MEDIEN-KONTOR:NOTIZEN  
Operette macht dick
Notizen


Samstag, November 30, 2002
Franchise im neuen Jahrtausend

Beim mühseligen Buchstabieren des Wortes Franchise denken die meisten Mitglieder der Gemeinde sicherlich zu förderst an Ketten wie McDonalds, deren Franchiseprinzip es vorsieht, dass die franchisierten Pappburger weltweit den gleichen üblen Franchisegeschmack nebst Franchisingaufstoßen hinterlassen. In unserer Brave New World entwickelt sich aber alles weiter. Und so bleibt auch das Franchisesystem nicht beim Viertelpfünder stehen, sondern erschließt sich nach und nach ganz neue Verbreitungsgebiete.

Aus einem Kommentar des "Handelsblatt":

Franchising heißt im Fachjargon der neue Terminus für das, was die Welt seither erlebt: Ähnlich einem Wirtschaftsunternehmen vergibt El Kaida Lizenzen an seine Jünger. Geboten werden Geld, Waffen, Training oder Sprengstoff. Daneben ermuntert die Organisation ihre Mitmacher durch Videobotschaften und Manifeste, so wie Osama bin Ladens "Brief an Amerika", der am vergangenen Sonntag im britischen "Observer" veröffentlicht wurde. Dort versammelte sich genau jenes ideologische Rüstzeug, das die Gewaltanwendung gegen Ungläubige legitimieren soll. Und der Mix, der im Namen bin Ladens präsentiert wird, hat tatsächlich seinen eigenen Charme. Da werden amerikanischer Kulturimperialismus, Israels Palästina-Politik und die amerikanische Ablehnung des Umweltprotokolls von Kyoto so zusammengerührt, dass jeder ein Argument finden kann. Die "Franchise-Nehmer" dürfen sich bedienen - und dann ans Werk gehen.



Freitag, November 29, 2002
Rubrik: Wroooommmm


Brutal schön, brutal schnell. Der 1922 gebaute 12,5-Liter Wisconsin Special.
250 PS, 6-Zylinder Flugzeugmotor. Wird gerade in den USA versteigert.
Zielpreis so zwischen 130.000 und 170.000 Dollar. Die Kiste läuft fast 290 km/h!
Schöne Vorstellung: Mit so einer Schese über die deutschen Autobahnen und dabei allen Ichbinwichtig-Audis und MachPlatz-BMWs mal zeigen, wo Bartel den Most holt.





Donnerstag, November 28, 2002
Aufwärts

Schlechte Zeiten erfordern ja angeblich besondere Maßnahmen. Neue Werbestrategien. Neue Marketingkonzepte. BlaBla-Rhabarber.
Eben in der Fußgängerzone: "Eyh, hast mal zwei Euro für mich gegen Zahnschmerzen?" Hab' dann einen gegeben. Zarten Silberstreif am arg dunklen Konjunkturhimmel voraus geahnt.



Fritz-Lego-Walter

"Und Rahn könnte schießen und Rahn schießt und TOOOOOOOOORRRRRRR!"
Okay, kennt jeder. Das Wunder von Bern. Die Helden von Bern. 1954. Fußballgötter und wir-sind-wieder-wer-Blabla.
Jetzt das ganze nacherleben. Aber aus Plaste. Das Finale im Legofilm.



Mittwoch, November 27, 2002
Neuer Mantel-Trick?

Gerade über dpa einen Auszug aus einer Umfrage des Bonner Ratgebers "Stil & Etikette" gelesen. Was denn Frauen so an Benehmen bei Männern schätzen. Interessiert ja doch irgendwie. In diesem Auszug den wunderbaren Satz gefunden: Immerhin 87 Prozent [der befragten Frauen] schätzen es, wenn der Herr zur Begrüßung einer Dame aufsteht und ihr in den Mantel hilft.
Ah ja.



