MEDIEN-KONTOR:NOTIZEN  
Operette macht dick
Notizen


Sonntag, Dezember 29, 2002

N' paar Tage Pause.
Und für 2003: Allen alles.





Zensur

Bei dem Begriff Pressezensur denken die meisten Zeitgenossen immer noch an Staaten der Dritten Welt, an Islamische Fanatikerrepubliken oder an das putinsche Russland. Aber man kann auch ganz einfach an Bayern denken.
Mit den Inhalten der links-radikalen Zeitschrift "Phase 2" gehe ich nun wirklich nicht konform, schlimmer noch ist aber m.E. die dreiste Zensur dieser Zeitschrift mittels Konfiszierung der gesamten Ausgabe durch bayerische Zollbeamte.

Bei "Heise" nachzulesen:
Die sechste Ausgabe der Zeitschrift "Phase 2" ist unter mysteriösen Umständen an der deutsch-tschechischen Grenze beschlagnahmt worden. [...] Normalerweise würde die Beschlagnahmung einer Pressepublikation von einem Gericht oder, bei "Gefahr im Verzug" (zur Beweissicherung), von einem Staatsanwalt angeordnet. Nicht so im Fall der Phase 2. Am 6.12. prüfte der Zoll die Zeitschriften bei ihrer Einfuhr aus Tschechien (dort waren sie gedruckt worden), hielt sie für verdächtig und konfiszierte sie. Das Amtsgericht Wunsiedel verfügte daraufhin die Beschlagnahmung mit der Begründung, es ergebe sich ein Verdacht auf "Steuervergehen", außerdem müsse man bei der Phase 2 von "verfassungswidrigen Inhalten" ausgehen. Rechtsgrundlage für diese Verfügung sollen die §§ 94 und 98 der Strafprozessordnung sein.

Trotzdem lesen lässt sich die sechste Ausgabe von "Phase zwei" ganz einfach hier, weiteres auch in "Jungle World".

Große Männer haben die Pressefreiheit nie gefürchtet; denn wo kein Pulver liegt, kann man die Leute auch rauchen lassen.
Karl Julius Weber (aus: Demokritos VII, 11)




Samstag, Dezember 28, 2002
Aus dem Zettelkasten

Ich sehe mir Bilder von Amerika an,
stelle fest, dass es Amerika gar nicht gibt.
Besser nur davon träumen,
als jemals einen Fuß auf dieses Land zu setzen.



!!!

Es reicht, drei Ausrufezeichen. Praschls Fußnoten zu einem jammerigen Demonstrationsaufruf.



Freitag, Dezember 27, 2002
Herb Ritts

To me it's important to have an image that is a photograph first, not about necessarily who that person is.
Yesterday Herb Ritts died of complications of pneumonia at UCLA Medical Center in Los Angeles, a few days after being hospitalized for an unspecified condition.



Weihnachtsnachlese

Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben
Den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu seh'n.
Deine Wangen müssen heut' viel schöner prangen,
Eile den Bräutigam sehnlichst zu lieben.




Dienstag, Dezember 24, 2002
Weihnachten


Hunde, wollt Ihr ewig bellen?

Frohes Fest und so weiter.






Montag, Dezember 23, 2002
50 Jahre Deutsches Fernsehen


Wir gratulieren.





Infantiler Epic Pooh-Schmu

Aus dem 1989 geschriebenen Essay Epic Pooh des englischen Fantasy-Schriftstellers Michael Moorcock, der mir schon in der Vergangenheit durch langweilige Endlos-Epen a la "Elric" aufgefallen ist. Humorlose Epen mit Helden, die Abziehbildern gleichen. Sind halt Helden, das reicht als Charakterisierung.

The Lord of the Rings is much more deep-rooted in its infantilism than a good many of the more obviously juvenile books it influenced. It is Winnie-the-Pooh posing as an epic. If the Shire is a suburban garden, Sauron and his henchmen are that old bourgeois bugaboo, the Mob - mindless football supporters throwing their beer-bottles over the fence the worst aspects of modern urban society represented as the whole by a fearful, backward-yearning class for whom "good taste" is synonymous with "restraint" (pastel colours, murmured protest) and "civilized" behaviour means "conventional behaviour in all circumstances". This is not to deny that courageous characters are found in The Lord of the Rings, or a willingness to fight Evil (never really defined), but somehow those courageous characters take on the aspect of retired colonels at last driven to write a letter to The Times and we are not sure - because Tolkien cannot really bring himself to get close to his proles and their satanic leaders - if Sauron and Co. are quite as evil as we're told. After all, anyone who hates hobbits can't be all bad.



