MEDIEN-KONTOR:NOTIZEN  
Bitches Brew
Notizen


Dienstag, September 30, 2003
Revolutionäre Gutenbergs, Version hessisch

VJ ist, weiß man ja durch die mtviva-Schulung, das Kürzel für VideoJockey. Das klingt cool und ist deswegen auch weltweit als Berufsbezeichnungskürzel toleriert. Weltweit? Nein, in Hessen nicht. Dort soll VJ ab sofort für VideoJournalist stehen. Meint zumindest der Hessische Rundfunk. Der hat jetzt mit 30 VJ-Ein-Mann-Teams schwer aufgerüstet. Ein VJ-Team besteht aus: DV-Kamera, Laptop, Moped, Mensch und ist Reporter, Kameramann und Cutter. Alles in einem. VJ-Trainer Michael Rosenblum bei der Schulungsrede: The gutenbergs of the 21. century. [...] Youre part of a great revolution. Revolution auf hessisch: Sparmaßnahmen.
[Bericht auf den besten Seiten der taz: "Flimmern und Rauschen", die ja unverständlicherweise bald eingestellt werden.]





Aus der Leserbriefredaktion

Sehr geehrte Medienkontorei,
vielleicht können sie mir bei meinem kleinen Problem weiter helfen. Jetzt kommt ja der Herbst und es wird kalt draußen. Da machen ich und mein Heinz, welcher mein mir Angetrauter ist, es uns immer gemütlich abends. So mit Kerzen und Wein und Musik und so. Und die Musik ist das Problem. So Kuschelrock mögen wir ja nicht, es muss schon was klassisches sein. Macht mehr Ambiente. Letztes Jahr hatten wir den Schumann durch ge§°^+#*
[leider unleserlich, Anm. der Redaktion], Chopin mögen wir nicht und bei Brahms kann mein Heinz nicht (Kindheitstrauma). Hätten Sie einen (musikalischen) Ratschlag für uns?
[Frau Gerda M. aus H.]

Liebe Frau Gerda,
natürlich helfen wir Ihnen da gerne. Ans Herz legen wollen wir Ihnen und Ihrem Gemahl Werke des französischen Komponisten Charles Valentin Alkan. Dessen Klavierkompositionen sind nicht nur hoch virtuos, sondern auch sehr romantisch, wobei das Übertreten der Kitschschwelle gerade immer noch vermieden wird. Empfehlen können wir Ihnen die Aufnahmen mit Marc-André Hamelin (Hyperion-Label, London), wahrscheinlich sind dies aber auch die einzigen Aufnahmen, die sie mit viel Glück im leider meist schlecht sortierten Fachhandel kriegen können. Informationen finden Sie auch bei der Alkan-Gesellschaft.

Herzlichst,

Ihr



Montag, September 29, 2003
Listen

Tabuwörterliste für alle taz-Redakteure.
[via malorama]





Rubrik: Innovationen



Spezial-Tastatur für x-rated Texte





Sonntag, September 28, 2003
Rubrik: Herrlicher Stuss

In der Weblog-Community löste die Entscheidung, das Weblog zu redigieren, Proteste aus: Bisher galt es als eines der wesentlichen Elemente von Blogs, dass Texte nicht redigiert werden. [...] Die Journalisten wüssten aber, dass ihre Texte durch das Redigieren eines Redakteur besser würden.
[aus der Netzeitung]




Rubrik: Mutmaching

Seit dem 11. September gibt es einen spürbaren Ruck im Käufermarkt. Wir verlegen positive Geschichten, die Mut machen.
Gerhard Melchert, Chef des Martin-Kelter-Verlages in Hamburg, zum Boom der Groschenromane.
[Quelle: Handelsblatt]




Rubrik: Mode


Museum für
Gasmasken





Donnerstag, September 25, 2003
Siehste

Interessant, auf den Seiten der Sportschau den Hinweis zu finden, mehr über die Sportschau gebe es im www. Interessant aber auch, dass an einem Tag wie gestern, als Themen in Hülle und Fülle auf dem Tisch lagen, es ausgerechnet die Meldung, dass Microsoft seine Chats schließen wird ("um die Kinder zu schützen"), den Eingang in die 20:00 Uhr Tagesschau fand. War vielleicht die Bedingung dafür, dass Texaswalker unserem Bundesgerd die Patscher schüttelte. Mal was Positives über die USA verbreiten. Siehste, wir sind doch die Lieben.