Digitales Wörterbuch

Das neue Wörterbuch soll sprechen können und zwar auch Dialekt: Das erste Online-Lexikon der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts soll ab Anfang kommenden Jahres auch Redewendungen erfassen und neue Anwendungen und Suchfunktionen bieten. Das "Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts" soll einmal auf eine Grundlage von einer Milliarde Wörtern in unterschiedlichsten Wendungen und Zusammenhängen zugreifen können. Bislang ist es in kleinerer Version schon unter dwds abrufbar. Zum Vergleich: Der Duden bezieht sich, laut dem Herausgeber des Digitalen Wörterbuches, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, in seiner zehnbändigen CD-ROM-Ausgabe auf 90.000 Belege.
Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützte Projekt ist ein Mammutwerk: Zuerst müssen rund 2,5 Millionen Texte aus den vergangenen hundert Jahren eingetippt, eingescannt oder von CD-ROM heruntergeladen werden.
Nutzer des digitalen Wörterbuches sollen nach dessen Fertigstellung nicht nur die richtige Schreibweise und die Herkunft eines Wortes finden, sondern auch die unterschiedlichen Verwendungen. Das Wörterbuch hat außerdem eine Sprachfunktion. Ab nächstem Jahr soll man sich die regional unterschiedlichen Aussprachen eines Wortes anhören können.
Ein weiteres interessantes Feature sollen fest stehende Redewendungen werden. So stolpern Programme (Hello Mr. Bubblefish) über Wendungen wie "schwebendes Verfahren" und "blinder Passagier". Das neue Wörterbuch soll solche sprachlichen Stolpersteine erkennen und ihrem Sinn gemäß übersetzen. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger ist einer der Paten des Projektes, das im Januar 2000 startete.



Montag, November 25, 2002
AK-Geburtstag

"Nah", sagt sie sanft und weich mit der Bratschen-Stimme, die sie der Synchronsprecherin der Deneuve in Belle de Jour abgehört hatte, " haben wir denn nicht heute auch einen Gedenktag zu feiern?"
Er zögert kurz und sagt dann: "Doch, wie konnte ich das vergessen, wir haben doch heute Martin von Tours."
"Und?" fragt Sie, ein leichtes Crescendo unterlegt ihren jetzt nicht mehr so weichen Tonfall.
"Äh, und 33 Jahre US-Sesamstraße," , fügt Er schnell hinzu, etwas verunsichert.
"Und?" fragt Sie, die Modulation in die parallele Molltonart ist kaum zu überhören.
"Ach ja, jetzt weiß ich, worauf Du hinaus willst," keucht Er erleichtert, " 83 Jahre Michael Kalaschnikow!"
"Michael was-für-ein-kow?", fragt Sie erstaunt, jedes Wort ein Stakkatohieb.
Er strahlend: "Nah, Du weißt doch, Peng-Peng, Revolutionen, Che und die Jungs, die sich gerade in Paris treffen, Aparat Kalaschnikow 47, Ratatatata, Du weißt schon, AK-47 und so!"
Sie sieht ihm eindringlich in die Augen und zieht dann langsam, gaaanz langsam die rechte Augenbraue in die Höhe.

(nachträglich zum 11/11/2002)


Herr Kalaschnikow feiert Geburtstag





Samstag, November 23, 2002
Ikebana statt Kalachnikow

Aus dem Beitrag Kultur für alles von Henryk M. Broder im Spiegel:

Wenn es darum geht, der Herausforderung durch den extremistischen Islam mit einer weitsichtigen Kulturpolitik zu begegnen, wird auch von zusätzlichem Geld aus öffentlichen Kassen die Rede sein müssen", schreibt Barthold Witte. Meint er die Finanzierung von Ikebana- und Lyrik-Kursen, um potenzielle Terroristen umzuprogrammieren? Er sagt es nicht, hält sich diplomatisch bedeckt. Ganz in seinem Sinn, nur wesentlich konkreter, äußert sich der schwedische Friedens- und Zukunftsforscher Jan Öberg. "Gelder müssen zur Verfügung gestellt werden, damit Gruppen nach Irak reisen und umgekehrt irakische Gruppen nach Europa kommen können. Der Dialog und die Diplomatie der Bevölkerung gewährleisten eine bessere Verständigung." Sagt der Präsident der Transnationalen Stiftung für Friedens- und Zukunftsforschung (TFF) am Rande einer Konferenz in Berlin - und kein Mensch lacht.



