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Notizen |
Freitag, August 30, 2002
Let's talk Global-Player-Denglish Klaus Zumwinkel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG, hat es geschafft. Endlich. Für die Wortkreationen "Funcard mailing", "speed booking", "Post- und Sparcard" hat ihn der Verein Deutsche Sprache zum "Sprachpanscher des Jahres 2002" gewählt. Mit der heute bekannt gegebenen Auszeichnung spießen die Sprachschützer Kreationen von Menschen auf, die sich bei der Vermischung des Deutschen mit dem Englischen zu "Denglisch" mit besonders derben Fehlgriffen hervorgetan haben. Nominiert war außer Zumwinkel auch noch Uli Hoeneß für "away shirts" und "ups and downs" oder "win-win- situations". Ebenfalls nur zweiter Sieger wurde der Vorsitzende der Bausparkasse Schwäbisch Hall, Alexander Erdland. In der Zeitschrift der Häuslebauer fanden die Sprachwächter Wortschöpfungen wie "das Town & Country-Fertighaus" oder die zur "Man's world" umbenannte Kellerwerkstatt. Der Verein mit Sitz in Dortmund hat festgestellt, dass die Fantasie für immer neue "Denglisch"-Blüten keine Grenzen kennt. "Manche Leute finden das cool", meint der Vorsitzende Walter Krämer augenzwinkernd. Andere hingegen würden sich über die überflüssigen englischen Brocken ärgern und darin eine "verächtliche Behandlung der deutschen Sprache" sehen. Deswegen bekämpft die 1997von dem Wirtschaftsprofessor gegründete Gemeinschaft den Sprachenmix. Nach Angaben des Vereins haben sich den Sprachschützern weltweit mehr als 13 000 Menschen angeschlossen. Alle waren zur brieflichen Abstimmung über den schlimmsten Panscher aufgerufen, 1850 gaben diesmal ihre Stimme ab. 1203 Mitglieder sahen in den Wortschöpfungen Zumwinkels die schlimmsten Auswüchse. Die Post AG verteidigte dagegen ihren Chef. "Deutschtümelnde Traditionalisten verstehen einfach nicht, dass international tätige Unternehmen Produkt- und Dienstleistungsbezeichnungen auch in der Weltsprache Englisch wählen", sagte Gert Schukies, Direktor für Konzernkommunikation der Deutsche Post World Net, in Bonn.
Yep! Sie machen am 22. September Ihr Kreuz, das sie dann vier Jahre zu tragen haben.
Rubrik: Stimmen von außen Die Londoner Zeitung "The Times" über die wirtschaftliche Lage in D-Land: Das Wetter in der Eurozone wird von Deutschland gemacht. Und sowohl buchstäblich als auch im übertragenen Sinn ist das Wetter dort scheußlich. Der Niedergang der wirtschaftlichen Zuversicht in Deutschland spiegelt sich in Arbeitslosigkeit wider, die in der nächsten Woche wieder einmal vier Millionen übertreffen wird. Aber noch Schlimmeres steht mit großer Sicherheit bevor, denn Gerhard Schröders entschlossene Antwort auf die Fluten besteht in der Verschiebung von Steuersenkungen und in Hinweisen auf mögliche Erhöhungen der Unternehmenssteuern - das genaue Gegenteil dessen, was nötig ist. [...] Ohne tiefer gehende Strukturreformen wird die deutsche Krankheit weder durch Schröders jüngsten Beschäftigungsplan noch durch die Vorschläge der Opposition wirtschaftlichen Anreizen zu geheilt werden. In Washington wird schon nicht mehr darüber diskutiert, ob die USA angreifen sollen, sondern darüber, ob sie es allein tun sollen oder nur mit dem Segen der UN und mit Alliierten. Cheney hat für den Alleingang gesprochen und jede Rückkehr von Waffeninspektoren als Zeitverschwendung abgelehnt. Wir brauchen jetzt ganz dringend die Multilateralen; sie müssen ihre Sache vertreten und verhindern, dass die Aussicht auf einen schnellen Sieg über den Irak die USA blind macht für die potenziell verheerenden langfristigen Konsequenzen. Donnerstag, August 29, 2002
In der Relation erträglich In der heutigen "FR" schreibt Ulrich Speck "eine kanzlerästhetische Betrachtung", wobei er zu dem Schluss kommt, dass er Schröder deswegen erträglich findet, weil dessen Vorgänger Kohl die Inkarnation des Provinziellen war: Wenn Kohl im Fernsehen erschien, mit oder ohne Strickjacke, dann war mir das immer schrecklich peinlich. Jahr um Jahr habe ich mich geschämt. Sechzehn lange Jahre habe ich schlichtweg nicht kapiert, warum nicht ganz Deutschland augenblicklich in Scham versinkt, wenn Kohl auftrat, dieses Inbild einer dreisten Provinzialität. Selbst die Wendestunden in Dresden, Berlin und anderswo, in denen der Mann endlich der ganzen Welt vor Augen führen durfte, dass es immer schon sein größter Wunsch war, sich vom Leser historischer Werke in deren Gegenstand zu verwandeln, waren kaum erträglich, und die Momente, in denen, nachdem ich die Schwelle der Dreißig überschritten hatte, mein Widerwillen zur milden Ironie erschlaffte, waren nur kurz. Mit diesem Kanzlergesicht, mit dieser Kanzlersprache konnte und wollte ich mich nie versöhnen: der schwere Schritt, das einfältig-selbstgefällige Grinsen, das aufgesetzte Pathos und die Unfähigkeit, "sch" zu sagen. Sein Deutschland war nie mein Deutschland, konnte es nie werden. [...] Kohl dagegen blieb einfach immer nur Kohl, ein Imitat, ein Leseopfer der Biographien wirklich großer Staatsmänner.
Verwischung der Grenzen: Journalistischer Hirtenbrief Die "Financial Times Deutschland" (FTD) will kurz vor dem Wahltermin Stellung für eine Partei beziehen. Ziel sei es, den Lesern eine klare Orientierung zu geben und Mut zur Meinung zu zeigen, teilte die Zeitung mit. Damit folgt das Wirtschaftsblatt seiner Schwesterzeitung "Financial Times". In Großbritannien und den USA gehören "endorsements" der Zeitungen zur Tradition, während sich deutsche Blätter mit direkten Wahlempfehlungen bisher stets zurückgehalten haben. Direkte Wahlempfehlungen gab es bis dato nur von den Gewerkschaften und der Katholischen Kirche via "Hirtenbrief".
Job-Maschinerie Es kann nicht unser Ziel sein, dass Leute Tag und Nacht irgendwelchen Billigjobs hinterher rennen, damit sie eine Wohnung bezahlen können - oder gar keine mehr brauchen vor lauter Arbeit. Der parteilose Bundeswirtschaftsminister Werner Müller in der Augustausgabe der ver.di-Zeitschrift "Publik" zur Diskussion über Niedriglohnsektoren. Mittwoch, August 28, 2002
Rubrik unnützes Wissen: Schlafzimmer-Styling Für viele Frauen hört die Liebe schon beim Anblick des männlichen Schlafzimmers auf. Herumliegende schmutzige Unterwäsche finden 83 Prozent der Frauen zwischen 19 und 39 Jahren abstoßend, wie eine am Dienstag veröffentlichte Gewis-Umfrage unter 1.046 Frauen für die Zeitschrift "Men's Health" ergab.