Mittwoch, September 24, 2003
Ausgeflimmert, ausgerauscht

Die von mir in der taz am meisten geschätzten Seiten sind die Medienseiten "Flimmern und Rauschen". Ab Mitte Oktober werden sie eingestellt.
Die FR bemerkt dazu:
Und fast aberwitzig, in einer Zeit die Medienseite abzuschaffen, in der Medien zunehmend das Bewusstsein bestimmen, ihre Inszenierungen immer mehr in den Alltag herüberlappen und global operierende Medientycoone wie Silvio Berlusconi oder Rupert Murdoch immer mehr Macht anhäufen - anstatt von dem zu profitieren, was dieses Blatt anderen Zeitungen voraus hat. Und das sind mitnichten die personellen Ressourcen für einen gelungenen Gesellschaftsteil, sondern die Chuzpe, im zur Kuschelei neigenden Medienbetrieb den Spielverderber zu geben.





Dada for you

Die FR kürt das Fachblättchen für Alte-Männer-Gelüste in Notstandsgebieten "Coupé" zum Deutschlands wirklich dadaistischstem Heft ("Skandal! Zahnärzte verpflanzen Zähne von totem Kinderschänder.")





Dreist

Den Schweizer Zeitungen geht es – vor allem in Relation zu den deutschen Blättern – gut. Rund 230 Wochen- und Tageszeitungen bei nur sieben Millionen Einwohnern sind ein Spitzenplatz in Europa. Mit einem Werbemarktanteil von 41,8 Prozent ging 2002 fast jeder zweite Franken an die Zeitungen (Deutschland: 25 Prozent), während aufs TV lediglich 17 Prozent und aufs Radio sogar nur 3,8 Prozent entfielen. Und damit die teils schwerreichen Verleger noch schwerreicher werden, fordert der Verband Schweizer Presse ab 2007 staatliche Subventionen von lässigen 150 Millionen Franken. Pro Jahr. Zur Wahrung der Medienvielfalt, versteht sich.
[Quelle: "Welt"]





Theatralische Axt

Ich war die Axt in der Brust des Verlobten.

[Aufschrift eines Werbeaufklebers des Bonner Theaters]



Totenruhe

Nach einer Durchsuchung bei dem Magazin "Max" wegen der Berichterstattung in der Februarausgabe über die Leichenschau "Körperwelten" hat die Verlagsgruppe Milchstraße eine Verfassungsbeschwerde angekündigt. In der nächtlichen Fotosession mit den Plastinaten in der Münchner Innenstadt sah das dortige Landgericht eine strafbare "Störung der Totenruhe" und ordnete die Durchsuchung der Redaktion an, um Aufschluss darüber zu gewinnen, welcher Bösewicht das Shooting angeordnet hatte. Bleibt die Frage, ob ein Knipstermin tagsüber auch eine "Störung der Totenruhe" gewesen wäre, also ob Plastinate nächtens schlafen oder ob mit Totenruhe der Schlaf der Münchener Bevölkerung gemeint war.





Sonntag, September 21, 2003
Rubrik: Heimatgesänge

Der Rhein fällt ins Uferlose.
[aus dem GA, Printausgabe]



Freitag, September 19, 2003
Unter drei

Ich rede halt mal so vor mich hin, und wenn Sie es benutzen wollen, dann müssen Sie es mir vorher zur Genehmigung vorlegen. Früher galt die Regel, dass alles veröffentlicht werden durfte, was nicht ausdrücklich untersagt worden war. Inzwischen ist es umgekehrt. Alles ist verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt worden ist. Es gibt Gründe, warum der politische Teil vieler Tageszeitungen so langweilig geworden ist.
[Schöner taz-Artikel über den Autorisierungswahn]



Matsch

Advertorial ist ja auch so ein Begriff. Hört sich toll an. Gemeint ist aber letztlich nur die Weiterentwicklung des alten langweiligen Anzeigenkollektivs hin zu einer noch übleren Form. Der bewussten Vermengung von Bericht und Werbung. Kann man aber viel Geld mit machen.
Das SZ-Magazin geht jetzt diesen Weg. Monatlich präsentiert man jetzt in der Heftmitte eine zweiseitige Galerie der großen Marken.
Bessere Umschreibung für Advertorial: Matsch.