Original und Plagiat im Zeitalter der googlschen Reproduzierbarkeit

"Zum Handwerk des geistigen Diebstahls - Von Wissensherrschern, studentischen Klaubrüdern und -schwestern im Geiste des Plagiats und Spürhunden im Netz" lautet der Titel eines lesenswerten Beitrags bei Heise:

Viel spricht dafür, dass die durch das Netz surfenden Ordinarien und Lehrer, die selbst ernannten Diebstahlsforscher im Auftrag der hehren Wissenschaft, nicht sehr viel mehr leisten, als ihren eigenen kleinen Wissensbegriff gegen dessen unaufhaltsame Demontage zu schützen. Die Universitäten, zumal die deutschen, sind antiquiert, und die Angst geht wohl um, die bequemen Pfründe der Universität an nichtinstitutionelle Wissensagenturen und Netznomaden zu verlieren. Dagegen wären allein die kooperativen Kompetenzen von Lernenden unter den Bedingungen von Mediengesellschaften stärker zu fördern - eine Aufgabe, der sich unsere Lehranstalten seit je - gut verdrängt durch das persönliche Leistungsprinzip - verweigern.



Freitag, November 22, 2002
Beat the devil

Okay, Cineastenpack, aufgepaßt, hergehört, der ultimative Surf-and-download-Supertip, frei aus dem Kontor: In der ultrasuperguten BMW-Kurzfilmreihe The Hire gibt es ein weiteres Meisterwerk zu bestaunen. Beat the Devil. Mit Godfather James Brown und natürlich mit dem ultracoolen Clive Owen als Driver. Der es am Ende des Filmes sogar schafft, mal zu lächeln. Wer das jetzt nicht sofort runterlädt, bestaunt und toll findet, mit dem schlafe rede ich nie wieder.
[Leider hat BMW zwar Trillionen $ für Kurzfilme, aber nur wenige Teuros für eine saubere Flash-Programmierung übrig. Auch wenn es ekelhaft ist, diese Seite muss mit dem IE angesteuert werden. Alles Gute hat halt einen Haken ...]

I-feel-good, so-good ...




Donnerstag, November 21, 2002
Wo, bitte, geht's denn hier zur Front?

Eigentlich kann sich der irakische Diktator Saddam Hussein ganz beruhigt in seinen Lieblingsfurzsessel zurücklehnen. Sollte es zum Kriegsfall kommen, ist es hoch wahrscheinlich, dass die us-amerikanischen Soldaten sein Land gar nicht erst finden werden.
Eine Umfrage der National Geographie Society ergab, dass nur 13 Prozent der befragten US-Bürger zwischen 18 und 24 Jahren den Staat Irak auf einer Weltkarte ausmachen konnten.
Bei dem Test konnten die amerikanischen Kandidaten insgesamt nur sieben von 16 gesuchten Ländern finden. Doch auch im eigenen Land kannten sich die Amerikaner nur wenig besser, aus. Die Vereinigten Staaten fanden immerhin noch 89 Prozent auf der Karte, den Pazifischen Ozean 71 Prozent. 89 Prozent konnten Kalifornien und Texas auf der Karte zeigen, allerdings nur 51 Prozent den Staat NewYork.




No Logo

Auch im Ausland stößt das deutsche WM-2006-Logo (s.u.) auf große Begeisterung. So jubelt etwa Ancelmo Gois, Kolumnist der größten brasilianischen Zeitung "O Globo": Schaut euch nur diese kleinen Gesichter an, die Symbol der WM 2006 in Deutschland sind. Sie sehen aus wie die am häufigsten vorkommenden Versionen der Ecstasy-Pillen. Und ich Naivling dachte an Smarties.



Mittwoch, November 20, 2002
Na logo

Ziemlich balla-balla ist das gerade vorgestellte Logo der Fußballweltmeisterschaft 2006.
Der wahrscheinlich hochbezahlte Designer hat offensichtlich einfach eine Packung Smarties ausgeleert und das dann WM-Logo getauft. Der Chef des Organisationskomitees der WM, Franz Beckenbauer, jedoch befindet: Mir gefällt das Logo sehr gut, denn es transportiert exakt unsere Philosophie. Auch nach Stunden der Meditation kann ich diese "Philosophie" immer noch nicht entdecken. Ach so, jetzt aber, na logo: Die vielen lachenden, fröhlichen Gesichter verweisen auf das WM-Motto: Celebrating Faces of Football. Ja, das ist nun wirklich philosophisch.