Sonntag, Dezember 22, 2002
War der Job-Floater an der Jahrtausendflut schuld?

Die "Gesellschaft für deutsche Sprache" (GfdS) kürt einmal im Jahr die sogenannten "Wörter des Jahres", die sich dieses Jahr allerdings allesamt wie Unwörter des Jahres lesen.
Wort des Jahres 2002 ist demnach Teuro, gefolgt von PISA-Schock, Jahrtausendflut, Kakophonie, Ich-AG, Bush-Krieger, Job-Floater, verhunzingern, Arzneimittelausgabenbegrenzungsgesetz und "Es gibt nur ein' Rudi Völler!".
Eine Liste aller seit 1971 "gekürten" Wörter des Jahres findet man hier auf der Seite der GfdS.



Wissenschaft

Das ist Wissenschaft, die mir gefällt: Unglaublich wichtige und epochale Untersuchung der University of Michigan. Demnach können Frauen besser rechnen, wenn sie Alltagskleidung tragen, als wenn sie Bikinis an haben. Bei Männern hat die Kleidung auf die Rechenleistung keinen Einfluss, sie rechnen in der Badehose sogar etwas besser, als in der Alltagskleidung.
Leider nicht untersucht wurde die Frage, wie Männer rechnen, wenn sie Bikinis tragen und die a) unbekleideten Frauen oder die b) alltagsgekleideten Frauen ihnen dabei zuschauen.

(via ABCNEWS: When the results were in, the researchers found that the men did about the same on the math test whether they were wearing a swimsuit or a sweater. In fact, the guys did slightly better in swim trunks. The women, however, had significantly lower math scores if they were wearing the swimsuits. The authors published their findings in the Journal of Personality and Social Psychology. )



Freitag, Dezember 20, 2002
Rubrik: Aus dem Zettelkasten

Daß es verschiedene Formen von geistigem Durchfall gibt, war ihr ohnehin klar, nach dem Lesen verschiedener Texte aber um so deutlicher geworden. Sie überlegte kurz, an welcher Form des Dünnschiss sie selber litt und stellte fest, dass es mehr eine Art Reisedurchfall war. Ein Durchfall der Orte. Wo sie ankommt, will sie nicht bleiben. Vielleicht sei sie, überlegte sie weiter, jemand, der hartnäckig immer weiter nach dem Fleck auf der Erde sucht, wo die Menschen netter, das Leben entspannter, die Atmosphäre gemütlicher ist, eine Stätte also, wo sich nicht jeder durch Geltungsdrang, Machtspielchen, Hodenjucken oder Endorphinsucht einen Spleen einreden läßt. Sie hoffte natürlich, daß die Welt anderswo anders und dann möglichst besser ausschaut. Scheiße passiert eben, das war ihr schon seit Jahren klar, aber das Scheiße, genau die gleiche Scheiße sogar, auch weit entfernt von zu Hause passiert, war jedesmal wieder eine Enttäuschung. Wo sie ankommt, will sie nicht bleiben. Das klingt frustrierend und frustriert, stellte sie fest, und das ist es wohl. Sie auch.



Donnerstag, Dezember 19, 2002
Warm Your Pussy

Einer der blödesten Antworten auf die Aussage Mir ist kalt! , ist immer noch Dann mach' Dir doch warme Gedanken. Würde ich auch nie antworten, von mir käme da eher ein dezentes Warm Your Pussy!



Mittwoch, Dezember 18, 2002
Wie werde ich ein rechtschaffender Feuilletonist ?