Nomen Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen? ![]()
Inszeniertes Texas-Ding Aus einem Interview mit dem amerikanischen Schauspieler Larry Hagmann ("J.R. Ewing" in "Dallas") aus der SZ vom letzten Samstag: Während der Idiot Reagan gefährlich, aber nicht eigentlich dumm war, sieht die Sache bei dem Idioten George W. Bush schon anders aus: Das Land wird heute von einem Menschen regiert, der gefährlich und dumm ist. George W. Bush fällt komplett aus dem Rahmen dessen heraus, was Sie und Ich unter einem sozialisierten Menschen verstehen. Er kann nicht reden. Er kann nicht lesen. Er ist Legastheniker. Und, jetzt kommt das Beste: Er ist unser Präsident. [...] Dienstag, August 27, 2002
Religion? Jedi! Möge die Macht mit ihnen sein. Mehr als 70.000 Menschen haben bei der letzten Volkszählung in Australien die Frage nach ihrer Religion mit "Jedi" beantwortet. Wie das Australian Bureau of Statistics am Dienstag mitteilte, sind das 0,37 Prozent der 19 Millionen Einwohner Australiens. Der "Jedi-Boom" in Australien begann Anfang vergangenen Jahres vor der Volkszählung im August im Internet, als dort in Fan-Kreisen Berichte kursierten, wonach Jedi als Religion anerkannt werden müsse, wenn mindestens 10.000 Menschen dies zu ihrer Religion erklärten. Das Statistische Amt reagierte umgehend und drohte bei falschen Angaben mit einer Geldbuße von 1.000 australischen Dollar (ca. 560 Euro).
Parallelen Das Prinzip wird sein, dass nach der Flut niemand materiell schlechter gestellt sein darf als vor der Flut.
Rubrik: Much ado about nothing TV-Duell-Nachlese Stoiber hat gewirkt wie eine aufgezogene Videokassette.
Silvios TV Der Medienkonzern Mediaset ist stark an einer Übernahme von ProSiebenSat1 interessiert, wenn der deutsche TV-Konzern aus der Insolvenzmasse der KichMedia AG herausgelöst würde. Dies meldete heute die italienische Nachrichtenagentur ANSA. So weit so uninteressant. Allerdings gehört Mediaset dem halbseidenen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Gelingt die Übernahme, so hätte zum ersten Mal in der Geschichte ein ausländischer Politiker direkten Einfluss auf eines der wichtigsten deutschen Medienunternehmen. Welche Folgen das hat, kann man sich ja schon mal an der fast gleichgeschalteten italienischen TV- und Radio-Landschaft anschauen. Nicht auszudenken, das.
Rubrik: Stimmen von außen Zur deutschen Diskussion über einen möglichen Krieg gegen den Irak schreibt am Dienstag "The Guardian" aus London: Montag, August 26, 2002
Suchmaschinen-News Daypop
Glaube, Liebe, Hoffnung Zitate vom Wochenende Jetzt, wo Bochum und Rostock den Meister unter sich ausmachen, müssen wir sehen, dass wir dranbleiben.
Qualität trotz Rezession Der Hessische Journalistenverband (hjv) sieht durch den Stellenabbau bei den Medien die Pressefreiheit gefährdet. Auf einem Verbandstag am Wochenende in Fulda kritisierten die Mitglieder den "dramatischen Abbau journalistischer Qualität durch Stellenstreichungen, Seitenreduzierung und Einsparungen". Zum Abschluss der Veranstaltung verabschiedeten die rund 60 Delegierten als Vertreter von 3000 hessischen Journalisten einstimmig eine sog. "Fuldaer Erklärung". In dieser fordert der hjv die Verlage und TV-Anstalten auf, trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage die Pressefreiheit und Pressevielfalt zu erhalten. Journalisten würden immer öfter nur noch als "lästige Kostenfaktoren" bewertet, so hjv-Verbandsvorsitzender Hans-Ulrich Heuser. Wörtlich heißt es in der Resolution: "Betriebsbedingte Kündigungen von Redakteuren, die Auflösung ganzer Redaktionen sowie Honorarkürzungen für freie Journalisten gefährden Qualität und Vielfalt des Informationsangebotes für die Bürger gravierend". Sonntag, August 25, 2002
Das TV-Duell Schröder vs. Stoiber Eher ein Duellchen, einige Zitate. Einige Umfrageergebnisse. Der Bundeskanzler neigt dazu, bei Krisen sofort die Steuern zu erhöhen. Blitzumfragen direkt nach dem TV-Duell Bundeskanzler Gerhard Schröder hat nach einer Sat.1-Umfrage das Fernsehduell gegen Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber für sich entschieden. Nach der von dem Sender in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage fanden 57 Prozent der Zuschauer Schröder sympathisch, 35 stimmten für Stoiber. 48 Prozent der Befragten sagten, Schröder habe auf sie kompetent gewirkt, Stoiber kam auf 41Prozent. Bei der Glauwürdigkeit lag Schröder mit 51 Prozent deutlich vor Stoiber mit 39 Prozent. Samstag, August 24, 2002
About Beth In der Toilette stehen Frauen und Mädchen vor dem langen Spiegel, waschen sich die Hände, kämmen sich das Haar und tragen Make-up auf. Beth stellt sich einen Augenblick zu ihnen, um sich die Hände zu waschen. An der Wand hinter ihnen hängt ein Spiegel, der den vorderen widerspiegelt, so dass reihenweise Gesichter vor ihr erscheinen, Tausende von Mädchen, die sich dabei betrachten, wie sie sich betrachten. Die Gesichter der meisten Mädchen sind leer und wirken fast wie Masken. Aus schmink- und coolness-technischen Gründen wohl. Wie in einem Gemälde von Alex Katz, denkt Beth und lässt sich warmes Wasser über die Hände laufen.
Western Fernsehabende sind blöd, gestern Abend war ich blöd: also TV. Auf dem ansonsten unerträglichen Sender Kabel 1 lief "Geronimo", amerikanischer Western von 1993 mit Gene Hackmann. Müde dämmerte ich so vor der Glotze und der an sich ganz ordentliche Film plätscherte vor sich hin. Plötzlich schreckte ich hoch, geweckt von einem für einen (amerikanischen!) Western geradezu genialen Satz. Die guten Cowboys kamen in ein Indianerdorf, in dem zu vor die schlechten Cowboys alle Bewohner dahingemetzelt hatten. Frauen, Kinder und Alte, alle splattermäßig tot. Sagt einer der guten Cowboys: "Das müssen Texaner gewesen sein, die niedrigste aller menschlichen Lebensformen". Hossa, sauber, Danke. Und Gruß an US-Präsidentendarsteller Georg Texaswalker Bush.