Schröder wird verkohlt

Kleine Sammlung - meist abgedroschener - Schröder-Witze im Spiegel:

Ein Gespräch zwischen Clinton, Jelzin und Schröder.
Jelzin: Ich habe zwölf Bodyguards, einer möchte mich töten. Aber welcher?
Clinton: Ich habe zwölf Praktikantinnen in meinem Büro. Eine hat Aids, aber welche?
Schröder: Jungs, ich habe zwölf Minister - und nur einer ist gut. Aber welcher?"

HaHa, Tusch!

Und, wie der Rheinländer ansich ohne jeden Zusammenhang zu sagen pflegt, wo wir schon mal dabei sind:

König Fahd (u know, der von Saudi-Arabien), ist zu Besuch bei US-Präsidentendarsteller Georg Dabbelju Bush.
Der König, ganz artiger Gast, lobt die Vorzüge der amerikanischen Kultur. Was er denn besonders möge, fragt ihn daraufhin Georg Dabbelju. Besonders möge er die amerikanischen SF-Serien, antwortet Fahd, Raumschiff Enterprise, Deep Space Nine usw. Ihn würde es allerdings doch stark verwundern, dass in diesen Serien niemals Araber vorkommen würden. "Well", antwortet Bush, "das liegt daran, dass diese Serien alle in der Zukunft spielen."

Tusch und Rakete, der Saal bebt und ab.



Dienstag, November 19, 2002
Nix


Gut zu wissen, dass am 17. April 1967 an dieser Straßenecke
in der Rue Sidi Brahim in Paris nix passierte.





... some huge cosmic joke

Dr Jerrold Post, ehemaliger CIA-Psychater, hat sich mit Saddam Hussein befasst, Einsichten in den Kopf des irakischen Diktators veröffentlichte jetzt der "Guardian":

Saddam, tell me about your mum
"It all goes back to his mother's womb," Post declares with some professional satisfaction. "During the mother's pregnancy with Saddam Hussein, his father died, and another son died when he was only 12 years old. She both tried to commit suicide and to have an abortion."
As the story goes, Saddam's mother, Subha, was prevented from killing herself and her unborn child by a compassionate family of Iraqi Jews. That family is now reported to be living in Israel, where it may think itself the tool of some huge cosmic joke. In any case, it does not seek publicity for its act of kindness.



Montag, November 18, 2002
Bedrohte Schreiber

Immer mehr Autoren und Journalisten werden nach Auskunft der Schriftstellervereinigung PEN getötet, bedroht oder verfolgt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres seien 887 Fälle gemeldet worden, teilte die Writers-in-Prison-Beauftragte Karin Clark am Sonntag in Darmstadt mit. Das seien 349 Fälle mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Als Ursache nannte Clark die Reaktionen auf die Terroranschläge am 11. September 2001. Dadurch sei der Druck auf alle gewachsen, die ihre Meinung frei äußern wollten - "nicht nur in Ländern, in denen Schreibende seit Jahren Verfolgung und Haft ausgesetzt sind."
Nach Informationen des PEN sind im ersten Halbjahr 2002 weltweit 16 Schriftsteller getötet worden, 15 sind verschwunden, 5 entführt und rund 290 inhaftiert worden. Andere Autoren hätten Todesdrohungen erhalten. Betroffen seien vor allem Schreibende in Afrika (340 Fälle) und Lateinamerika (125 Fälle). Als Krisenstaaten nannte Clark auch die Türkei, den Iran, Russland, China, Vietnam und Kolumbien. Auffällig sei, dass Regierungen verstärkt gegen Schreibende vorgingen, die im Internet publizierten.




Glaube, Liebe, Hoffnung
Zitate vom Wochenende

Eigentlich müssen wir in Hannover eine Lösung finden, die die gegenseitige Nerverei in dieser Frage beendet.
Fritz Kuhn, Grünen-Chef, im "Tagesspiegel am Sonntag" zu der umstrittenen Trennung von Amt und Mandat, über die beim Parteitag in Hannover Anfang Dezember erneut debattiert werden soll.
*
Das Schlimmste, was man machen könnte, wäre jetzt, den Kritikern zu folgen und die Politik wieder zu ändern. Dann würden wir übrigens auch sehr lautstark protestieren. Das will ich auch in aller Deutlichkeit sagen.
Michael Sommer, DGB-Chef, am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" zum Vorwurf, die Regierung sei zu gewerkschaftsnah.
*
Ich habe in meinem Leben so wenig Tore geschossen, dass ich die Regel gar nicht richtig kenne.
Christian Beeck, Fußballa-Kapitän in Cottbus, der beim 2:1 gegen Bielefeld für seinen Jubel auf dem Zaun nach seinem zweiten Bundesligator im 76. Erstliga-Spiel die gelb-rote Karte sah.
*
Vor dem Spiel habe ich gehört, dass uns neun Stammspieler fehlen. Da muss auch der Hausmeister und seine Frau dabei gewesen sein.
Hans Meyer, Trainer in Gladbach, zur Verletztenmisere vor dem Spiel in Leverkusen.
*
Vielleicht ist er noch in einer anderen Zeitzone.
Klaus Augenthaler, Trainer in Nürnberg, auf der Suche nach einer Erklärung für die schwache Leistung von US-Nationalspieler Anthony Sanneh.