"Mit dem Advertorial bieten wir dynamischen Marken einmal im Monat die Möglichkeit, sich mit einem aufmerksamen Auftritt von ihrer besten Seite zu zeigen", sagt Rudolf Spindler, Geschäftsführer der Magazin-Verlagsgesellschaft. [Quelle: PM-Süddeutscher Verlag]





Donnerstag, September 18, 2003
Deutschland sucht die Supertitel

Das lässt Schlimmes befürchten. Pro7 erhebt Titelschutz auf Deutschland sucht das Superheim. Gibt’s doch gar nicht, will man sagen, aber Gibt’s doch gar nicht ist ja auch schon geschützt. Der MDR toppt dies mit Deutschland sucht das Superbrot. Und Vorsicht, wenn sie die Maler im Haus haben: Der Hinweis Vorsicht, frisch gestrichen! gehört schon jemand.
[Neues aus dem Titelschutzanzeiger]





PlusNormaAldi-Bild

Die "Bild" will in den Supermarkt. Plus sagt: Eventuell. Norma sagt: Mal schaun. Aldi sagt: Nö. Da treibt es dem Grossisten doch die Krokodilstränen in die Äuglein:

"Jeder muss sich ungehindert umfassend informieren können. Daher ist das, was jetzt bei Plus passiert, gelinde gesagt höchst unglücklich", fürchtet er [Werner Schiessl, Vorstandsvorsitzender des Verbands Presse Grosso] angesichts junger Verbraucher, "die mit den Discountern aufwachsen und so vielleicht überhaupt nie mit bestimmten Presse- Erzeugnissen in Berührung kommen."
[Quelle: tsp]





Mittwoch, September 17, 2003
Hintenrumprägung

Nah, was fehlt der Welt? Dem Zeitschriftenmarkt? Euch und uns allen? Genau, eine Frauenzeitschrift. Hat man sich auch so bei Gruner&Jahr gedacht und mal schnell eine herausgebracht. Sogar mit Schülerzeitungstitel a la „Focus“: „flash“ heißt das Oeuvre, auf das alle gewartet haben. "flash" wendet sich an anspruchsvolle, unkonventionelle Frauen zwischen 20 und 39. Als Trendmagazin, das sich auf die Bereiche Lifestyle, Fashion, Sex, Beauty und Kultur fokussiert, unterscheidet sich "flash" durch seine mutige Optik im neuartigen Scrap–Book–Design und Klarheit im Themenspektrum von anderen Titeln. [G&J].
Die FR dazu: Eigentlich sind solche subkutanen Kleinmädchenvorschriften richtig fundamental erniedrigend. Weil sie aber in einem frechen Layout daherkommen, wirkt es wie ein plötzlicher, fröhlicher Sommerguss. Nur dass man hinterher trotzdem bepudelt dasteht, weil die Hintenrumprägung einem ständig suggeriert: Hier brauchst du Hilfe.




Dienstag, September 16, 2003
Geht doch

Nie noch hat Musik von mir gefallen, wenn nicht ein Text dabei war. Am Pierrot lunaire hat den Leuten noch einige Zeit der Text so gut gefallen, dass sie sich darin nicht einmal durch meine Musik stören ließen.
[Arnold Schönberg]





Poetischer Schminck, heute ohne

Enthaltend alles Denkwürdige, so von Tag zu Tag so wohl in dieser kayserlichen Residenzstadt Wienn selbsten sich zugetragen als auch von anderen Orten auf der ganzen Welt allda nachrichtlich eingeloffen. [...] Dass all hier einlaufenden Begebenheiten ohne oratorischen und poetischen Schminck und Vorurtheil ordentlich vorgestellt werden.
[die "Wiener Zeitung" feiert ihren 300. Geburtstag und ist damit die älteste noch existierende Zeitung der Welt, ein Bericht in der FR]





Montag, September 15, 2003
Da, nimm dir mal ein Beispiel, Junge!