Spam dem Spam Noch mal das Thema Spam-Mails. Jörg Kantel, der den hervorragenden Weblog Schockwellenreiter betreibt, initiiert nun den Gegenschlag. Das liest sich zwar etwas wie der Kampf gegen die Windmühlen, aber meine Sympathien waren ja noch nie bei den Windmühlenblättern. Freitag, August 23, 2002
Volksverdummung im Zeitgeist Hin und wieder ist es ganz erhellend oder verdunkelnd einen Blick in die Statistikseite von google zu werfen, die den hübschen Namen Zeitgeist trägt. [On a monthly, weekly, and sometimes daily basis, this Google Zeitgeist page will be updated to reflect lists, graphs, and other tidbits of information related to Google user search behavior.] Wer mit welchem Browser surft, ist ja mittlerweile nicht mehr interessant, dafür aber, welche Begriffe in welchem Zeitraum die meist eingetippten waren. Auf Platz 3 der Juli 2002-Auswertungen (nach "Tour de France" und "Michael Ballack") findet man seltsamerweise: Volksverdummung. Ob das schon was mit der bevorstehenden Wahl zu tun hat?
"..." Paul Valéry hat sie als Ordnungshüter beschrieben: "So stelle ich ein Wort zwischen Anführungszeichen wie zwischen zwei Polizeibeamte, die es nicht alles das machen lassen, was es will." Wer eine Geschichte der Anführungszeichen schreiben will, verrät uns Volker Pantenburg in einem kleinen, anregenden Aufsatz, der muss auseinander driftenden Spuren nachgehen. [Anführen - Vorführen - Aufführen. Texte zum Zitieren. Hg. von Volker Pantenburg und Nils Plath. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2002. 291 Seiten, 19,80 Euro]
Salto stoiberale Die Frage, für welche Programmatik eigentlich Herr Stoiber steht, ist weiterhin offen. Geklärt ist allerdings, was er akrobatisch draufhat: Den Stoiber-Salto. Und der geht so: Die Union ist gegen die Flutkostenbegleichung mittels zurück genommener Steuerreform, stimmt aber im Bundestag dafür und wirbt gleichzeitig für den Wählerauftrag, den Beschluss nach der Wahl wieder zurücknehmen zu dürfen. Wobei die Union ja bei der Verabschiedung der Steuerreform, die jetzt ausgesetzt werden soll, überhaupt gegen die Steuerreform votiert hat, diese jetzt aber retten möchte. Donnerstag, August 22, 2002
About Net-Lit Heißt es nun Literatur im Netz, Netzliteratur oder vielleicht doch besser digitale Literatur? Eine interessante Übersicht über Publikationen über Literatur im Internet gibt Stephan Hilpold in der heutigen Online-Ausgabe der "FR". Dass etwa der Begriff des Autors ins Wanken gekommen ist, und man statt dessen zumeist von einem "wreader", (zusammengesetzt aus writer und reader) spricht, daran haben sich Beobachter digitaler Literatur schon länger gewöhnt. Aufhorchen lässt in text + kritik nun Uwe Wirth, wenn er vom "Tod des Autors als Geburt des Editors" spricht, und damit weniger eine Auflösung als eine Veränderung der "Funktion Autor" bzw. "Leser" formuliert. Auch hier ist die visionäre Großspurigkeit einem unpathetischeren Umgang mit neuen Formen gewichen.
Rubrik unnützes Wissen: Rheinische Flirtnaturen Köln ist nach einer Umfrage die deutsche Flirtmetropole. Ein Drittel aller Deutschen nannten die Domstadt als Top-Ort, was das Flirten betrifft. Auf dem zweiten Platz folgt München, wie eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Umfrage des Gewis-Institutes für die Zeitschrift "Fit for Fun" ergab. Für die bayerische Landeshauptstadt stimmten 28 Prozent. Es folgen Hamburg (18 Prozent), Berlin (17 Prozent), Dresden (vier Prozent) und weit abgeschlagen Frankfurt, das von nur zwei Prozent als gute "Flirt-Location" genannt wurde. Insgesamt wurden 1.092 Männer und 1.023 Frauen befragt.
Spam Kennen Sie das? Sie leeren morgens Ihren elektronischen Briefkasten und - schwupps - haben sie 17 neue Mails, davon allerdings 16 unerwünschte, sogenannte Spam-Mails. Mails in denen die knackige Trisha ihre Dienste offeriert, die erst 17jährige Pathy sich beschwert, ich hätte unsere Verabredung auf einer 190er-Nummer vergessen oder aber Briefe von Leuten, die mich über Nacht unendlich reich machen wollen, in dem sie mir Aktien von Firmen zum Kauf empfehlen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Spam-Mails nerven und man fragt sich natürlich sofort: Wie kommen die Strolche eigentlich an meine Adresse? Einen kenntnisreichen Artikel dazu gibt es bei Dr. Web. Mittwoch, August 21, 2002
Mitgliedschaften Ich war nie in der NSDAP und fühle mich nicht der Naziideologie verbunden. Die einzige Organisation, der ich angehöre, ist Greenpeace.
Rubrik: Neues aus Vetschau Die drei jungen Internet-Störche im brandenburgischen Vetschau stehen unmittelbar vor ihrem Aufbruch nach Afrika. Die - hier schon mehrmals erwähnte - Kamera am Nest überträgt weiterhin rund um die Uhr Bilder der Vögel ins Internet. Sie kämen nur noch abends zum Nest zurück und träfen sich bereits mit anderen Jungstörchen im Spreewald, sagte Störchenschützer Winfried Böhmer am Mittwoch in Vetschau. "Voriges Jahr um diese Zeit waren sie schon weg", weiß der Experte. Die Storchennest-Seite werde in diesem Jahr rund 21 Millionen Zugriffe verzeichnen. Die Altstörche fliegen getrennt von den Jungen und werden vermutlich etwa später aufbrechen.