Samstag, November 16, 2002
Sozialverträglichkeit

Sie sind hochmotiviert?
Sie sind Mitte 30?
Sie sind Akademiker?
Sie sind Workaholic?
Sie haben blendende Computerkenntnisse?
Sie arbeiten gerne mal 60 Stunden die Woche?
Sie verzichten zugunsten eines Projektes auf Überstundenausgleich?
Sie arbeiten gerne auch mal Nachts?
Sie haben keine zeitraubende Familie?

Herzlich willkommen: Sie sind prädestiniert dafür, Mitglied im Club der arbeitslosen Medienmenschen zu werden.
Sie wissen ja, Leistung und Bildung zählen nix.
Das Zauberwort heißt:
Sozialverträglichkeit.

Sie sind seit Jahren ausgebrannt?
Sie haben schon lange keinen Bock mehr auf Nix?
Sie delegieren alle Arbeit am liebsten weg?
Sie können im wahrsten Sinne des Wortes blendende Reden halten?
Sie können sich verkaufen?
Sie haben keine Lust, sich mit denen neuen Techniken auseinander zusetzen?
Ihre neueste eigenrecherchierte Geschichte ist schon fünf Jahre alt?
Sie nutzen am liebsten Agenturmaterial versehen mit dem eigenen Kürzel?
Sie sind im gleichen Golfclub wie Ihr Verleger?

Keine Sorge: Sie werden die Branchenkrise schon aussitzen.
Sie wissen ja, Leistung und Bildung zählen nix.
Das Zauberwort heißt:
Sozialverträglichkeit.




Freitag, November 15, 2002
Ist das eine eigene Tradition?

Aus dem sehr persönlich eingefärbten Essay "Von Oberpfaffenhofen zum Mond" des Schriftstellers und Rechtsanwalt Georg M. Oswald in der aktuellen "Zeit":

Vielleicht aber wird uns irgendwann ein eigener, ungezwungener Patriotismus nach amerikanischem Vorbild möglich sein. So ganz abwegig ist das nicht. Es gibt ja kaum fruchtbare europäische und schon gar keine deutschen Überlieferungen, auf die man sich ohne Willkür noch berufen könnte. Amerika ist für Deutschland eine der wenigen gangbaren Brücken zur eigenen präfaschistischen Tradition. Unter den demokratischen Fürsprechern der Weimarer Republik waren viele, die die Vereinigten Staaten zum wirtschaftlichen und sozialen Modell nehmen wollten, und dieser Weg wurde nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt. Vielleicht kann sich aus dem doch recht kindlichen Wunsch, selbst Amerikaner zu werden, eines Tages das Bewusstsein entwickeln, dass wir einer eigenen Tradition folgen, indem wir uns weiterhin an der amerikanischen Kultur orientieren.



Rubrik: Obskures

Er lebt, er lebt.
Sprich zu uns.
Nein, sing für mich!