Und während man noch Lobe säht,
das Tantchen unsern Max erspäht
und zischt zu ihm mit spitzer Zunge:
Da, nimm dir mal ein Beispiel, Junge!


Schlussreime des Gedichtes "Abendstern" mit dem Frau Petra Schachtschabel den grotesken Preis Deutschland sucht den Superdichter des Verbandes der deutschen Sprache (VDS) gewann. Der Name "Schachtschabel" ist allerdings auch preisverdächtig, wenn auch eher in der Rubrik Traurige Alltagsprosa.

Da, nimm dir mal ein Beispiel, Junge!

Na gut:

Und während man noch eifrig reimt,
der VDS die Preise leimt,
und es tost aus schwarzer Lunge,
beiß’ Dir nächstens auf die Zunge!






Amtliche Spitznamen-Bespitzelung

Um ihren Presseausweis zu verlängern, müssen Journalisten in Österreich künftig einen Strafregisternachweis erbringen. Erst der "gute Leumund" erlaubt den amtlich beglaubigten Berufsnachweis.
Was manchen Medienvertreter besonders erbost, sind freilich einzelne Fragen am "Antrag auf Ausstellung einer Bescheinigung des Strafregistergesetzes". Dieser will nämlich neben sämtliche früheren Familiennamen auch "Spitznamen" wissen. [Bericht im "Standard"]

Haben Sie keinen netten Spitznamen, dann haben Sie auch keinen guten Leumund, dann gibs auch keinen Ausweis mehr. Basta.





Große Worte, Version VHS

Insofern ist „Ente auf Sendung“ ein sehr erwachsenes Buch, in dem Journalisten von ihrem täglichen Kampf erzählen, der Wahrheit so nah wie möglich zu kommen. Es ist sogar ein Beitrag zur großen Debatte, bei deren Erwähnung Journalisten für gewöhnlich sofort einschlafen: der Debatte um das wichtige, unendlich oft diskutierte Thema der journalistischen Ethik, das große Worte immer nur halb treffen.
[aus einem Artikel des Tagesspiegels über das Medien-Buch "Ente auf Sendung" von Ingke Brodersen und Maybrit Illner]

Wunderbar auch die Überschrift dieses Textes: Maybrits kleine Medien-Fibel.
Und jetzt schreiben Sie bitte zehnmal: Der tägliche Kampf, zehnmal Wahrheit zehnmal Journalistische Ethik und zehnmal Große Worte. Oder lassen Sie’s einfach.






For You

Die freche, junge Frau, die dem Bravo-Girl-Alter entwachsen ist, soll ab Montag Coupé For You lesen. [...] Wenn in Zukunft über 38 Prozent der Coupé For You-Leser männlich sind, komme aber bitte niemand auf die Idee, dass Deutschland noch mehr Männermagazine braucht. Selbst wenn ein Titel wie "Freundin For You" die Fantasie durchaus anregen könnte - jedenfalls die von Verlagsmanagern.
[Quelle: BerlinOnline]





Donnerstag, September 11, 2003
Nineelven: Do it yourselve


by






Nineeleven: Don’t do it yourselve

Es war schon bemerkenswert, was für Propaganda da als Journalismus verkauft wurde, vor allem im Herbst 2002. Und nur diese Zeit ist relevant, denn am 11. Oktober erteilte der US-Kongress dem Präsidenten die Vollmacht für den Krieg. Alles, was sich jetzt als Lüge herausstellt, wurde zu der Zeit als Fakt präsentiert. Niemand kann behaupten, dass die amerikanische Presse als Kontrollinstanz der Macht funktioniert hat. In der "New York Times" und der "Washington Post" wurde für den Irakkrieg regelrecht geworben. Nicht auf den Kommentarseiten, sondern im Nachrichtenteil der Zeitungen.
[aus einem taz-Interview mit dem amerikanischen Journalisten John R. MacArthur]