Rubrik: Stimmen von außen Auffallend viele europäische Zeitungen beschäftigen sich heute mit den Folgen des Hochwassers auf die deutsche Innenpolitik sowie auf die Bundestagswahl. Eine Auswahl: "de Volkskrant" (Den Haag): Dienstag, August 20, 2002
Schöntrinkerei "Je später der Abend, desto schöner die Gäste" - an diesem Spruch ist einer Studie zufolge einiges dran. Britische Wissenschaftler fanden heraus: Je mehr Alkohol jemand trinkt, desto attraktiver erscheinen ihm Menschen des anderen Geschlechts. Etwa ein Liter Bier oder vier Gläser Wein steigerten die subjektiv wahrgenommene Attraktivität eines anders geschlechtlichen Gesprächpartners um rund 25 Prozent, sagte Psychologie-Professor Barry Jones von der Universität Glasgow am Montag. Der Alkohol wirke auf ein bestimmten Teil des Gehirns. Dieser habe die Aufgabe, Reiz und Anziehungskraft eines Gesichtes zu beurteilen. An der Studie beteiligten sich 120 männliche und weibliche Studenten. Wir haben uns so etwas ja schon immer gedacht. Denn irgendwo her müssen ja der Spruch "Oh, die muss ich mir erst schön trinken" bzw. das katermorgendliche "Oh, shit, wie konnte ich nur, wie werd ich die denn jetzt wieder schnell los" ja her kommen. Natürlich wissen wir dies alles nur vom Hörensagen. Aber um die Forschungen der Uni Glasgow zu unterstützen, haben wir gestern Abend einen Feldversuch gemacht und diesen photographisch dokumentiert. Für die freie Forschung tun wir bekanntlich immer alles. ![]() Montag, August 19, 2002
Hochwasser-Sprache Die Nichtsteigerbarkeit von Worten, bzw. der inflationäre Gebrauch des Superlativs, könnte bei der Berichterstattung von Naturkatastrophen bald ein Problem bereiten. Wenn alle Superlative verbraucht sind, setzt die Wiederholung ein. 1999, beim letzten Hochwasser (Oderbruch), hieß es sofort: Jahrhunderthochwasser. 2002 heißt es schon wieder: Jahrhunderthochwasser.
Glaube, Liebe, Hoffnung Zitate vom Wochenende Der, der alles kann Sonntag, August 18, 2002
Es bleibt schwierig Als ich mich kürzlich einmal mangels Alternativen selbst interviewte, stellte ich mir die Frage, was denn in meinen Augen das schönste Musikstück aller Zeiten darstelle? So eine blöde Frage, antwortete ich mir, so was kann man doch nicht fragen, so etwas kann man doch nicht beantworten! Warum denn nicht? nervte ich mich weiter. Die Schönheit des einen zu überhöhen, heißt doch nur, die Schönheit des anderen unbeabsichtigt zu schmälern, hinten anzustellen! So ein Quatsch, raunzte ich mich an, Du bist nur zu schwach, um Dich festlegen zu können! Beantworte meine Frage! Kann ich aber nicht! Doch Du MUSST! Na, wenn das so ist, äh, vielleicht Schumanns Klavierquartett op. 47? Was heißt hier denn "vielleicht"? Ja, äh, vielleicht auch Brahms Klavierquintett op. 34, vielleicht auch das Tristan-Vorspiel, vielleicht aber auch Beethovens op.111, oder äh, vielleicht aber auch... . Lassen wir das, mit Dir kann man sich echt nicht über sowas unterhalten. Du bist ja sooowas von entscheidungsschwach. Aber ... Ruhe jetzt! Chance vorbei! Na guuut... ... sagte ich dann beleidigt und redete eine Weile nicht mehr mit mir. Freitag, August 16, 2002
Rubrik unnützes Wissen: Klischeebestätigung Die deutschen Frauen sind offenbar zu neugierig und die deutschen Männer sparen an der falschen Stelle: In einer Umfrage der Zeitschrift "Apotheken Umschau" klagt beinahe jede zweite Frau darüber, dass ihr Partner ihr zu selten Blumen mitbringt. 41,5 Prozent der insgesamt 1.291 befragten Frauen wünschen sich, das ihr Partner öfter aufräumt und 31,7 Prozent möchten von ihm hören, wie wichtig sie ihm ist. Mehr Hilfe im Haushalt steht laut der Studie bei 31,2 Prozent der Frauen auf dem Wunschzettel.
Hochwasser-Gerede Grundsätzlich muss man sagen: Gegen schlechtes Wetter sind wir wesentlich resistenter als gegen schlechte Politik. Donnerstag, August 15, 2002
P2P ist doch nicht böse Die populären Musiktauschbörsen im Internet haben nach Angaben des Marktforschungsinstituts Forrester Research anders als vielfach behauptet keinerlei Einfluss auf den Verkauf von Musik- CDs. Die Behauptung der Musikindustrie, der Umsatzrückgang von 15 Prozent in den letzten zwei Jahren sei auf den illegalen Tausch im Internet zurückzuführen, habe in einer Untersuchung nicht bestätigt werden können, gab das Unternehmen gestern in einer Pressemitteilung bekannt.
Täglich ein gutes Verb! Die Sprache verkommt. Es gibt einen Verlust, vor allem einen Verlust an Verben. Um diesem Verlust entgegenzusteuern, hat sich das "Komitee Verben für die Welt" gegründet, das auf der Seite Verben eine Verben-Sammlung zum Mitmachen unterhält. Das "Komitee Verben für die Welt" sammelt Verben in ihrer reinsten Form, dem Infinitiv, schreibt sie richtig auf, verwendet sie im ganzen Satz, propagiert ihren Gebrauch durch Dritte und bewahrt sie so vor dem Verlust.
Studie: Die schlimme Jugend Die junge Generation in Deutschland denkt in erster Linie an sich selbst. Zu diesem Ergebnis kommt nach Angaben des Hamburger Magazins "Stern" die "14. Shell- Jugendstudie". Die 12- bis 25-Jährigen seien "sehr selbstbezogen" und auf den eigenen Vorteil bedacht, zitiert das Blatt den Leiter der Studie, den Bielefelder Soziologen Klaus Hurrelmann. Da scheint mir mal wieder die BRD-Heuchlerfraktion unterwegs zu sein. Auf der einen Seite propagieren Manager und Politiker in Reden und Ansprachen die ICH AG als zukünftigen Maßstab der Beschäftigungsverhältnisse. Der Markt wolle das so. Setzt dann die böse Jugend diese Maßstäbe zu konsequent um, kommt gleich der moralische Zeigefinger in Übergröße. Konsequent (wenn auch sehr ekelhaft) wäre es ja eigentlich, die sogenannte Jugend für ihren Egoismus zu loben, ist das doch eigentlich die beste Vorraussetzung, um in einer von Neokapitalismus und New Economy-Mentalität entmoralisierten Gesellschaft Karriere zu machen. Mittwoch, August 14, 2002
Auf die Kleinen Ich hoffe, dass die Hammerwurflöcher im Rasen nicht so tief sind, dass man Thomas Häßler nicht mehr sieht, wenn er aufläuft. Peter Pacult, 1860-Trainer, vor dem Spiel gegen Rostock über den ramponierten Rasen im Olympiastadion nach der Leichtathletik-EM.
