazu gemein und unfair". Der deutsche Botschafter in London, Hans-Friedrich von Ploetz, wollte den Artikel ebenfalls nicht kommentieren, sagte aber: "Die Monarchie tut dem Land im Ausland viel Gutes." Auch dem stimmen wir bei und erinnern gerne an den Unfalltod von Lady Di. Montag, Juni 03, 2002
WM-Notiz: Hätten Sie's gewusst? Der 8:0-Erfolg der deutschen Mannschaft über das Team aus Saudi-Arabien war zweifellos ein sog. Kantersieg - also ein leichter, müheloser, klarer Sieg. Dabei bedeutet "Kanter", entlehnt aus dem englischen "canter", so viel wie "kurzer, leichter Galopp". "Canter" ist die Kurzform von "Canterbury gallop", dem ursprünglichen Namen für diese Gangart des Pferdes. "To win in a canter" meinte also zunächst ein Rennen nur kurz und leicht galoppierend gewinnen. Erst im übertragenen Sinn wurde daraus der klare Sieg. Kleine Besserwisserei .
Glaube, Liebe, Hoffnung Zitate vom Wochenende Ich gehöre im übrigen nicht zu den Schwaben, die der Meinung sind, Pfälzer seien keine Menschen, sondern Franzosen. Sonntag, Juni 02, 2002
WM-Notiz In der ersten Euphorie namens "Wir sind wieder wer" wollte ich eigentlich an dieser Stelle die martialischen - und von mir in dieser Form irgendwie geliebten - ausländischen Pressestimmen zum deutschen 8:0 Sieg gegen Saudi-Arabien veröffentlichen [á la "Dong-A Ilbo": Die deutschen Panzer haben keinen Rost angesetzt oder "Yomiuri": Sapporo erlebte einen Blitzkrieg], ferner wollte ich hier auf die sehr gute BILD-Schlagzeile von Samstag aufmerksam machen [Rudi haudi Saudis], mach' ich jetzt aber nicht, vielmehr stelle ich - okay, auch erst nach dem dritten Erkenntnis-Bier, dafür aber ein Bier mit dem sehr deutschen Namen "8,8" (guter Scherz, bitte lesen Sie schnell weiter) - mal die Frage, was eigentlich eine Trümmertruppe wie die Saudis bei einer WM zu suchen hat. Hier auch gleich die Antwort: Nix. Selbst die Mannschaft, in denen ich den ehemals-pfeilschnellen Rechtsaußen ("FC Schmierfinken", gut nur in der dritten Halbzeit) zu geben pflege, hätten gegen diesen Haufen krummbeiniger Kameltreiber noch gut ausgesehen. Daher hier nur eine einzige Pressestimme, aber die kommt mir von Herzen: "El Mundo" aus Spanien: Genau.
Samstag, Juni 01, 2002
Belgique: Douze points Jetzt muss ich mal loben, ausnahmsweise. Normalerweise meckere ich ja lieber, jetzt aber: Großes Lob an Belgien. Die werden ja sonst auch nie von jemandem gelobt. Belgien? Weshalb, ja warum überhaupt Belgien, mag man sich ja ansonsten eher fragen. Aber im Lande der Brüsseler Spitzen gibt es einen prima Fernsehsender: RTBF1. Und der überträgt fast alle Spiele der Fußballweltmeisterschaft live. Und das umsonst. Klar, ich verstehe kaum etwas vom Kommentar, aber es ist mir wesentlich lieber nix zu verstehen, als Heribert Fassbender verstehen zu müssen. |