Unkontrollierte Weblogs: Angst und Gefahr

Ann Moore, Chefin des US-Großverlages „Time“ sieht „in der Verbreitung unkontrollierter Medien an Orten wie dem Web“ eine größere Gefahr, als in der derzeitigen Konzentration der Medienindustrie. „Die (unkontrollierten Medien) machen mir mehr Angst als alles andere“, sagte Moore auf der von „Fortune“ und dem Aspen Institut geförderten „Brainstorm Conference“, von der das Wirtschaftsblatt Auszüge veröffentlichte. Mit „unkontrollierten Medien im Web“ werden in den USA von konservativen Kräften inzwischen Weblogs und andere unabhängige Quellen bezeichnet, von denen es inzwischen zahllose gibt.
[aus der Netzeitung]





Kommen wir zum Sport
Heute: Völlerei für alle

„Nicht immer ist man in Hochform“, zirbte solidarisch der legendäre Mime Otto Schily. „Diese Häme“, fiel der Hofschauspieler Edmund Stoiber ein, „muss ein Ende haben“. Aber genau! Das Funkenmariechen Peter Struck schlachtenbummelte am Montag durchs n-tv-Studio und grölte: „Es gibt nur ein’ Rudi Völler“. Das Publikum, von seiner Regierung sonst wenig verwöhnt, fiel begeistert ein. Haut ’se, haut ’se . . .! Der Beste war wie stets der Kanzler: „Wenn ich könnte und dürfte, wie ich gelegentlich mal wollte, dann würden wir uns alle freuen.“
[aus der SZ]




Nachtrag

Good bye, Leni.




Dienstag, September 09, 2003
Weit weg

F.: Ihren eigenen Sender, den WDR, haben Sie nie [hinsichtlich Stasi-Aktivitäten] überprüfen lassen?

A.: Nein, Nordrhein-Westfalen war doch ziemlich weit weg von der DDR.

[WDR-Intendant Fritz Pleitgen in einem Interview des "Tagesspiegel"]





Lao: Gewaltig und andersartig

Yuehan Neisi . Lao. Lautet die chinesische Übersetzung von Johannes Rau. Der Bundespräsi wird am Mittwoch zum Staatsbesuch in China erwartet und ist derzeit der angesagteste Coverboy in der Volksrepublik.

Sie [die chinesische Illustrierte "Weltwissen"] vergisst natürlich nicht auf seine Herkunft aus dem besonderen Wuppertal zu verweisen. Schließlich war das die Heimatstadt Friedrich Engels, einer der "Begründer der proletarischen Revolution."
[...] "Deutschland hat ein besonderes Image" lobt die Zeitschrift "Arena" dick auf ihrem Titel und nennt dazu in deutscher und chinesischer Sprache charakterisierende Adjektive wie "vernünftig, beharrlich, charmant, eisern, gewaltig und andersartig". Thema der neuesten "Arena"-Ausgabe: 40 Jahren Bundesliga.

[Quelle: "Welt"]





Sonntag, September 07, 2003
In Memoriam Karlrobert Kreiten

Heute vor 60 Jahren, am 07.09.1943, ermordete die Nazi-Justiz Karlrobert Kreiten. Der in Bonn geborene Kreiten galt als einer der begabtesten Pianisten seiner Generation. Claudio Arrau, dessen Schüler Kreiten war, meinte nach dem Krieg: "Kreiten war eines der größten Klaviertalente, die mir begegnet sind." Doch 1943 vertraute der 27jährige Kreiten einer Bekannten an, er halte den "Krieg praktisch für verloren" und fürchte den "vollständigen Untergang" Deutschlands. Dann gings schnell: Denunziert, verhaftet, vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler "wegen Wehrkraftzersetzung" zum Tode verurteilt, gehängt.

Am 20.09.43 erschienen in der Berliner Zeitung "12 Uhr Blatt" dazu folgende Durchhalteparolen:

Wie unnachsichtig jedoch mit einem Künstler verfahren wird, der statt Glauben Zweifel, statt Zuversicht Verleumdung und statt Haltung Verzweiflung stiftet, ging aus einer Meldung der letzten Tage hervor, die von der strengen Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers berichtete. Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen. Das Volk fordert vielmehr, daß gerade der Künstler mit seiner verfeinerten Sensibilität und seiner weithin wirkenden Autorität so ehrlich und tapfer seine Pflicht tut, wie jeder seiner unbekannten Kameraden aus anderen Gebieten der Arbeit. Denn gerade Prominenz verpflichtet!