Schluß damit ! Ich bin des Erinnerns müde. Vielleicht, denke ich, nutzen sich Erinnerungen ab. Lieber gehe ich zum Kühlschrank, um den Himbeermarmeladenbestand zu kontrollieren. Am Ende, denke ich, geht es sowieso nur darum, ob noch genug Himbeermarmelade im Kühlschrank ist. Man sollte sich da nichts vormachen. [Aus: Stefan Beuse: Wir schießen Gummibänder zu den Sternen. Kurze Geschichten, Reclam Verlag Leipzig, 1997]
Duell: Kinder unter sich Allenthalben ist ja jetzt viel von Duellen zu hören. TV-Duelle, E-Mail-Duelle (Spiegel-Online), Interview-Duelle ("SZ", "Die Welt"). Schröder vs. Stoiber, Fischer vs. Westerwelle. Schaut man sich aber die heute real existierende Politik-Duellwelt an, endet es doch wieder nur in den an jedem Kiosk zu erwerbenden Phrasensammlungen. Zwei Auszüge aus dem Interview-Duell Schröder vs. Stoiber, das die Redaktionen von "SZ" und "Die Welt" gemeinsam veranstalteten: Stoiber: Wenn jemand Wertpapiere für Job-Floater auflegen will mit einer solchen steuerlichen Entlastung, mit einem solchen ungewissen Erfolg, von dem lasse ich mir mit Sicherheit nicht das Fehlen einer seriös finanzierten Steuerentlastung vorwerfen. Frage: Herr Bundeskanzler, Roland Berger hat Ihnen einen Job nach dem 22. September angeboten. Haben Sie ihm schon zugesagt? Schröder: Berät Herr Berger nicht Herrn Stoiber? Erinnert irgendwie an die beiden alten Opas, mit denen immer die Folgen der Muppets-Show endeten.
Rubrik unnützes Wissen: Pillen-Weltmeister In keinem anderen Land der Welt wird so häufig mit der Anti-Baby-Pille verhütet wie in Deutschland. In fast 59 Prozent der festen Beziehungen wird dieses Mittel gegen unerwünschten Nachwuchs eingesetzt. Das teilte die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) in Hannover mit. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Niederlande mit 49 Prozent und Belgien mit fast 47 Prozent. In den USA sind es nur rund 16 Prozent. Schlusslicht beim Einsatz der "Pille" ist laut DSW das afrikanische Somalia mit 0,2 Prozent. Die Stiftung stützte sich bei den Zahlen auf Studien der Länder für das Population Reference Bureau in den USA. Demnach verhüten drei von vier Paaren in Deutschland: 4,4 Prozent nutzen Kondome, 6 Prozent Hilfsmittel wie etwa die so genannte Spirale, knapp 3 Prozent setzen natürliche Methoden ein. Jede hundertste Frau lasse sich sterilisieren. Der Anteil sterilisierter Männer sei so gering, dass er nicht messbar sei. Dienstag, August 13, 2002
Der eDackelpreis Überflüssige Idee, geklauter Name, und dann eine Verleihung ausgerechnet in einer Bank, das ist der: " poldi Award - Deutschlands erste Auszeichnung für praktizierte "eDemocracy": Aus den Ausschreibungsunterlagen: Wir suchen herausragende Online-Angebote, die das Internet für mehr Bürgernähe und Demokratie nutzen. Bei der erstmaligen Verleihung des poldi Award stehen deshalb Websites im Mittelpunkt, deren Macher aus der Gesellschaft heraus etwas auf die Beine stellen. Die Preisverleihung findet am 28. August 2002 in der DZ Bank in Berlin im Rahmen der Fachtagung "eDemocracy - Herausforderung an Staat und Gemeinden" statt. Verliehen werden die Preise für die besten Online-Initiativen in vier Kategorien:
Friedhof der Kuschelfestplatten Wie heißt eigentlich Ihre Festplatte? Ach, die heißt einfach nur "C:" ? Das ist wenig originell. Sollten Sie nach neuen Namen suchen oder den Namen Ihrer Festplatte im www verewigen wollen, so können sie das HIER tun. Dahinter verbirgt sich ein Archiv von Mac-Festplattennamen. Was es alles gibt. Vielleicht sollten wir auch mal so etwas anleiern. Einen virtuellen Friedhof für Ihre Lieblingsdiskette. Oder ein Archiv für Bilder von zertretenen Computern nach der 173. Windows-Schutzverletzungs-Meldung des Tages? Schau'n mer mal. Montag, August 12, 2002
Glaube, Liebe, Hoffnung Zitate vom Wochenende Da könnte mancher sagen: Hartz kommt ein bisschen spät. Aber besser Hartz als Späth.
Die Fahne hoch, die Reihen dicht geschlossen ... Endlich, die CDU setzt sich mal mit den wirklichen Problemen dieses Landes auseinander:
Rubrik: Zwei Stimmen von außen Die dänische Wirtschafts-Tageszeitung "Börsen" (Kopenhagen) schreibt zur deutschen Debatte um die Vorschläge der Hartz-Kommission: Ein Jahr Schlendrian hat Deutschland eine halbe Million Arbeitsplätze gekostet. Das ist die Schlussfolgerung aus den jüngsten Äußerungen vom Chef des Berliner Sachverständigenrates. Er meint, dass Kanzler Schröder sein Ziel einer Arbeitslosenzahl von weniger als 3,5 Millionen erreicht hätte, wenn die Regierung die von der Hartz-Kommission empfohlenen Reformen durchgeführt hätte. [...] Die Vorschläge zeichnen sich durch einen Ideenreichtum aus, wie man ihn bisher auf dem europäischen Arbeitsmarkt nicht gesehen hat. Es wäre deprimierend, wenn die Vorschläge ungenutzt abgelegt würden. [...] Schröder traute sich nicht an die unausweichlichen Konflikte und handelt jetzt stattdessen rein populistisch. Stoiber wird es nicht wagen, völlig anders zu handeln. Samstag, August 10, 2002
Koffiemanager Douwe Egberts, der niederländische Kaffeeröster, nimmt sich eines großen Problems an: In (fast) jedem Büro ist das Kaffeekochen ein steter Quell ständigen Streits. Mal ist der Kaffee zu dünn, mal zu stark, dann ist kein Kaffee da und in der vielzitierten Kaffeekasse (meist eine leere Teedose, seltsam) nur ein Loch. Muss nicht sein, sagt der findige Holländer und bietet daher ein kleines Programm (ca. 1MB) an: Den Kaffeemanager . Een extra manager in je team 100% verantwoordelijk voor het managen van de koffiewensen. Wat moet erin en wie gaat er halen? Ideaal! Freitag, August 09, 2002
Die Schimpansensprache der Cyber-Kretins Offene Worte aus einem TENDENZEN: Sie sind auch Vorsitzender eines Vereins zur Förderung der deutschen Sprache. Welche jüngsten Entwicklungen erfreuen Sie und welche geben Ihnen Anlass zur Sorge? Dr. Krämer: Erfreulich ist die republikweite Abkehr von Menschen, die wirklich etwas zu sagen haben, von dem modernen pseudoenglischen Imponiergefasel, das unsere Alltagssprache immer mehr verseucht - unsere Spitzenjournalisten wie Ulrich Wickert ("Mr. Tagesthemen") oder die Redaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL achten inzwischen peinlich auf ein gutes Deutsch. Weniger erfreulich ist die massenhafte Flucht "normaler" Zeitgenossen aus ihrer schönen Muttersprache. TENDENZEN: Stehen uns gar radikale Veränderungen bevor, da offensichtlich moderne Kommunikationsmittel die Lebendigkeit und Vielfalt der Sprache nicht gerade fördern? Beispiel: Bei Milliarden von SMS (Short Message System)-Botschaften über Handy vermittelt, müssen Gedanken in brutal verkürzten Ausdrücken abgefasst werden. Dr. Krämer: Die moderne Abkürzerei ist ein Versuch von Werbefuzzis und "Cyber-Kretins" (O-Ton DER SPIEGEL), ihren eigenen Fachjargon dem Rest der Menschheit aufzuzwingen. Solchen Fachjargon hat es in allen Berufen immer schon gegeben. Neu ist nur die Bereitschaft vieler Laien, sich dieser Schimpansensprache anzupassen.