Eine Anleitung zur Kulturkritik aus der "Washington Post":

There's nothing like abundance to reveal repetition, and there's an astonishing abundance of cultural criticism these days -- in magazines and newspapers, on Web sites and blogs, even (if you cast a broad net) on television. High demand has led to mass production, with a few basic archetypes of the cultural essay dominating the field. If you removed the five or 10 most abused forms of criticism, there would be a deafening silence. Or perhaps room for other kinds of commentary to grow. Some basic archetypes of the form, or Cultural Commentary in 10 Easy Lessons: Critical Flaws



Goebbels with tits

The Beast 50 most loathsome people in America.
And the winner is not Georg Doppeldoof, but Ann Coulter (Desc.: Goebbels with tits. Aesthetic: Eva Braun meets Sex and the City meets Alpha Rho Lambda.



Harte Zeiten, heuer

Bis vor kurzem hätte ich noch gesagt: Mönsch, Henning, jammer' nicht so rum. Sag' ich jetzt aber auch schon nicht mehr.



Dienstag, Dezember 17, 2002
Butts

Butts, nothing more, but butts.(via Geisha)



Vom wahren Terror

Der Psychoterror deutscher Politiker auf die Anleger ist seit Jahren so groß, dass Schwarzanleger längst das Weite gesucht haben.
Lucien Thiel, Chef der luxemburgischen Bankenvereinigung ABBL, zu den Steuerplänen der deutschen Bundesregierung.




Montag, Dezember 16, 2002
Presse heute: Newseum

Newseum: Über 100 Titelseiten von amerikanischen und internationalen Tageszeitungen jeden Tag ofenfrisch zum Anschauen und Runterladen:

"Today's Front Pages" is an online version of one of the Newseum's most popular exhibits. Every morning, more than 100 newspapers from around the world submit their front pages to the Newseum via the Internet.

Sixty-eight of the front pages are selected for an outdoor exhibit located at Pennsylvania Avenue and Sixth Street in downtown Washington, D.C., future site of the Newseum. Front pages are chosen to represent each of the 50 states as well as a selection of international newspapers.




Presse gestern: ILEJ

Sammlung einiger Zeitschriften aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Alle Seiten gescannt und druckbar. Zeitschriften wie das "Gentleman's Magazine" (1731-1750) oder "Philosophical Transactions of the Royal Society" (1757-1777).

ILEJ, the "Internet Library of Early Journals" was a joint project by the Universities of Birmingham, Leeds, Manchester and Oxford, conducted under the auspices of the eLib (Electronic Libraries) Programme. It aimed to digitise substantial runs of 18th and 19th century journals, and make these images available on the Internet, together with their associated bibliographic data. (via The Cartoonist)




Samstag, Dezember 14, 2002
Leni

Auch eine Anti-Hommage ist eine Hommage ist eine Hommage. Das Bonner Haus der Geschichte zeigt ab heute eine Ausstellung über Leben und Werk der umstrittenen deutschen Regisseurin und Fotografin Leni Riefenstahl. Rund 300 Exponate sollen insbesondere das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Leistung und politischer Verflechtung mit dem Nationalsozialismus deutlich machen, sagte Projektleiterin Andrea Mork auf einer PK in Bonn. Auf Seiten der Veranstalter werde das Thema Riefenstahl zwar kontrovers gesehen, aber es habe einen Konsens gegeben, die umfassende Schau mit Leihgaben der widersprüchlichen Künstlerin im Museum für Zeitgeschichte der Bundesrepublik der Öffentlichkeit zu präsentieren.
"Wir zeigen Riefenstahl in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext, um zu einer objektiven Einschätzung von Werk und Person zu kommen." Es gehe keinesfalls um eine "Huldigung", so jedenfalls Frau Mork. Auch in ihren späteren Rechtfertigungen sei Riefenstahl eine "exemplarische Figur". Es gehe auch um übergeordnete Fragen von Ästhetik und Politik
sowie zwischen Kunst und Macht, die über die Person Riefenstahl hinauswiesen.


[Riefenstahl-Telegramm an Hitler: tief bewegt und beglueckt hoerte ich eben am radio die verkuendung des filmpreises. Diese grosse auszeichnung wird mir die kraft geben fuer sie, mein fuehrer, und fuer ihr grosses werk, neues zu schaffen, ihre leni riefenstahl

