| MEDIEN-KONTOR:NOTIZEN |
| So you want to write a fugue? |
Notizen |
Dienstag, April 27, 2004
Ja, von Liebe erfüllt In Maranello wurde die schönste italienisch-deutsche Verbindung aller Zeiten geschaffen, in der alles von Harmonie, ja von Liebe erfüllt ist. So als liebte eine Wiedergeburt von Marcello Mastroianni Claudia Schiffer oder eine Nichte von Marlene Dietrich. ["La Gazzetta dello Sport" über Michael Schumacher und Ferrari.]
Rubrik: Law and Order ![]() Das Museum MARTa Herford beschallt derzeit im Rahmen einer Kunstaktion die Herfoder Innenstadt mit Tarzangebrüll. Gleich hagelte es Beschwerden der christlichen Radfahrt: Es sei auf Grund des Geschreis schon zu Beinah-Zusammenstößen gekommen. Sofort wurde das Ordnungsamt tätig: Zwar jodelt der Ur-Tarzan Johnny Weißmüller immer noch durch das westfälische Städtchen - doch warnt jetzt ein rotgerahmtes Dreieck mit einem dicken Rufzeichen die Verkehrsteilnehmer vor dem exotischen Lärm: "Laute Tarzanrufe 10.30 bis 16.30 Uhr". Freitag, April 23, 2004
Wir tun nur unsere Pflicht und sorgen uns um die Moral der Gesellschaft Interessant an der Geschichte ist besonders der Punkt, wie die Redaktionen ihre Eingriffe in die Privatsphäre gegen aussen legitimieren. Das Recht auf Persönlichkeitsschutz, so lautet die Regel der Branche, darf nur dann verletzt werden, wenn eine Privatsache von hohem öffentlichem Interesse ist. Man muss eine private Enthüllung also zum Staatsinteresse hochföhnen. «Bis heute wurde Beckham als Vorbild eines Ehemanns und Vaters betrachtet», schrieb etwa die Mail on Sunday scheinheilig, die Öffentlichkeit habe also so etwas wie ihre moralische Stütze verloren und es sei quasi kummervolle Pflicht der Journalisten, nun für Transparenz zu sorgen. [aus einem Stück der Schweizer Weltwoche über die ruhmreichen Beiträge des britischen Boulevardjournalismus' zur Wahrung der öffentlichen Moral anhand der Frage: Hat Beckham fremdgevögelt oder nicht.]
Rubrik: Der wackere Saarländer Die Landesmedienanstalt Saarland (LMS) startet heute das von ihr initiierte Internet-Portal namens programmbeschwerde, bei dem sich empörte/betroffene/kritische/besserwissende Zuschauer über die Qualität von Fernsehsendungen beschweren können. Möglichst über Sendungen des Privat-TVs, wohlgemerkt.
You are welcome, too Der Herausgeber des Boulevardblattes "Daily Express" habe bei einem Treffen mit "Telegraph"-Managern alle Deutschen als "Nazis" bezeichnet, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Zeugen. Den "Telegraph"-Chefredakteur Jeremy Deedes habe Desmond [Richard Desmond, Herausgeber des Boulevardblatts "Daily Express"] als "miserables Stück Scheiße" bezeichnet und ihn gefragt, wie es ihm gefalle, von Nazis übernommen zu werden. Das Treffen sei dann abgebrochen worden. [Quelle: Spiegel]
Bei Können: Glättung Doch, Schreiben kann man lernen - in dem vom angeborenen (?) Talent begrenzten Masse; und nicht gefordertes, sondern lediglich gefördertes Talent begnügt sich vielleicht mit dem Gefälligen. Nur wenn Lehrer sich bedroht fühlen sollten von der Konkurrenz, die sie - gegen Gehalt und die eigene begrenzte Lebens-, also Schreibzeit - «an ihrem Busen nähren» wie die sagenhafte «Schlange», werden sie ihre ach so geringe und flüchtige Macht daransetzen, Sätze glätten, Eigenheiten abschleifen zu wollen, auf dass bloss noch Texte entstehen mögen, die technisch nicht zu beanstanden sind, Leser und erst recht schreibende Leser aber völlig kalt lassen. [Die 'Diplomschriftstellerin' Katja Lange-Müller in der nzz über ihre Erfahrungen mit dem Leipziger Literaturinstitut.] Freitag, April 16, 2004
Der 'Spiegel' klärt auf Öffnet beispielsweise die Frau ihre Beine, ist dies ein Hinweis für ihre Flirtbereitschaft. [aus einem Spiegel-Beitrag über 'Balzseminare'. Auch so ein Thema, das seit zehn Jahren schon abgefrühstückt ist, aber in jedem Frühling garantiert wieder hochgewürgt wird.] Dienstag, April 13, 2004
Die Experten Gestern vor fuzzig Jahren wurde also der Rock'n'Roll erfunden. Berichteten gestern jedenfalls unisono alle Nachrichtendummschwatzsendungen des deutschen Fernsehens. 'Erfunden', so aus dem Nix heraus, quasi als musikgöttliche Eingebung. Die 50er Jahre Reinkarnation des Weltgeistes. Schnipp-Schnapp mit den Fingern und dann sagte Bill Haley zu seinen Cometen: "Heute machen wir mal was anderes. Öhhmm, wir wäre es mit Rock’n’Roll? Schubbidubbidab." So wurde der Rock'n'Roll 'erfunden'. Jedenfalls nach deutschen TV-Sprech. Das kluge ZDF brauchte für diese sensationellen Enthüllungen einen eigenen Experten, da man selbst ja eher auf sogenannte Volksmusikalische Unterhaltung für die Zielgruppe der über 80jährigen spezialisiert ist. So ernannte dann das 'heute Journal' in der 19Uhr-Ausstrahlung das Kölner Gesamtkunstwerk Wolfgang Niedecken zum Rock'n'Roll-Experten. Ausgerechnet. Ohnehin tummeln sich derzeit so viele Experten im TV, wie es Themen gibt. Oh, das stimmt nicht ganz, da bestimmte Experten so vielseitig sind, dass sie auch als Experten für mehrere Themenbereiche eingesetzt werden. Man nennt diese Experten auch 'generelle Experten', Generalisten des Expertentums – Wissensfüllervortäuscher der Sendeanstalten. In der Not kann auch der Redaktionsvolontär den Expertendarsteller geben, wer kann - oder will - schon überprüfen, wo z.B. ein 'Experte für auf dem Friedhof geschändete PET-Verpackungen' seine Qualifikationen hernimmt. Oder die ganzen Terror-Experten, nicht etwa Terrorbekämpfungs-Experten, nein Terror-Experten. Sind das alles ehemalige RAF-Mitglieder? Letztendlich kann ja nur der Terrorist als wirklicher Experte des Terrors gelten. Was aber wirklich fehlt ist der Meta-Experte. Der Experte für den Experten. Quasi der 'Film Film' unter den Experten. Ist aber nur eine Zeitfrage.
