MEDIEN-KONTOR:NOTIZEN  
MUCH NOTHING ABOUT ADO
Notizen


Donnerstag, Januar 29, 2004
Rekord

Einen nationalen Rekord hält seit neuestem die Zeitschrift "Das Neue Blatt" (die große Unterhaltende Frauenzeitschrift). Das Heft aus dem Bauer-Verlag muss in seiner aktuellen Ausgabe in zwölf (!) Fällen einen Widerruf auf dem Titel drucken. Hat auch Vorteile: Das Heft macht sich quasi selbst.




Die Spracherfindungsbehörde

Institutionell aber werden die Konsequenzen noch gravierender sein: stimmen die Amtschefs zu, dann wird in Zukunft allein die Kommission [Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung] über Änderungen der Rechtschreibung entscheiden. [...] Ein obskurer Kader, dessen Qualifikationen und Rekrutierungsregeln undurchschaubar sind, möchte sich selbständig machen, als bräuchte dieses Land eine Sonderbehörde für Rechtschreibung mit nahezu geheimdienstlichen Kompetenzen.
[aus einem SZ-Bericht über die nächste Rechtschreibreform]




Mittwoch, Januar 28, 2004
Brain Up

Man muss ja schon Brain Down sein, wenn man einen Qualifizierungswettbewerb für Universitäten Brain Up nennt. Obwohl, wenn ich es so recht überlege, ist ein solcher Begriff doch auch ein schöner Beleg dafür, dass eine Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär auch in D-Land noch möglich ist. Zumindest Frau Edelgard Bulmahn ist ja offensichtlich ohne Deutsch oder Englischkenntnisse Wissenschaftsministerin geworden. Also Hut ab und Brain up.




Rubrik: Duce-News
Heute: L'anomalo bicefalo

Ganz verhindern konnte der Berlusconi-Freund und Senator Marcello Dell'Utri die Ausstrahlung des satirischen Theaterstücks "L'anomalo bicefalo" (Der anomale Doppelkopf) des italienischen Literaturnobelpreisträgers Dario Fo zwar nicht, aber nach der Androhung (weiterer) juristischer Schritte verzichtete der Sattelitenkanal Planet bei der Ausstrahlung auf eine Kleinigkeit: Den Ton.
[Quelle: Der Standard]



Rubrik: Duce News
Heute: Methodik

Fernsehen geht auf diese Weise vor: Wenn man ein Gesetz diskutiert, stellt man es vor und gibt das Wort dann sofort der Opposition. Darauf folgen die Unterstützer der Regierung, die die Einwände widerlegen. Das überzeugende Ergebnis ist voraussehbar: Recht hat, wer zuletzt spricht.
[Umberto Eco in der SZ über die Vorgehensweise des Berlusconi-kontrollierten TVs in Italien]




Pegelstände

News-O-Meter, bescheuerter Name, aber interessant: Nachrichten-Pegelstände der österreichischen Nachrichtenagentur APA.




Sonntag, Januar 25, 2004
Helmut Newton

Paris wurde mein Paradies, aber das dauerte. [...] Für ein Foto kriegte man damals höchstens 40 Dollar. Wir lebten in Löchern, rauchten wie die Schlote, tranken den grauenvollen "Vin de Postillon" für einen Franc pro Liter und hockten nächtelang in den Bars. [...] Den Porsche hab' ich trotzdem nicht hergegeben.

Meine Freunde und ich wollten Spaß. Wir hatten alle Mädels, die sexuell sehr empfänglich waren, nicht etwa Nutten, sondern, wie meine Mutter sagte, aus gutem Stall. Ficken und fotografieren, das war damals meine Devise. Ich wollte ein rasender Reporter werden - ein Egon Erwin Kisch der Fotografie.

[Helmut Newton 1920-2004]



Balin, sonst nüscht

In einem Gastbeitrag für den "Tagesspiegel" klagt der Hauptstadt-Chef [ Klaus Wowereit]: "Wir sind noch nicht so selbstverständlich Hauptstadt wie das London, Paris, Prag oder Moskau für ihre Länder sind." Beleidigt verweist der Bürgermeister darauf, dass München Berlin die Eröffnungsfeier der Fußball-WM streitig machen will. "Das hätte Marseille mit Paris nie gemacht." Die Deutschen hätten einfach noch "Defizite im Hauptstadtbewusstsein".
[Quelle: Spiegel]




Dienstag, Januar 20, 2004
Neuer Konservatismus?