Im Zentrum der Ausstellung soll die Verflochtenheit der Regisseurin mit der nationalsozialistischen Diktatur und die Propagandafunktion ihrer Filme stehen. Ihr Film über die Olympischen Spiele 1936, der Nationale Filmpreis für "Triumph des Willens" und Telegramme an Adolf Hitler lassen Riefenstahls enge Beziehung zur NS-Ideologie deutlich werden. Ohne jeglichen Anflug von Kritik oder Distanz huldigt Riefenstahl dem Faschismus, dem Führerkult und der überlegenen Stärke der angeblichen Herrenrasse und setzt damit genau das in bewegte Bilder um, was die Herren Goebbels und Hitler vorher in Reden und Texten von sich gegeben hatten. Klar ist, dass diese bewegten Propagandabilder von einer außerordentlichen Qualität sind. Man kann sie also durchaus loben, allerdings lediglich, was die handwerkliche Seite betrifft. Doch, eine außerordentlich gute Handwerkerin war die Riefenstahl seinerzeit. Aber da stellt sich wieder die alte Frage: Kann man wirklich einen Gegenstand ohne seinen Kontext sehen? Kann man ein Machwerk, hier einen Film, für seine Beschaffenheit loben, ohne damit seinen eigentlichen Zweck zu verharmlosen? Klar kann man das. Eigentlich. Aber das setzt eine intellektuelle Mündigkeit voraus, die bei den meisten Leuten einfach nicht gegeben ist. Zu groß ist die Beeinflussbarkeit der Massen durch die durchaus vorhandene Strahlkraft solcher bewegter Bilder. Nicht umsonst hat sich die Werbewelt in den letzten zehn Jahren genau der Riefenstahlchen Techniken bedient. Diese kalte und völlig unbeseelte Ästhetik findet sich etwa in dem Parfumwerbungen von Joop und Calvin Klein wieder. Absoluter Körper- und Schönheitskult, mit einer Pseudoromantik vermischt, ergibt eine nicht ungefährliche Melange, die auf einfache Gemüter auch heute noch eine Anziehungskraft hat. Triumph des Äußeren, Triumph des Schönen. Und Schönes kann doch nicht böse sein. Oder?

Riefenstahl, die im August ihren 100. Geburtstag feierte und noch immer aktiv ist, sieht sich selbst als unpolitische und allein künstlerischen Idealen verpflichtete Filmemacherin.
(Ausstellung in Bonn vom 13. Dezember bis 2. März)



The T-Shirt Terrorists

Secret Service Agents question a Bellbrook High School student for wearing a controversial t-shirt. The shirt has a picture of President Bush on it and the words, "not my president." The picture also showed cross-hairs on the Bush's forehead.

Because this issue is so sensitive, even we don't know the students name.
But we can tell you this whole thing was brought to the attention of school administrators after two students (sog. Denunziantenpack) came forward and complained.

According to the Assistant Principal, the student had worn it before and the shirt didn't cause any problems until cross hairs appeared on the President's forehead.

The Assistant Principal confiscated the shirt, called the FBI and agents then called the secret service. (weiter)
*
Pixelige T-Shirts zum Selbermachen.



Freitag, Dezember 13, 2002
The Nose Picking Game

An der Nase des Mannes, erkennst du seinen Hannes, weiß der Volksmund.
Aber ob das immer so einfach ist?
Are men's noses different from women's noses?
If one was poking through a fence, could you tell who was behind it?
Auf zum Nasenerkennungsspiel.



Zeitgeist

Dass der Begriff "Herr der Ringe" zu den meist abgefragtesten Google-Stichwörtern 2002 gehört, mag ja nicht überraschen. Dass das Suchwort "Aldi" aber noch beliebter war, dann doch schon. Die Google Zeitgeist-Auswertung für 2002.



Donnerstag, Dezember 12, 2002
Anti-Monitorflecken

Kennt man ja: Man sitzt mit der üblichen schlechten Laune im Büro vor dem Monitor und schreibt gerade an einem Text, der die Welt verändern/verbessern/erschüttern/aus den Angeln heben wird. Und dann kommt ungebetenerweise ein Kollege hinein, schaut einem unaufgefordert über die Schultern und liest das gerade entstehende Mammut-Oeuvre mit. Und dann - einer meiner Lieblingssätze: Da ist noch ein Fehler. Und ein schmieriger Zeigefinger tippt auf die Scheibe des Monitors, um den angeblichen Fehler zu markieren und sofort erscheint ein widerlicher Fettfleck auf dem Monitor. Ist man dann wieder alleine und hat keine Lust mehr am pulitzerpreisverdächtigen Werk weiterzuarbeiten, spielt man ein Asteroids-Moorhühner-Ballergame und verwechselt ständig im Reflex den Fettfleck mit einem Chicken oder Alien. Muss nicht sein und hier gibt es Abhilfe.