Filter-Wonnen Launemachender Kommentar von Kathrin Passig in der "taz" zum Thema Filtersoftware und (Selbst-) Zensur: Am liebsten wäre mir aber, wenn man bei der clientseitigen Filterung noch einen Schritt weitergehen könnte. Wie gern hätte ich frei konfigurierbare Wahrnehmungsfilter, mit deren Hilfe ich das, was mir nicht passt auf der Welt, komplett ausblenden könnte. Ähnlich wie der Patient von Oliver Sacks, der seine Frau mit einem Hut verwechselt und eine Blume als grünen Gegenstand mit roten Fortsätzen identifiziert, könnte ich die gefilterten Personen und Gegenstände zwar noch einwandfrei sehen, aber sie wären ohne Bedeutung für mich. Statt Kanzler Stoiber würde ich dann schlimmstenfalls einen weißhaarigen Mann erkennen und statt eines hart durchzensierten Internets nur eine Ansammlung bunter Bilder.
Rubrik unnützes Wissen: Geschlechtsspezifisches Gerede Frauen reden untereinander am liebsten über ihre Sorgen und Probleme, für Männer ist das Thema Frauen Gesprächsstoff Nummer eins. Das ergab jedenfalls eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage der Frauengerede-Fachzeitschrift "Tina". 83 Prozent der Frauen unterhalten sich danach am häufigsten über Sorgen und Ängste. 81 Prozent von ihnen sprächen mit Freundinnen über ihre Partnerschaft, so die Zeitschrift. An dritter Stelle stehe das Thema Sexualität, das für drei Viertel der Befragten Gesprächsstoff sei. Männer sind für Frauengesprächen lediglich viertrangig von Interesse (74 Prozent). Umgekehrt sind Frauen bei Männern jedoch das eindeutige Lieblingsthema: 79 Prozent der Befragten unterhalten sich mit anderen Männern am liebsten über das andere Geschlecht, wie die Umfrage ergab. Sex und Sorgen stünden gleichberechtigt mit 69 Prozent auf Platz zwei und drei. An vierter Stelle stehe das Thema Auto, für das sich 67 Prozent der befragten Männer begeisterten. Gut, dass wir mal darüber geredet haben. Donnerstag, August 08, 2002
Regen statt Arbeitsplätze Als unglaubwürdig hat der US-amerikanische Wahlkampfmanager Dick Morris den Wahlkampf von Bundeskanzler Schröder und Unionskandidat Stoiber kritisiert. "Die Wähler begreifen, dass ein Politiker, der Arbeitsplätze verspricht, genau so gut Regen versprechen könnte", erläuterte Morris in einem Schreiben an das Marler Grimme-Institut. Der ehemalige Wahlkampf - Manager von Bill Clinton werde seine Thesen Anfang September bei den Marler Medientagen vertreten, berichtete das Institut am Donnerstag. Zum Programm der Medientage geht es hier .
Gerede Dieter, drück' auf die Tube!
Rubrik: Drei Stimmen von außen Zum Anstieg der Zahl der Arbeitslosen in Deutschland schreibt heute die spanische Zeitung "La Vanguardia" (Barcelona): Man muss daran erinnern, dass in der alten Bundesrepublik die Arbeitslosenrate mit 7,8 Prozent niedriger ist als in Frankreich, Italien oder Spanien. In der früheren DDR hält sie sich dagegen konstant bei 18 Prozent. Wie kann es sein, dass im Osten über ein Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung die Arbeitslosigkeit so hoch bleibt? So etwas gibt es in anderen Ländern des Ostens wie in Ungarn, Tschechien oder Estland nicht. Niemand behauptet, dass die Regierung in Bagdad etwas anderes ist als das illegale und unmoralische Regime eines Despoten. Saddam (Hussein) mag noch mehr Missetaten planen. Aber ein Staat ist nicht der einzige, der Ambitionen hat, sich Massenvernichtungswaffen zuzulegen, wenn ein oder zwei Länder aus purem Eigeninteresse nun einen Angriff beginnen, so wäre das unmoralisch - und es würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. Der Reformkonvent ist praktisch ein Diskussionsclub für eine kleine politische Elite. Dort fallen nicht nur die meisten professionellen Beobachter sondern sogar einige Mitglieder in Schlaf. Die EU ist ein einzigartiges historisches Experiment, das seit 50 Jahren traditionelle Erzfeinde in Westeuropa in einem Lager zusammen halten konnte. Das Experiment ist noch nicht beendet - im Gegenteil. Man könnte sogar sagen, dass es mit der bevorstehenden Erweiterung vor seiner gefährlichsten Phase steht. Dies wäre Grund genug, den lahmen Verein [...] endlich zu beleben. Was auf dem Spiel steht, ist zu wichtig, als dass man die Debatte über die Zukunft Europas einem eingeschlafenen Club alter Herren überlassen sollte.
Rubrik unnützes Wissen: Von der (Nicht-) Schlimmigkeit des Flirts Etwa jeder vierte Deutsche hatte im Urlaub schon eine Affäre, die über bloßes Flirten hinausging. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage der Zeitschrift "Max". Danach bestätigten 29 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen die entsprechende Frage. Was den Vergleich von Urlaubsaffäre und Seitensprung zu Hause angeht, meinten 69 Prozent der Befragten, beides sei "gleich schlimm". Ein Viertel betrachtete die Urlaubsliebelei als "weniger schlimm" als eine Affäre zu Hause. Und vier Prozent waren der Meinung, ein Seitensprung im Urlaub sei "schlimmer". Bei der Forsa-Umfrage wurden 1.002 Deutsche zwischen 18 und 49 Jahren befragt. Mittwoch, August 07, 2002
Meine Rede Auszug aus "The Virtues of Promiscuity" von Sally Lehrmann: "Slutty" behavior is good for the species. That is the conclusion of a new wave of research on the evolutionary drives behind sexuality and parenting. Women everywhere have been selflessly engaging in trysts outside of matrimony. And they have been doing it for a good long time and for excellent reasons. Anthropologists say female promiscuity binds communities closer together and improves the gene pool.
Genau: Smart & Sexy ![]() Trotzdem (oder genau deswegen (?)) lautet das
one-minute vacation Surely you can spare a minute to clean your ears? Take a one-minute vacation from the life you are living. One-minute vacations are unedited recordings of somewhere, somewhen. Sixty seconds of something else. Sixty seconds to be someone else.