The Fritz Wunderlich Survival Page



Donnerstag, November 14, 2002
Literaten-Liebe in Zeiten des Exils

Rund 2000 deutsche Schriftsteller mussten sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ins Ausland retten. Vielfach wurde eine Liebesbeziehung, vom Drama des Exils und der Verfolgung überschattet, zum einzigen (Lebens-Er-) Haltepunkt. Diese "Waffe des Lebens gegen den Tod" ist das Thema einer ungewöhnlichen Literatur-Ausstellung, die das Museum Baden in Solingen im Rahmen des Else-Lasker-Schüler-Forums seit heute zeigt.
Die vielen hundert Dokumente, darunter seltene Erstausgaben, die den Bücherverbrennungen durch den braunen Pöbel entgangen sind, Fotografien, anrührende Briefdokumente und persönlichen Erinnerungsstücke, stammen aus der Sammlung des Publizisten Jürgen Serke. Erstmals stellt der Autor, der vor 25 Jahren schon mit seinem Buch "Die Verbrannten Dichter" zahlreiche vertriebene Schriftsteller vor dem Vergessen bewahrte, Teile seiner umfangreiche Exil-Literatur-Sammlung öffentlich vor.
So vielgestaltig wie jedes Einzelschicksal stellt sich auch der intime Aspekt dieser sehr persönlichen Dokumentation dar: Erst unlängst sind die letzten Liebesbriefe der Lyrikerin Lasker-Schüler an einen jungen Pädagogen aufgetaucht, in den sie sich kurz vor ihrem Tod 1945 in Jerusalem leidenschaftlich verliebt hat. Für den Romancier Joseph Roth wurde die junge Kölnerin Irmgard Keun zur Muse des Exils, die den Alkohol-Tod Roths in bitter-süße Zeilen brachte: "Die Trauer, Freund, macht meine Hände dumm..". Döblin lebte mit Gattin Erna und einer Geliebten ein Dreiecksverhältnis, das Grundlage seines Romans "Hamlet oder die lange Nacht nimmt ein Ende" wird. Für die Tragik des Fast-Vergessens steht das Schicksal des Maler und Dichters Peter Kien, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Im Getto Theresienstadt übergab er seinen Nachlass der jungen Helga Wolfenstein, die den Koffer in der von der SS gemiedenen Infektionsbaracke verstecken konnte. Über die USA fanden ein Ring Kiens für seine Geliebte und mehrere Zeichnungen aus dem Lager Theresienstadt den Weg in die Ausstellung. (bis 23/03/03)




Mittwoch, November 13, 2002
Das Gregor-Prinzip

Lesenswerter Essay von Julia Zeh (u.a. "Die Stille im Geräusch" und "Adler und Engel") im Spiegel:

Wenig später ruft Gregor bei mir an. Er hat meinen Namen im Internet gefunden und will erzählen, was er so macht. Nach seinen beiden Prädikatsexamen ist er in die Hauptstadt gezogen und arbeitet bei Whoever & Whoever Incorporated. "Wie schön!", rufe ich und freue mich ehrlich für ihn, "wie geht's dem Porsche?" - "Weiß nicht", sagt Gregor langsam, "plötzlich wollte ich doch keinen haben." Außerdem überlegt er, zum Jahresende zu kündigen. Und schweigt. Auch mir fällt nichts mehr ein. Als ich das Gespräch beende, klingt mir etwas in den Ohren. Es ist das Echo eines langen Gelächters.



Der Staatsterrorist auf Reisen

Die sehr geschätzte dänische Tageszeitung "Information" (Kopenhagen) schreibt heute in einem feinen Leiter über den Genossen Putin:

Der russische Präsident Wladimir Putin ist in den letzten Tagen frei in Westeuropa herumgereist. Überall wird ihm der rote Läufer ausgelegt. [...] Barock daran ist, dass es sich bei Putin in Wirklichkeit um einen Staatsterroristen handelt, der die Verantwortung für unfassbare Verletzungen der Menschenrechte in Tschetschenien trägt. Er sollte von den westlichen Behörden wegen Verbrechen gegen die Menschheit festgenommen werden. Das wird natürlich nie geschehen, weil Russland zu groß und zu wichtig ist. Der tschetschenische Vizepräsident Achmed Sakajew dagegen sitzt seit mehr als zwei Wochen in einer Kopenhagener Auslieferungszelle. [...] Da die Sache hinter verschlossenen Türen verhandelt wird, kann die Öffentlichkeit sich nur auf diverse Behauptungen russischer Behörden stützen, wonach es vielfältige Beweise gegen Sakajew gibt. Diese so genannten Beweise sind alles andere als glaubwürdig, denn dahinter steht ein durch und durch korruptes Rechtssystem.