Zwischenzeit

Lesenswerter Artikel in "Brand eins" über den Umgang von überregionalen Tageszeitungen mit dem Medium Internet:

[...]Nach einer Phase anfänglicher Skepsis - wollen die Nutzer überhaupt auf Bildschirmen lesen?, verfielen Medienhäuser und ihre Dotcom-Mitbewerber in eine ungebremste Möglichkeitsrhetorik. Dabei wurde jedes Alleinstellungsmerkmal der Online-Technik zu einem marktrelevanten Vorteil erhoben, jedes Spezifikum zum Produkt erklärt. Das ist die typische Haltung von Ingenieurs-Gemütern. Viele Berater drangen damals - ganz im Sinne der Technikorientierung - darauf, diese "multimedialen Möglichkeiten" endlich zu nutzen: Interaktivität, Multimedialität, Aktualität, Vernetzung, Foren und Personalisierung wurden als Vorteile gepriesen.
Erst der Blick auf die Kunden beendet die Technik-Euphorie. Welcher dieser angeblichen Supervorteile spielt im Leben der Nutzer wirklich eine Rolle? Im vorsorglichen Expansionismus schauten die Unternehmen bislang meist auf die Konkurrenten und wenig auf die Kunden. Doch erst die Kundenperspektive macht den Blick frei für konkurrierende Lösungen und deren Kosten.[...]




Mittwoch, Dezember 11, 2002
Smoke 'em out!

...we are supposed to be the good guys ....



Super-Münti

(Ist zwar schon ein paar Tage alt, aber manchmal bin ich ja auch sehr gerne nachtragend.)

Seltsam, dass was Franz Müntefering im "Tagesspiegel"-Interview von sich gab, kam mir so bekannt vor. Klar, aus dem doofen Steuersong von Elmar Brandt. Parodiert hier eigentlich ein Politiker einen Satiriker oder versucht die Politik die Satire noch zu überholen? Gibt es eine sich-selbsterfüllende Satire? Oder ist das ein genialer Plan der SPD, alle Satiriker auch noch arbeitslos zu machen, weil man die beste Realsatire doch schließlich selber machen kann?

Müntefering im Tagesspiegel:
Dennoch, was wir machen, ist richtig: Weniger für den privaten Konsum - und dem Staat Geld geben, damit Bund, Länder und Gemeinden ihre Aufgaben erfüllen können. Dazu muss man sich auch bekennen.




Dienstag, Dezember 10, 2002
Reporterpreis

Der 10. Dezember ist der "Internationaler Tag der Menschenrechte". Aus diesem Anlaß verleiht "Reporter ohne Grenzen" den Menschenrechtspreis in Paris.
Preisträger ist dieses Jahr Grigorij Pasko aus Russland. Der Journalist und Offizier sitzt seit Dezember 2001 für dieselbe Sache hinter Gittern, für die er schon 1997 und 1998 einsaß. Den Militärs missfiel, dass sein Film über die Verklappung radioaktiver und chemischer Abfälle durch die russische Marine ins japanische Meer gezeigt wurde.

Unterstützen kann man die Arbeit von RSF, in dem man einen der hervorragenden Bildbände ("100 Fotos für die Pressefreiheit") kauft. Die sind nicht nur gut, sondern auch preiswert. 6 Euro, wenn man sie in Paris kauft, 10 Euro, wenn man sie in Berlin bestellt. (Ist das eigentlich eine Notopfer-Berlin-Zulage?)




Turkish Star Trek

The Turkish Enterprise's dress code has got to cause problems. The female personnel are forced to wear miniskirts that end four inches above the bottom of their asses, and when they turn around to work on the spray-painted cardboard computers, they have no secrets. I'm sure this leads to situations where the navigator loses his concentration and says, "Miss Uhura, we are crotching a course for the panties sector, coordinates your whole ass hanging out. Repeat: panties, panties, panties."





Montag, Dezember 09, 2002
XXXmas: Oh, Dolly you are so cute ...