Die Üblichen Leichter hingegen haben es die Sendungen, die von einem wichtigen Thema zehren, eine Botschaft verkünden oder einfach gut gemeint sind. Sie müssen handwerklich schon arge Schnitzer aufweisen, um nicht in die engere Wahl zu kommen. Fast jedes Jahr schafft es so ein Dokumentar- oder Kulturfeature, ausgezeichnet zu werden, bei dem sich jeder, der es sah, laut fragt, ob es das wirklich wert war. [der Freitag über die Grimme-Preisverleihung.]
Die Sport Das nenn ich mutig: Eine neue Tageszeitung zu gründen, die als Schwerpunkt Sport hat. Warum das mutig sein soll? Weil es eine österreichische Zeitung ist und Österreichs Beiträge zum internationalen Spitzensport ja doch so überschaubar sind, dass man schon ein guter Zeilenbreittreter sein muss, um damit täglich eine Zeitung zu füllen. Oder verstehe ich da was falsch? Nicht verstanden habe ich – wahrscheinlich mangels Fingerspitzengefühl für die Feinheiten der austrogermanischen Wortwitzigkeit – den Titel des neuen Blatts: "Die Sport". Geht am 07. Juni an den Start. [mehr in Der Standard] Mittwoch, April 07, 2004
Verleser ... ... eben im Plus-Penner-Markt: 'Billig wie ich!', war aber nach dreimaligem ungläubigen Lesens: 'Billig will ich!'
Unzuständig bis gefährlich BZ: Müsste man das Führen der Berufsbezeichnung Journalist an bestimmte Voraussetzungen binden? WS: Ich weiß nicht, wer das organisieren sollte. Die Kultusbürokratie bitte nicht. Genauso wenig wie die Professoren der Journalistik und Publizistik. Beide halte ich für unzuständig bis gefährlich. [Wolf Schneider in einem Interview der BZ] Dienstag, April 06, 2004
Der Knoop-Schocker: Hitler, alles nur erfunden? Einem Bericht des Spiegels zufolge – der wiederum auf einer Umfrage des "Independent" beruht – glauben elf Prozent aller Briten, dass Adolf Hitler lediglich eine Erfindung war. An der Existenz Winston Churchills zweifeln neun Prozent, an der des italienischen Diktators Benito Mussolini sogar 33 Prozent. Gut, wie das mit Churchill und Mussolini war, weiß ich auch nicht so genau, aber Adolf Hitlers Existenz kann ich belegen – schließlich habe ich ihn letztes Jahr erst in Paraguay gesehen. Er lebt dort in einer WG – zusammen mit Elvis Presley und John Lennon. Montag, April 05, 2004
Wohltemperiert Der Keirsey Temperament Test: Your Temperament is Rational : NT Your variant temperament is Fieldmarshal : ENTJ So ein Typ wie Bill Gates oder Margaret Thatcher ? Ich ? What the fuck ? Aber: Rationals are very infrequent, comprising as few as 5% and no more than 7% of the population. Samstag, April 03, 2004
Cicero & kurz darüber genervt zu sein, jedes neue Magazin erstausgablich kaufen zu müssen & dann ne' klassische Blattkritik machen zu müssen & kurzer Ekelschub über das Wort 'klassische Blattkritik', dann doch wieder erleichtert, klingt es doch auf so ne familiäre Art bodenständig, heute gibs bestimmt noch ein tolleres Wort so 'Brainstorm-Criticism-Meeting-Talk' oder so & dann festgestellt, dass es den Jungs vom 'Spiegel' genauso geht & dass deren Blattkritik genauso zwanghaft negativ ist, wie die eigene. Wie mies. & wie immer zu schnell die Schublade auf & zu & auf & zu& schnell das Label drauf: Modekacke, Lifestylescheiße, Lesedenkanfänger, Leitartikleronanie. & immer auf das Neue hoffen & das dann mies machen. Reflexartig & dann weiter hoffen, dem aber keine Chance geben, da Hoffen doch besser ist als Reales. Bleibt immer die Hintertür. & dann der kurze Flash vom Jungengymnasium, ja altsprachlich san mir und jaja humanistisch doch auch, im Latein dann gelernt & dran erinnert, jetzt, das 'Cicer' doch die 'Kichererbse' bedeute & 'Cicero' damit ein 'Kichererbserich' sei & dass dies der wirklich bescheuerste Name ist, den ich mir für ein neues Magazin so hindenken könnte. & dann Altpapier. |