Deshalb sind die Meisterwerke der Musikgeschichte ohne Ausnahme auch radikale Stücke – die harmlosen wurden alle vergessen. Und wer solche Werke auslegt, muss ebenfalls ein Radikaler sein. Daran wird auch der neue Konservatismus nichts ändern können.
[aus einem SZ-Beitrag. Interessante Reihe in der heutigen Ausgabe um die Frage, ob sich die Elite-Diskussion bereits in der Kunst widerspiegelt.
Wobei allerdings die Ausgangsstellung der Frage bereits verquert ist: Den Innovationen, Visionen und Reformen, die im Kanzleramt ausgerufen werden, scheinen Restauration und Tradition als gesellschaftliche Sehnsüchte zu antworten. Doch müsste sich diese Beobachtung im Reich der Ästhetik nachweisen lassen – gibt es also einen neuen Konservatismus der Künste? [SZ] Warum die unsinnige Gleichsetzung bzw. Beantwortung einer Forderung nach "Elite" (mein Unwort des Jahres, ohnehin), mit bzw. durch restaurative Werte?

btw.: Übrigens besonders lachhaft, dass ausgerechnet die Partei, die der Gesellschaft die Nivellierungsfabriken Gesamtschule und Gesamthochschule aufs Auge drückte, sich nunmehr von den Produkten und Folgen dieser Anstalten besonders klar abgrenzen möchte.




Campaign coverage

campaigndesk - Critique and analysis of 2004 campaign coverage from Columbia Journalism Review (cjr)




Rubrik: Die tägliche Betroffenheit

Die in der Sendung mitwirkenden Menschen hätten immerhin eine gewisse Entscheidungsfreiheit, so Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Tierschutzbundes. Die Spinnen, Käfer und Kakerlaken jedoch nicht, "die sind gezwungen worden, mitzuspielen".
[aus einem Spiegel-Beitrag zur RTL-Dschungelshow "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!"]




Montag, Januar 19, 2004
Preise

Die "Bloggies" werden mal wieder vergeben.
Wir sind nominiert in der Rubrik: Bester-Katzenphotos&Kochrezepte-Blog.
Werden wir es diesmal schaffen?



Rubrik: Phrasologie

Satz des Jahres 2003 in der deutschsprachigen Schweiz:
Wählt Blocher! Er hat diese Strafe verdient.
Satz des Jahres 2003 in Lichtenstein:
Lichtenstein ist wieder nach Wien, fast, heimgekehrt.
Wort des Jahres 2003 in Österreich:
Hacklerregelung




75B: Die griechische Sickergrube

Wie diese Mariella "die Ahrens" Ahrens (75B), die ihre dicken Dudeln (vielleicht demnächst blank in Ihrem Männermagazin), ja nicht umsonst dauernd in die Botanik hängt. Wer hat der eigentlich erlaubt, Schauspielerin zu werden? Susan Stahnke (75B) darf das schließlich auch nicht. Die darf ja überhaupt nichts mehr.

Dürfen darf der schon noch, nur können kann er nicht mehr: Costa Cordalis (75B) verdaut immer noch den Hirschkäfer (75B), wie es scheint, und ist damit völlig überlastet. Das erklärt einige seiner Äußerungen, wenn auch die wenigsten: Als die blitz-gescheite Caroline Beil (75B) vollgeschmiert aus dem Straußenkäfig kam, fand das die hoch dotierte Schlagerfrisur "ziemlich sexy". Das könnte allerdings auch an den sieben hoch sieben Fässern Wein liegen, die er in seinem Leben schon niedergemacht haben muss, die griechische Sickergrube (Der Wein von Samos, Komm wir feiern, Partykönig, A la Fiesta, Party 2000, Auf 'ne Party geh'n, Wir woll'n heute feiern, Blauer Planet).