Häufig sind wir in den letzten Wochen gefragt worden, was man denn zu Weihnachten verschenken könne. Alle hätten ja schon alles. Am Wochenende nun hat sich das Kontor-Team zusammengesetzt, schwer konferiert, Kataloge gewälzt, Akten studiert, Kuchendiagramme gemalt, Flipcharts bekritzelt und Webseiten bereist, um etwas zu diesem saisonalem Problem sagen zu können. Nun aber: Der ultimative Weihnachtsgeschenktip des Kontors:

Easily shocked? Well if you shop regularly with Boys Stuff, probably not. But Dolly, the very latest in inflatable "comfort", could shock anyone (well, apart from the odd Welshman.) This is the last sexual taboo - and we're going to help you break it.

If you can't drive past a field without drooling, you've got two options. One - seek professional help. Two - get your hands on Dolly, the sexiest inflatable sheep you'll ever see. (Okay, probably the only inflatable sheep you'll ever see.) She'll satisfy all your "animal" desires, without even a telltale "baa" to warn the farmer.
Much more fun than an inflatable woman; after all, we've all been there and done that, haven't we? Or maybe that's just us. On second thoughts, maybe professional help is the only option...



Vom Phoenix

Immer wenn Sie Software von Unternehmen wie Microsoft, Sun, IBM oder Adobe kaufen, geben Sie nicht nur Geld aus, Sie geben auch fundamentale Freiheiten und Menschenrechte auf, äußerte sich vor kurzem Richard Stallman gegenüber BBC online.
Das klingt ja erst mal toll, so toll wie Pathos auf den ersten Hinhörer manchmal klingen mag. Machen wir doch mal den beliebten Umkehrschluß: Immer wenn Sie Software von Unternehmen wie Microsoft, Sun, IBM oder Adobe raubkopieren, sparen Sie nicht nur Geld, Sie tun auch etwas für die fundamentalen Freiheiten und Menschenrechte. Na, ja. (via Heise)

Aber wo wir schon mal dabei sind: Die Drachenfamilie feiert mal wieder Nachwuchs. Phoenix 0.5 (Naples) heißt der jüngste Ableger des Mozillas. Ein kleiner Light-Browser fürs schnelle Surfen, ohne den ganzen Drumherum-Schnickschnack.



Sonntag, Dezember 08, 2002
Kitschmas

Looking for the perfect seasonal gift to impress your pastor or priest? Well sing hallelujah, for your search is over! Welcome to the Ship of Fools 2002 12 Days of Kitschmas, with a choice selection of Gadgets for God.
Click and be blessed...



Rubrik: Dialektik des Alltag 3/3


Dialektik des Alltags: Frankfurter Schule




Freitag, Dezember 06, 2002
Rubrik: Dialektik des Alltag 2/3





Donnerstag, Dezember 05, 2002
Rubrik: Dialektik des Alltag 1/3





Mittwoch, Dezember 04, 2002
Ultrachronos

HelKs neuer Roman heißt "UC - Ultrachronos" und erscheint im März 2003 bei Rowohlt. Zum Anlesen gibt es hier ein paar Auszüge. (via andrea diener)



Dienstag, Dezember 03, 2002
Verschwörungstheoretiker aufgepasst: Der Super-Schurke zum Selberbasteln

Zwei Schweizer Künstler, Annina Rüst und "LAN", sehen nicht ein, dass jetzt jeder "ein potentielles Opfer der elektronisch organisierten Überwachungsmaschine" werden könne. Um der automatisierten Erstellung von Feindprofilen entgegenzuwirken, haben sie einen "SuPerVillainizer" online gestellt (Villain -- engl. "Schurke").
Das Programm dient zur Generierung von Schurken und Bösewichten, die mit echten E-Mail-Konten ausgestattet werden und alsbald beginnen, virtuelle Verschwörungen zu planen. Der Inhalt der Verschwörung wird vom SuPerVillainizer generiert, Sprache und genauer Inhalt können aber auch nachgebessert werden. Durch die Nutzung unterschiedlicher SMTP-Server sausen die virtuellen Verschwörungen durch das Internet, freizügig mit "Trigger"-Wörtern für die elektronischen Überwachungssysteme garniert. (via Heise).