Der Autor dieser widerlichen Zeilen machte später in der BRD eine große Medien-Karriere und erhielt 1973 das Bundesverdienstkreuz: Werner Höfer, Fernseh-Direktor beim WDR und bis 1987 Moderator der Sendung "Internationaler Frühschoppen".

Weitergehende Informationen: fkoester





Tchibo-Literatur-Vertreter

Was maßt sich dieses hysterische Rolltreppendickerchen an, dieser Tchibo-Literatur-Vertreter ? Der soll mit seinen 30 000 Zuschauern unter sich bleiben. Dann kann er denen immer wieder neu vorführen, wie klug er ist.
[Elke Heidenreich über Denis Scheck. Quelle: FR]





Ruuudi

Bester TV-Auftritt seit Trappatonis "Flasche-leer-Rede": Rudi Völler, Teamchef der DFB-Auswahl, die sich gestern Abend ein 0:0 beim vielfachen Weltmeister Island erkämpfen konnte. Rudi zu "Waldi" Hartmann: "Jaja, Du kannst gut reden, nachdem Du vorher drei Weizen gekippt hast, sitzt Du hier locker auf dem Stuhl". Nur für solche Auftritte lohnt es sich auch weiterhin, Spiele der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.





Freitag, September 05, 2003
Rubrik: Duce-News
Heute: Silvios kleine Richter- und Rassenkunde

Um diesen Beruf auszuüben, muss man geistig verwirrt sein, man braucht psychische Störungen. [...] Wenn sie diesen Beruf ausüben, dann deshalb, weil sie anthropologisch anders als der Rest der menschlichen Rasse sind.

[Silvio Berlusconi über den Beruf des Richters. Quelle: Spiegel]








Donnerstag, September 04, 2003
Rheinkultur

RTL-Praktikantinnen gründen öffentlich und unbeeindruckt von der Dürre mono-disziplinäre Du-und-Ich-AGs mit genitalpanischen Leiharbeitern, bis kein Stein unter dem anderen bleibt. Was die nordrhein-westfälische SPD tut, nennt der Rheinländer noch immer Politik.
[...]
Schließlich ist der Rheinländer genuin expansiv disponiert. Seine Bonner Ultras sind schon nach Berlin umgezogen, die Popkomm bald dito. Und seine Lautsprecher Wolfgang Niedecken, Britta von Lojewski und Dieter Gorny sind nach wie vor auf freiem Fuß.
[die FR erklärt das Rheinland]





Emerging Alternatives?

All the newspapers looked the same — same format, same fonts, same columns complaining about the local daily, same sex advice, same five-thousand-word hole for the cover story. The people were largely the same, too: all but maybe 2 percent of the city-slicker journalists in attendance were white; the vast majority were either Boomer hippies or Gen X slackers. Several asked me the exact same question with the same suspicious looks on their faces: "So . . . what's your alternative experience?"
[…]
But there still exists a publishing format that manages to embody all these lost qualities, and more — the Weblog.
[From "Emerging Alternatives: Blogworld" by cjr]





Rubrik: Eherne Regeln

Im Journalismus gibt es viele Absprachen und Regeln. Eine davon scheint zu sein, dass man den Namen der Person, um die es gerade geht, erst dann ein zweites Mal erwähnen darf, wenn man zwischendurch mindestens zwei Synonyme verwendet hat. Dies gilt besonders im Sport.
[aus einem Spiegelbeitrag über die "Sucht nach Synonymen"]





Rubrik: Konjunktur

Gute Nachrichten für den irakischen Gebrauchtwagenmarkt:
Es gibt jetzt einen polnischen Sektor.
[Quelle: Washington Times]





Rubrik: Wissenschaft, die begeistert

Untersuchungsziel: Wie schwer ist eine Kumulus-Wolke?
Ergebnis: 100 Elefanten.
[Quelle: ABCNews]










Rubrik: Interessante Urteile

Die Tat: Shayne Marie Capo, 30, baut einem Unfall. Besoffen. Beifahrer tot.
Das Urteil: An jedem 28. November (Jahrestag des Unfalls) der nächsten zehn Jahre wird sie verhaftet und muss einen Tag hinter Gittern verbringen.
[Quelle: Sun-Sentinel]