[aus der FR]



Donnerstag, Januar 15, 2004
Elite, light

Elite gibt es in Deutschland massenhaft. Das ist ja ihr Problem.
[Michel Naumann in der "Zeit" zur aktuellen Elite-Diskussion.]




Mittwoch, Januar 14, 2004
Zahlenaussprechsystem-Reform

Die deutsche Schüler hätten es so schwer, sagt Lothar Gerritzen, Professor für Mathematik in Bochum. Denn sie müssen so schwere Sachen aussprechen können, wie z. B. das vertrackte Wort "einundzwanzig" (falls Sie Schüler sind und Schwierigkeiten mit diesem Wort haben: 21). Daher seien deutsche Schüler international benachteiligt. "Unser Sprachgebrauch muss sich um die unverdrehte Variante erweitern", fordert der Wissenschaftler, "es sollte möglich sein, zum Beispiel im Unterricht das englische 'twentyone' einfach in 'zwanzigeins' zu übersetzen."
Damit im Reformhaus Deutschland auch endlich dieses große und drängende Problem angepackt wird, veranstaltet die Ruhr-Uni Bochum am 19. Januar ein Kolloquium unter dem Titel "Das deutsche Zahlenaussprechsystem".

Wie praktisch diese gut durchdachten Vereinfachungsvorschläge sind, wird an einem einfachen Beispiel sehr schnell deutlich. Nehmen wir das komplizierte und kaum aussprechbare Wort "Hundertachtzehn" (falls Sie Schüler sind: 118). Nach der Zahlenaussprechsystem-Reform kann man auch vereinfacht sagen: "Hundertundzehnundfünfunddreimaldieeins". Einleuchtend.
[Quelle: Spiegel]




Das OKW gibt bekannt:

Luftwaffe verliert 500 Flugzeuge
[Überschrift Spiegel-Online]

Bundeswehr verliert 30.000 Mann
[Ticker Bild-Online]

Trotz der schweren Verluste gab sich Verteidigungsminister Peter Struck laut Spiegel gelassen: Mögliches Einsatzgebiet für die Bundeswehr ist die ganze Welt!





Rubrik: Föjjetong

Artist turns animals into everyday objects:


[via ananova]





Mix it, Baby

Naja: 'Click'

Okay: 'Click'

Hit: 'Click'


[via Mixmaster]



Dienstag, Januar 13, 2004
Wahrgenommenwerdung, letztliche

Wir können wegkürzen, bleibt:
Mein Haus.
Mein Auto.
Meine Yacht.
Oder?




D-Kultur

Schwer zu sagen, was ich wirklich erwartet habe, als ich den link "Kulturportal Deutschland" anklickte. Aber sicherlich nicht: Es begrüßt sie herzlich die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Dr. Christina Weiss [...] Neuigkeiten: Zweiter Teil der Agenda 2010: die Innovationsoffensive.




Bemerkenswert talentfrei

Zwar hat es die Form des digitalen Journals unter der gräßlichen Bezeichnung "Blog" zum Internet-Hype der vergangenen zwei Jahre geschafft, aber gerade angesichts der unüberschaubaren Schar gelegentlich bemerkenswert talentfreier Chronisten scheint es den professionellen Autoren im Netz die Sprache zu verschlagen. [...] Solange man mit einem gedruckten Buch selbst in Kleinstauflage immer noch mehr Eindruck machen kann als mit einer wie gut auch immer besuchten Website, so lange müssen die Verlage keine größeren Abwanderungsströme ins Netz befürchten.
[aus dem FAZ-Beitrag "Invasion der Blogger"]




Montag, Januar 12, 2004
Schillerndes


Hingehen wo der Pfeffer wächst soll Rechtspopulist Ronald Schill, und zwar spätestens nach der Hamburg-Wahl am 29.2. Deshalb hat die Hamburger SPD ihm für den 1. März um 7.10 h schon mal einen Flug nach Madagaskar gebucht. Ohne Rückflug, versteht sich.