Bitte lächeln Heute schon in den Spiegel geschaut? Mal wieder unzufrieden gewesen? Unglücklich? Lassen sich Falten nicht länger mehr als "süße Lachfältchen" verkaufen? Macht nix: Schneidern Sie sich hier einfach ein neues Aussehen. Dienstag, August 06, 2002
Huppsala Bei unerwarteten Situationen stoßen immer mehr Deutsche nicht mehr das althergebrachte "hoppla" aus, sondern lassen ein "ups" hören. Diese Entwicklung hat die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden beobachtet, wie es in einem Beitrag in der neuen Ausgabe ihres Organs "Der Sprachdienst" heißt: "Was ist nur aus dem guten alten hoppla, geschweige denn dem wohlklingenden hoppala geworden?", fragen sich die Sprachforscher sehr besorgt.
Aktion 18 Der bei den letzten Bundestagswahlen nur sehr knapp als Kanzlerkandidat seiner Partei "Chance 2000" gescheiterte Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief will sich mit einer Lesereise unter dem Motto "Aktion 18 - Tötet Politik!" in den Bundestagswahlkampf einschalten. "Wenn die Politik das Theater doubelt, dann doubelt das Theater die wirkliche Politik", kündigte Schlingensief am heutigen Dienstag an. Im "Bermudadreieck" zwischen Reichstag, Frankfurter Börse und Bayrischer Staatskanzlei sei eine traurige Gewissheit nämlich noch nicht verschollen: "Deutschland steckt in der Krise". Es sei nicht vorgesehen, zur Belustigung der Spaßgesellschaft das Politbarometer nachzuspielen, notwendig sei vielmehr die Rückkehr zur "rituellen Streitkultur". Die Lesereise startet am 5. September in Halle und endet am 21. September, einen Tag vor der Bundestagswahl, in Lüneburg.
In den unendlichen Weiten des Fäkalraum Aus einem Beitrag von Bernhard Kathan in der "NZZ" : Das Internet versprach in seinen Anfangsjahren neben dem leichten Zugang zu Information vor allem auch die Möglichkeit, sich zu artikulieren und an Diskussionsprozessen teilzunehmen. Manche sahen gar den Lichtstreif einer demokratischeren Gesellschaft. Liest man sich heute durch einige Internet-Foren, macht sich schnell Ernüchterung breit. Offensichtlich mangelt es meist an analytischem Denken, an Diskussionsdisziplin, an Argumentationshierarchien oder auch Selbstreflexion. Es wäre jedoch zu einfach, dies auf eine ungenügende Ausbildung oder fehlende Diskussionserfahrung zurückzuführen. Es ist das Medium selbst, welches Struktur und Inhalte bestimmt. [...]Das Internet ist, bei allen Möglichkeiten, die es sonst bietet, auch so etwas wie eine Art Fäkalraum, eine Bedürfnisanstalt. Ein Forum erlaubt es, bereits wenige Augenblicke nach der Eingabe das Ergebnis eigener Absonderungen narzisstisch zu bewundern. Reinigende Defäkation, geruchs-, geschichts-, beziehungs- und distanzlos. [...] Wird es eine wirkliche Diskussionskultur im Internet geben, so wird diese nicht zum Nulltarif zu haben sein, es wird näher zu bestimmen sein, was es heisst: "Jeder kann lesen, jeder kann publizieren". Montag, August 05, 2002
Orientierung statt Konfusion Aus einem Beitrag des Essener Professors für Kommunikation- und Medientheorie Norbert Bolz in der heutigen "SZ" : Schon deshalb, weil wir als Informationsgesellschaft angewiesen sind auf das massenweise Prozessieren von Informationen, werden klassische Medien wie die Zeitung ihre Bedeutung nicht einbüßen. Aber die Besinnung auf ihre Kernkompetenz bedeutet für die Zeitung vor allem, dass sie begreifen muss, was sie im Gegensatz zu interaktiven Medien wie dem Internet tatsächlich anbieten kann. Man kann dieses Angebot auch auf eine ganz einfache Formel bringen: Orientierung. Die Zukunft der Zeitung liegt also nicht im reinen Ansammeln, Speichern und Verarbeiten von Daten. Dafür gibt es mittlerweile schnellere und erschöpfendere Möglichkeiten. Was die Zeitung und die Printmedien in Zukunft immer mehr ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit rücken müssen, ist ihre Orientierungsfunktion. Der amerikanische Organisationspsychologe Karl Weick hat einmal die schöne Formel geprägt: "Our problem is confusion not ignorance" - wir sind nicht ungebildet oder uninformiert, aber ziemlich konfus.
Lieblingswort des Tages: Glitterkleiderkassenbrillenhochzeitsdiamantenbestefreundinukuleleblondine Aus einem Artikel von Harald Fricke in der "taz" zum 40. Todestag von Marilyn Monroe .
Wah Männike Geil, und ich dachte die Szene von linken-lesbischen-schwulen-hetero-weltverbesserernden Berlinern wäre längst ausgestorben. Sagenhaft. Wunderbar. (Und ein Fall für Wiglaf Droste). Das ist so stereotyp, ich hätte mich gar nicht getraut so was zu erfinden: Ja gut das dies Eine mal thematisiert: die alltägliche verbale oder körperliche Anmache gegen Frauen und Lesben. Gerad in Berlin bin ich auch täglich Betroffene der Männergewalt. Wir müssen dem Patriarchat in die Hackfressen schlagen: Frauen und Lesben bildet Banden!
Glaube, Liebe, Hoffnung Zitate vom Wochenende Ich bin sofort zu den berühmten Kreidefelsen, um zu gucken, ob sie noch da sind.
Rubrik: Die Stimme von außen Die britische Zeitung "The Sunday Telegraph" (London) sieht die Bundestagswahl für Gerhard Schröder schon verloren: 1998 übernahm der Kanzler sein Amt mit dem Anspruch, das deutsche Gegenstück zu Tony Blair zu sein, doch seine Aussichten darauf, auch den zweiten Wahlsieg des britischen Premierministers zu kopieren, erscheinen vorsichtig gesagt gering. Sein Unvermögen, die Arbeitslosigkeit zu senken, ist der wichtigste Grund dafür, dass er wahrscheinlich der erste Bundeskanzler seit dem Krieg werden wird, dem keine zweite Amtszeit .vergönnt sein wird. Die meisten Deutschen halten Stoiber für den besseren Wirtschaftsmanager und verweisen auf das wirtschaftliche Erfolgsmodell seiner bayerischen Heimat. Samstag, August 03, 2002
About Beth Vor ein paar Tagen hat Beth über ihrem Schreibtisch das Bild von einer Familie aufgehängt, die vor einem Volkswagen steht, für den sie Werbung macht; sie scheinen in Arizona oder New Mexico zu sein, irgendwo in der Wüste, mit Bergen, die sich hinter ihnen erheben. Da sind blondwarme Mutter, gutpulloverter Vater, ein kleiner Michel-Junge, ein kleines Mädchen, Version Prinzessin. Alle lächeln. Es liegt überhaupt nix Dunkles in ihren Gesichtern, nix, was ihnen Sorgen bereiten müsste; wenn sie schlafen, wachen sie ausgeruht auf, und falls sie geträumt haben, so erinnern sie sich nicht an ihre Träume. Das alles liegt am Volkswagen. Kombi. Es sind diese Leute oder Leute genau wie sie, an die Beth denkt, wenn sie ihrer Familie schreibt; sie stellt sich vor, wie diese Leute oder Leute genau wie sie ihre Briefe empfangen, sie vermissen und sich fragen, wann sie zurückkommt, und wenn sie zurückkommt, dann werden es diese Leute sein, die auf sie warten. Sie werden lächeln, wenn sie ihr Gesicht sehen. Sie denken in diesem Augenblick gerade an sie. In diesem Augenblick steht ihr Michel-Bruder an seinem Fenster; er starrt in die dunklen Bäume; er denkt an sie, Version Prinzessin. Beth schließt die Augen. Bienen summen an ihrem Herzen. Bienen schwärmen in ihrem Kopf; sie kann die Stöße ihrer winzigen Beinchen an ihrer Hirnhaut spüren. Warum eigentlich Bienen, fragt sich Beth, aber egal, besser als die Spinnen von gestern Nacht. Und dann verdrängt sie, dass das woran sie glaubt, nicht wahr ist. Oder doch? Nein.