Montag, Dezember 02, 2002
Die Machenschaften der Macht

Aus einem Beitrag des Verfassungsrechtlers und Parteienkritikers Hans Herbert von Arnim in der heutigen "SZ" über die Selbstbedienungsmentalität deutscher Politiker:

Deutsche Abgeordnete dürfen sich von Interessenten sogar regelrecht kaufen lassen. Viele Parlamentarier sind Lobbyisten eines Großunternehmens oder eines Interessenverbandes mit regulärem Zweitgehalt. Sie dienen zwei Herren: dem steuerzahlenden Bürger, der sie "zur Sicherung ihrer Unabhängigkeit" unterhält, wie es im Grundgesetz heißt, und dem privaten Financier, an den sie genau diese Unabhängigkeit verkaufen. Mandatsträger wie Günter Rexrodt oder Heinz Riesenhuber sammeln Aufsichtsratsposten und versilbern so ihren politischen Einfluss.[...]

Man könnte im Extremfall Abgeordneten sogar einen ganzen Sack voll Geld anbieten und liefe lediglich Gefahr, dass sie einen rauswerfen. Nimmt einer das Geld aber an, handeln Geber und Nehmer "ganz legal", vorausgesetzt, der Abgeordnete zahlt die meist relativ geringe Schenkungsteuer, denn von Einkommensteuer sind solche Zuwendungen ohnehin befreit. In Wahrheit ist das politische Korruption, die aber nicht unter Strafe steht. Ein wirksames Gesetz müssten die Abgeordneten nämlich selber verabschieden. [...]

Politiker erwerben, ohne überhaupt eigene Beiträge zu leisten, schon nach wenigen Jahren außerordentlich hohe Versorgungsansprüche, die lange vor Erreichen der allgemeinen Altersgrenze zu laufen beginnen. Das Einkommen eines Bundesministers ist fünfmal so hoch wie das eines durchschnittlichen Arbeitnehmers, er erwirbt pro Jahr aber eine bis zu 35fache Versorgung. Deshalb erhält ein Bundesminister schon nach eindreiviertel Jahren Amtszeit eine höhere Versorgung als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in seinem ganzen Arbeitsleben. Ein Bundestagsabgeordneter bezieht ein dreifach so hohes Einkommen wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer, erwirbt aber pro Jahr eine bis zu elfmal so hohe Versorgung. Das Verhältnis der Einkommen ist in Ordnung, nicht aber die Relation der Versorgungen. [...]

Wie irrelevant die Leistung tatsächlich ist, zeigt sich auch daran, dass Politiker ihre üppigen Übergangsgelder und Altersversorgungen selbst dann ungekürzt bekommen, wenn sie ihr Amt aus eigenem Verschulden verlieren. [...]

Sinnvoll wäre es auch, Politikern eine angemessen hohe Globalsumme zu geben, aus der sie nicht nur ihren Lebensunterhalt, sondern auch ihre Aufwendungen für das Mandat und die Altersversorgung zu bestreiten hätten, wie dies in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein jüngst vorgeschlagen wurde. Dann müssten auch Abgeordnete Belege sammeln (wie jeder normale Bürger) und würden am eigenen Leib spüren, wie teuer das Ansparen einer eigenen Versorgung ist. Dass Politiker unter den von ihnen gemachten Gesetzen leiden, entspricht nicht nur demokratischer Gleichheit, sondern könnte auch eine eminent erzieherische Wirkung haben: Forderungen etwa nach Vereinfachung des Steuerrechts fänden plötzlich ganz andere Resonanz unter den Gesetzesmachern.




2001: Last Tango in Paris

Der Regisseur Steven Soderbergh, der zur Zeit an einer Neuverfilmung des genialen "Solaris" von Stanislaw Lem arbeitet, in einem Interview:

That's something you're working on right now, development?

No, I'm writing it. What's interesting about it is it's not a hardware science fiction movie, it's a psychological drama that happens to be set in space, and that's what's interesting to me about it. I'm interested in science fiction, but only in the conceptual side of it. There are hardly any real science fiction movies made today. They're all about the hardware or selling action figures. Exactly, and my whole pitch to James Cameron's company, because they owned the rights, and it was something I was interested in for awhile, and I said if we do our jobs right it's a combination of "2001" and "Last Tango in Paris." They said "Oh that sounds good."