Dienstag, November 12, 2002
Herr Kotau war in Canossa

Auf der Pk im Anschluss an sein Gespräch mit dem us-amerikanischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck:

Die Gespräche seien freundlich gewesen.
Die Gespräche seien normal gewesen.
Die Gespräche seien offen gewesen.
Die Gespräche seien angenehm gewesen.
Die Gespräche seien sehr angenehm gewesen.
Die Gespräche seien locker gewesen.
Die Gespräche seien flapsig gewesen.

Nunmehr läge kein Schatten mehr darüber.
Nunmehr sei Uneinigkeit Schnee von gestern.
Nunmehr sei alles bereinigt.

Na dann: Cheers.




Montag, November 11, 2002
Glaube, Liebe, Hoffnung
Zitate vom Wochenende

Wir leben in einer transparenten und anspruchsarmen Welt, die neue, schillernde Typen, aber bestimmt nicht mehr die klassischen Paradiesvögel hervorbringt.
Gunter Sachs, Kunstsammler und Lebemann, der am 14. Novemberseinen 70. Geburtstag feiert, zum Thema Playboy.
*
lch habe den Hessen nie angedroht, mein ganzes Leben lang Ministerpräsident sein zu wollen.
Roland Koch, hessischer CDU-Ministerpräsident, am Sonntag im ZDF auf die Frage, ob er 2005 als Kanzlerkandidat zur Verfügung stehe. Zuvor hatte Koch darauf hingewiesen, er trete im Februar 2003 in Hessen zur Landtagswahl an, um wieder Ministerpräsident zu werden.
*
Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zu sagen haben, wird Lothar Matthäus bei diesem Verein nicht einmal Greenkeeper im neuen Stadion.
Uli Hoeneß, Bayern-Manager, am Sonntag im dsf über den Rekord- Nationalspieler, der sich in letzter Zeit kritisch über frühere Mitspieler beim FC Bayern geäußert hatte.
*
Das ist ja kein Halma.
Bernd Schneider, Fußballa in Leverkusen, nach dem emotionsgeladenen 1:0-Sieg auf Schalke.
*
Er hat seine wesentliche Konzentration darauf verwendet, pünktlich abzupfeifen.
Peter Neururer, Fußballatrainer in Bochum, über Schiedsrichter Florian Meyer.




Freitag, November 08, 2002
Wir sind ein linksliberales, im Zweifel linkes Blatt.


Rudolf Augstein (1923 - 2002)





Sprachenrettung

The Rosetta Project is a global collaboration of language specialists and native speakers working to develop a contemporary version of the historic Rosetta Stone. In this updated iteration, our goal is a meaningful survey and near permanent archive of 1,000 languages. Our intention is to create a unique platform for comparative linguistic research and education as well as a functional linguistic tool that might help in the recovery or revitalization of lost languages in unknown futures.



Donnerstag, November 07, 2002
Rubrik: Deppen heute
Die Degeneration PISA ist selbst zum Schummeln zu doof.
Eine Professorin berichtet im Spiegel über die leicht durchschaubaren Pfuschversuche ihrer Studenten.
Und über deren Ausreden.
"Das Zitieren haben wir in der Schule nie gelernt"
"Meine Frau hat wohl nachts an meinem Computer gesessen und ganze Sätze aus einem Buch abgetippt"
Klar.


Superhero for Single Girls
"I protect the single girl living in the big city," says Terrifica, sporting blond Brunhild wig with a golden mask and a matching Valkyrie bra. "I do this because women are weak. They are easily manipulated, and they need to be protected from themselves and most certainly from men and their ill intentions toward them." (weiter bei "abcnews")



Mittwoch, November 06, 2002
Rubrik: Interessante Verbechensarten

Auf eine interessante neue Verbrechensart wies heute die Bonner Polizei bei der Vorstellung der aktuellen Kriminalitätsstatistik hin. Der sogenannte Airbag-Klau grassiere. In den ersten drei Monaten dieses Jahres habe es allein in Bonn 12 Fälle gegeben, in denen Autos aufgebrochen und lediglich die Airbags entwendet worden wären. Täter seien gut organisierte Banden aus Osteuropa.

Liebe gut organisierte Banden aus Osteuropa,

sollten sie bei ihren nächsten Streifzügen durch Bonn an einem schwarzen 944 vorbeikommen, dann denken Sie bitte daran, dass sich der Aufbruch nicht lohnt.
Mein Auto hat keine Airbags.
Und meinen CD-Player haben Sie ja schon.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Ihr




Dienstag, November 05, 2002
Textlicher Quicki

Hamlet
Whine whine whine...To be or not to be...I'm dead.
The End

Taken from: Bookaminute .
You want to experience the wonder and excitement of the fine art of literature, but reading actual books requires a significant time investment. We've got the solution for you. Our ultra-condensed books are just the ticket.