Männerfarbenmode Aus einem Interview der "FR" mit der senegalischen Modeschöpferin Oumou Sy : In Afrika mögen es auch die Männer farbenfroher. Was raten Sie europäischen Männern, um attraktiver zu sein? Sie kommen mir so vor, als hätten sie Angst, sich zu öffnen. Sie wissen viel, haben viel im Kopf, aber sie wissen nichts über den Körper. Sie sind so verkrampft. Eigentlich sind Farben für alle gut. Auch für Männer. Würden Sie es akzeptieren, wenn Ihr Mann sich in Gelb, Rot, Grün oder Orange anziehen würde? Ich glaube, europäische Frauen hindern die Männer daran, sich zu entfalten, weil sie sagen, das passt nicht zu einem Mann. Sie machen ihm Komplexe. Sie wissen doch, Männer sind wie Kinder und brauchen Frauen, um Entscheidungen zu treffen. Also ermutigen Sie sie.
Generationsvergleiche Den interessanten Versuch einer Parallelisierung zweier Generationen versucht Jan Brandt heute in einem längeren Beitrag in der heutigen Ausgabe der "taz". Parallelisiert werden die sog. "Generation Golf" und die "Generation Jahrgang 1902" (benannt nach einem Roman von Ernst Glaeser). Versuche solcher Gleichsetzungen sind sicherlich interessante Gedankenspielereien und die Ähnlichkeiten in den Symptomen, die zu den Charakteristiken dieser Generationen gehören (Ziellosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Krise etc.) verführen ja geradezu, solche Vergleiche zu ziehen. Allerdings hinken solche Versuche immer ganz fürchterlich. Nicht die Symptome sind es schließlich, die untersuchenswert sind, sondern die Ursachen, die zu solchen Symptomen führen. Und die sind so unterschiedlich, wie es nur zwei Ursachen sein können. (Hier die Dekadenz, der Überfluß und die Leere der TV-Pop-Gesellschaft, da der Krieg mit seinen furchtbaren Folgen). Der Versuch Brandts scheitet also, der fundierte Beitrag bleibt dennoch lesenswert. Freitag, August 02, 2002
The Fall of G.G. Eigentlich ist es sehr bezeichnend für das Niveau der deutschen Innenpolitik und der politischen Auseinandersetzung, dass ein windig-wendiges Bürschlein wie Gregor Gysi zwar den Mauerfall (und damit den Zusammenbruch des von ihm mitgestützten Unrechtsystems) politisch überleben kann, ein paar lächerliche Freiflug-Kilometer der Lufthansa aber nicht.
Gerede Keine Industriegesellschaft kann es sich leisten, dazu überzugehen, sich nur noch gegenseitig die Haare zu schneiden. Gerhard Schröder, Kanzler, in der Peene- Werft Wolgast zur Bedeutung von Industrie und Dienstleistungen. * Wir alle haben nichts ausgefressen und gegen keine Gesetze verstoßen, sondern sind Opfer eines entfesselten Dämons. Moritz Hunzinger, PR-Heini, in der ARD-Sendung "Gabi Bauer". * Ein unsinniges Projekt wird nicht dadurch besser, dass es wo anders ein noch viel unsinnigeres Projekt gibt. Andreas Barth, Sprecher der Fahrgastvereinigung Pro Bahn, über die beiden geplanten Transrapid-Trassen in Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Rubrik: Zwei Stimmen von außen Die unabhängige Tageszeitung "Le Monde" (Paris) schreibt zu den amerikanischen Überlegungen eines Angriffs auf den Irak: US-Präsident George W. Bush scheint entschlossener denn je, den Irak anzugreifen. Bisher hat der amerikanische Präsident aber noch nicht überzeugend dargelegt, was eine so schwerwiegende Entscheidung, gegen ein arabisches Land in den Krieg zu ziehen, denn rechtfertigen könnte. Er hat nicht den geringsten Beweis für ein Zusammenspiel der EI-Kaida-Terroristen mit Bagdad und kann auch nicht beweisen, dass das Regime von Saddam Hussein sich anschickt, die USA, einen ihrer Verbündeten oder ein Nachbarland anzugreifen. Bush muss also noch nachweisen, dass sein Wille zum Krieg wirklich sicherheitspolitische Gründe hat und nicht irgendwelchen innenpolitischen Motiven folgt. Bei Einführung des Euro gingen Banken und Behörden davon aus, dass sich die Bevölkerung nach einer Übergangsperiode von etwa vier Monaten an den Euro gewöhnt hätte. Darin haben sie sich getäuscht [...]. Das haben die Behörden zu einem großen Teil sich selbst zuzuschreiben, durch das Bagatellisieren jeder Kritik und auch dadurch, dass es nie eine wirkliche Debatte über die Einführung einer europäischen Währung gegeben hat. [...] In Ländern, in denen es diese Diskussion gab, ist die Zustimmung größer. (Oder es wurde von der Einführung abgesehen, wie etwa in Dänemark). Donnerstag, August 01, 2002
Rubrik: Die Stimme von außen Die konservative britische Zeitung "The Daily Telegraph" schreibt zu den Folgen des möglichen Machtwechsels in Deutschland: Die größten Folgen hätte eine Stoiber-Regierung vermutlich für die viel diskutierte Frage der EU- Erweiterung. Millionen von Deutschen wurden nach 1945 von den Tschechen und Polen vertrieben. Stoiber, der mit einer der einstigen Flüchtlinge verheiratet ist, hat sich dafür eingesetzt, dass die Benesch-Dekrete, die rechtliche Basis für die Vertreibung der Sudetendeutschen, für illegal erklärt werden. [...]
Bonusmeilengerede Herr Schröder hat keine Bonusmeilen. |