Mittwoch, September 03, 2003
Generalisten der Beliebigkeit

Kulturzeitschriften waren wie die Intellektuellen einmal Spezialisten für das Allgemeine; heute sind sie oft nur noch Generalisten der Beliebigkeit, immer in Gefahr, von Medien verdrängt zu werden, die professioneller, schneller und präziser auf Zielgruppen und ihre spezifischen Bedürfnisse reagieren können.
[der Schweizer "Tagesanzeiger" zur "Krise der Kulturzeitschriften"]





Die Schlagzeile ist der Souverän

Die Wirklichkeit wird zunehmend zum Zerrspiegel der wundersamen "Bild"-Welt. "Bild" fordert: Steuern runter! Was macht der Kanzler? Ebendies. "Bild" fordert von Italien: Weg mit diesem Staatssekretär Stefani! Was passiert? Ebenjenes. "Bild" fordert von Andy Möller: Rette die Eintracht! Was tut er? Er versucht es wenigstens. Zufall? Mitnichten.
[die FR deckt die Geheimpläne der "BILD"-Zeitung auf.]





Dienstag, September 02, 2003
Gut fürs Ego

Wie das 'Online Journalism Review' ("OJR") berichtet, nutzten US-Journalisten inzwischen amerikanische Weblog-Indizes wie Blogdex, Daypop, Popdex oder Technorati, um zu sehen, wie eine Geschichte in der "Blogosphere" ankommt. In den Indizes werden Netzgeschichten nach Anzahl der auf sie gelegten Links gewichtet - was von vielen Bloggern in ihren Weblogs erwähnt wird, erscheint ganz oben. "Das ist gut fürs Ego der Journalisten", so "OJR".
[aus einem Beitrag der netzeitung]





Künstler

Wer schon mal ein Buch gelesen hat und nicht malt oder bildhauert, also etwa 95 von 100 Biennale- und documenta-Teilnehmern, heißt heute "Konzeptkünstler".
[DiDi in der taz]




Cut man

Magician Blaine drenches press in blood
Schlagzeile bei Yahoo





Montag, September 01, 2003
NEON statt Marie

Das Eigentlich-sollten-wir-erwachsen-werden-Magazin NEON hat es geschafft: Ab 2004 kommts monatlich. G+J-Zeitschriftenvorstand Rolf Wickmann: "Ein neues Magazin vom STERN für eine junge, gebildete, motivierte Leserschaft, die nach Orientierung sucht und ihren Weg machen wird."

Nicht geschafft hat es die deutsche Ausgabe von Marie Claire. Die Ausgabe 10/2003 wird die letzte sein. Hat wahrscheinlich der jungen, gebildeten, motivierten Leserschaft nicht genug Orientierung geboten.
[Quellen: ots & ots]





Medienkasper

Publizistische Vielfalt wird demnächst also dadurch gesichert, dass sich die WAZ-Gruppen, Holtzbrincks und Springers dieser Republik kleinere Zeitungshäuser einverleiben? Dass glaubt nicht mal die SPD. Für sie geht es um ein möglichst gutes Verhältnis der Verlage zu ihrem Medienkanzler.
[die taz über die anstehende Liberalisierung der Pressefusionskontrolle im Rahmen der Novellierung des Kartellrechts im kommenden Herbst]





Erkenntnisse

Die Bildschirme werden immer flacher.
Die Programme aber auch.
[Runing Gag auf der diesjährigen IFA]




TV-Bildung

Natürlich gucke ich Nachrichten und die anderen Talkshows. Am liebsten nutze ich das Fernsehen zur Unterhaltung. "Wolffs Revier" mag ich sehr und, na ja, Krankenhausserien.
[Die ehemalige Gesundheitsministerin Andrea Fischer in einem Interview mit dem tsp]





Zuagroaste

Hiesige Blätter nutzen diese Lage oft zu Jammerartikeln darüber, dass die Bevölkerung zwar zunehme, dass aber die Bayern selbst, als Ethnie, ausstürben. Um noch einmal der Abendzeitung zu lauschen: "Auweh – immer mehr Zuagroaste!"
[aus der SZ]