Crossmedia und so
Lesenswerter Beitrag in der "SZ" über die Situation des Online-Journalismus':
Dabei muss sich auch die Zeitung wandeln, um noch in die Zeit zu passen. Die Verlinkung mit den Online-Redaktionen ist ökonomisch und journalistisch überfällig. Das Bewusstsein, dass Zeitung künftig noch mehr analysieren muss, während im Netz die Nachrichten nahezu in Echtzeit geliefert werden - und nicht mit einer Verspätung von bis zu zwei Tagen am Wochenende -, dieses Bewusstsein ist da. Auch die Vorteile des Web - Aktualität, Interaktivität, Multimedialität, zeitliche und räumliche Unbeschränktheit, weltweiter Zugang - liegen auf der Hand, ebenso bislang verschenkte Synergiemöglichkeiten. Allein, es fehlt das Konzept, wie die Verschränkung von on- und offline geschehen soll.



Montag, November 04, 2002
"Wer war ich?"

Angesichts des Booms von Fernseh-Quizshows in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit hat der Theater-Regisseur Christoph Schlingensief ein neues Ratespiel vorgeschlagen. Ein zukunftsweisendes neues Quizformat nach dem Vorbild von Robert Lembkes "Was bin ich?" sei heute die Frage "Wer war ich?", sagte Schlingensief in Berlin. "Da sitzen Leute, und man muss raten, was die mal von Beruf waren."




Glaube, Liebe, Hoffnung
Zitate vom Wochenende

Auch mein Leben hat er verändert. Ich habe gedacht, dass ich einem Deutschen zwar wieder die Hand schütteln, aber nicht mit ihm befreundet sein könne.
Amos Oz, israelische Friedenspreisträger, am Samstag auf der Trauerfeier für den im Alter von 78 Jahren gestorbenen Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld in Frankfurt.
***
Wir wollen die Lufthoheit über den Kinderbetten erobern.
Olaf Scholz, SPD-General-Sekretär, am Sonntag im Deutschlandfunk zu den familienpolitischen Plänen der rot-grünen Koalition.
**
Meine Mutter hat früher immer gesagt, sie wünsche sich artige Kinder, ein Albtraum für mich. Ich wünsche mir artige Spieler.
Hans Meyer, Gladbacher Trainer, der am Sonntag 60 Jahre alt wurde, nach der 1:2 Niederlage in Nürnberg über seinen Geburtstagswunsch.
*
lch war nicht damit einverstanden, dass der Schiedsrichter gegen uns einen Freistoß gegeben hat. Da habe ich ihn einfach Wixer genannt.
Erik Meijer, HSV-Fußballa, auf die Frage nach dem Grund für seine Rote Karte im Spiel bei Borussia Dortmund.




Freitag, November 01, 2002
Illustrationsprobleme clever gelöst

- Das ist doch ein Photo von einer Bombenexplosion, oder?
- Jep.
- Was willste denn damit?
- Für morgen ins Blatt drücken, was sonst?
- Drehste jetzt ganz ab?
- Heute vor 50 Jahren wurde die erste Wasserstoffbombe gezündet. Sie hieß "Mike".
- Militaristensau!
- Quatsch, das stellen wir neben den Ätna-Bericht. Von da kommen eh keine brauchbaren Bilder. Merkt schon keiner.
- Na, Bombenidee.
- Sag ich ja.


Dieses eindrucksvolle Bild vom Ausbruch des Ätnas
gelang dem US-Department of Energy.




Bier am Bahnhof
Endlich ein wichtiger Service für Bahnreisende:
Bier am Bahnhof.
Reisen macht durstig. Nicht alle Züge führen einen Speisewagen oder eine Minibar, und wenn, ist das Bier da meistens teuer, kommt oft aus Blechdosen und ist daher auch nicht besonders gut. Umso wichtiger ist es für den Reisenden von Welt, sich mit der örtlichen Gastronomie vertraut zu machen, um planmäßige und außerplanmäßige Aufenthalte sinnvoll und nutzbringend zu überbrücken.