[Quelle: rp online]




Motallebi released

Call them self-referential. Call them elitist. Call them blowhards. Call bloggers whatever you want, but you can't deny that they can make a difference, especially when they band together for a serious cause. In the case of jailed journalist/blogger Sina Motallebi, the Iranian and American blogospheres came together to get publicity and thousands of signatures on an online petition. The result? Motallebi, 30, was released after 23 days in prison and recently left Iran for Europe.
[Quelle: ojr, btw. the Iranian vice president for parliamentary legal affairs, Mohammad Ali Abtahi, now writes a Persian-language blog and an English Blog]




Omnipräsenz: Peter vor Guido

Gegen Peter Scholl-Latour hatten im vergangenen Jahr selbst Politiker keine Chance. Wenn sich Guido Westerwelle und die anderen üblichen Verdächtigen in eine Talkshow begaben, konnten sie sicher sein: Scholl-Latour war schon da. Ganze 24mal folgte er den Einladungen von Christiansen und Co. Auch FDP-Chef Guido Westerwelle – sonst Spitzenreiter in Sachen Medienpräsenz – hinkt mit 17 Auftritten hinterher.
[Quelle: Tagesspiegel]




KatharsisTVPrangerei

Das öffentliche Vorsingen und Abstrafen hat für das Publikum eine Funktion vergleichbar mit dem Spektakel des Anprangerns im Mittelalter. Das Publikum ereifert sich an den Qualen und freut sich über Begnadigungen. Wer dieses seltsame Spiel übersteht, gilt als Held – wenigstens bis zur nächsten Sendung.
[aus einem SZ-Beitrag über Medienopfer]




Beagle, bitte melden

In der Nacht zum Montag um circa 2:02 UTC steigt noch einmal die Chance für die europäische Marssonde Mars Express, den Landeroboter Beagle 2 auf seinem einsamen Posten auf der Marsoberfläche zu entdecken. Eine Änderung im Steuerungsprogramm des Roboters soll dann dessen Sender auf Dauersignal umstellen.
[via Heise]





Mittwoch, Januar 07, 2004
Die CSU als Trotzkisten-Partei?

CSU setzt auf die permanente Reform
[Überschrift im Spiegel]




Dienstag, Januar 06, 2004
Visagistentexte

Schlichte Selbstsucht muss der Grund dafür gewesen sein, dass Chefredakteure einst damit begannen, sich per Passfoto und nicht bloß durch staatsmännisches Gerede wichtig zu machen. Hinzu kam wohl die Auffassung, die "persönliche Note", die ein ausgesucht freundliches Antlitz verbreiten soll, verstärke die Glaubwürdigkeit dessen, was unten drunter in der Regel an blasiertem, banalem und blamablem Zeug aufgeschäumt wird.
[aus einem FR-Beitrag über die Unmode, Editorials von Zeitschriften mit Passphotos von Chefredakteuren zu beflastern.]




Gescheiterter Selbstironieversuch

Glaubt man den Todesanzeigen der "FAZ", so ist der Mainzer Professor Dethard von Winterfeld vor kurzem verstorben. Er selbst sieht das ganz anders und erschien am Freitag pünktlich zum Dienst – quasi als Beweis. Die Anzeige war zu Silvester im Namen der Ehefrau und der Angehörigen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erschienen. Am Freitag druckte die "FAZ" einen Widerruf. Die Todesanzeige "entspricht glücklicherweise nicht den Tatsachen und ist das Werk einer geschmacklosen Betrügerin", hieß es darin.

Der "Fall" wurde von der „BILD“-Zeitung aufgenommen, deren Beitrag die "taz" wiederum folgend kommentierte: "Morgens beim Frühstück erfuhr der berühmte Professor von seinem Tod" hieß es dort [gem. ist die "BILD"] am Samstag bedröppelt und dann wörtlich: "Bild sprach zuerst mit dem 'Toten' ". Ja, wirklich! Man sieht die Bild-Autoren "D. Jurko und P. May" vor sich, wie sie sich wegschmeißen vor Lachen, als er ihnen einfällt, der Satz, wie sie ihn für selbstironisch halten und sich nicht verkneifen können, ihn hinzuschreiben.