MEDIEN-KONTOR:NOTIZEN  
So you want to write a fugue?
Notizen


Dienstag, November 30, 2004
Darmträgheit

Keine Strömungen derzeit, höchstens Brisen und Rettungsschwimmer, kein Arschloch der Jahrtausendwende. Es herrscht weitgehend eine Bravheit, dass die Verdauungsorgane ihre Tätigkeit einstellen sollten.
[Der Schriftsteller Michael Lentz beim Dichtertreffen in Tutzingen ("Poesie im 21. jahrhundert"). Quelle: FR]




Bach ist frei

Die Populärkultur wird zum Symbol all dessen, was obligatorisch wird. Hingegen Johann Sebastian Bach, der ist nicht obligatorisch. Bach ist frei. Will ich Bach hören, muss ich eine Aufnahme suchen und manchmal muss ich sehr danach suchen. Und um die Musik zu verstehen, muss ich mich anstrengen. Über diese Hochkultur öffnet sich ein Weg in die Freiheit.
[Der argentinische Schriftsteller César Aira in einem Interview mit der taz]




Heute ...

ist übrigens der 50. Todestag des größten Dirigenten aller Zeiten: Wilhelm Furtwängler. Die sehr gern gelesene Eleonore Büning regt sich zu Recht in der FAZ darüber auf, dass die UNESCO ein Gedenkkonzert für Furtwängler kurzfristig abgesagt hat: Lediglich mündlich erfuhren die Musiker, daß man auf Wunsch oder vielmehr Druck ("pression") einiger Unesco-Delegierter kurzfristig jede Zusammenarbeit aufkündige, um zu vermeiden, daß Name und Ruf ("le nom et l'image") der Unesco mit Namen und Ruf Furtwänglers in Verbindung gebracht würden. Weiterhin, leider nicht (mehr?) online nachlesbar: Es gibt reichlich Künstler und Wissenschaftler, die sich in Hitlers Deutschland opportunistischer und zynischer verhalten haben und nie ins Rampenlicht gerieten [...] Zu schweigen von stalinkontaminierten Komponisten wie Prokofieff oder Schostakowitsch. Danke, Frau Büning.




Freitag, November 26, 2004
Vorsicht, Kuss

Doch schon ein flüchtiger Kuß zwischen dem Recken und seinem Geliebten Hephaistion genügte, um in Amerika fünfundzwanzig griechische Anwälte auf die moralischen Barrikaden und vor Gericht zu treiben. Ihr Sprecher erklärte, man wolle das Einblenden der Zeile "Vorsicht, alles frei erfunden" erzwingen.
[Aus der FAZ. Im Film "Alexander der Große" gibt der Titelheld seinem Geliebten doch tatsächlich einen Kuss.]



Donnerstag, November 25, 2004
10x10

100 words and pictures that Define the Time: 10x10.



Samstag, November 20, 2004
No credit

It's true that I've driven through a number of red lights on occasion. But on the other hand, I've stopped at a lot of green ones - but never gotten credit for it.
[Glenn Gould]



Freitag, November 19, 2004
Hurray der Dummheit

Und während den meisten "VJs" bei Viva und MTV Sprache als notwendiges Übel erscheint, dessen Grundkenntnisse man beherrschen muß, um auf dem Bildschirm das glatte Gesicht zeigen zu dürfen, erfreute Charlotte Roche mit der dank zweisprachiger Erziehung erworbenen Fähigkeit, wortgewandte, geistreiche und witzige Interviews auf englisch wie auf deutsch zu führen.
[Die FAZ über die von "Spex" gemeldete Einstellung von "Fast Forward"]



Reformen: Neue Wörter braucht das Land

Heute: Rettungsfolter
Praktizierte oder angedrohte Folter zur tatsächlichen oder vermeintlichen Rettung Dritter bzw. Bedrohter.



Verdachtsmomente

Die Bundesregierung sagt, der Bürger muss nackt sein, denn angezogen ist er prinzipiell verdächtig.
[Die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über das "Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit" (sprich: Das Ende des Bankgeheimnis), dass es Ämtern und Behörden erlaubt, ohne Grund, Anlaß oder Verdacht Privatkonten einzusehen.]



Donnerstag, November 18, 2004
Projekt Germania

Lehmann und Weiss verteidigten vor allem das geplante Eingangsgebäude als unverzichtbar, wenn Berlin nicht hinter anderen Metropolen zurückstehen wolle. Die "Schatzkammer" Museumsinsel konkurriere nicht mit Bonn, sondern mit Kunstzentren wie Paris oder New York, sagte Lehmann.
[Kulturstaatsministerin Christina Weiss und Klaus-Dieter Lehmann, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, verteidigen die zusätzlichen Ausgabe von 130 Mio. Euro, die zuvor vom Bundesrechnungshof als Steuerverschwendung angeprangert worden waren. Quelle: Spiegel]



Fachmann

Das ist eine technisch gute Mannschaft mit sehr gut bestückten Einzelspieler.
[Jürgen Klinsmann, Trainer der ähem 'Roten', im Gespräch mit Waldemar Hartmann über die Elf von Kamerun.]



Donnerstag, November 04, 2004
Neues vom Rekordmeister

Coole Aussage des Bayern-Pressesprechers zum zweimaligen Besuch von Wurst-Ulli in der Schiedsrichter-Kabine beim Auswärtsspiel am vergangenen Samstag in Mönchengladbach: "Eines steht fest: Ulli Hoeneß hat niemanden beleidigt." Das beruhigt natürlich ungemein! Und - so möchten wir hinzufügen - er ist auch nicht handgreiflich geworden, hat keine schmutzigen Lieder gesungen und auch nicht gerülpst. Bleibt halt einfach nur die frage, was er in der Kabine der sogenannten Unparteiischen überhaupt zu suchen hatte. Naiv wie ich als Fußball-Fan natürlich bin, glaube ich, daß er sich einfach nur verlaufen hatte und die Pfeifen-Männer nach dem Weg in die Bayern-Kabine fragen wollte.

Wieder schön ist natürlich auch die Kommentierung des Lucio-Platzverweises durch die Herren Rumenigge/Beckenbauer. Mal abgesehen davon, daß man Foul, Tritt, Rempler und Scheibenwischer des Sonntags-Kickers aus Brasilien sogar immer noch mit gelb bekarten könnte, stellt sich die Frage: Wie blöd muß man denn sein, um gegen den knapp unter dem Genital des Gegners ruhenden Ball zu treten, wenn der Schiedsrichter zuvor wegen des eigenen Foulspiels das Spiel unterbrochen hat. Das ist natürlich wirklich der "Skandal des Jahres" wie Franz, der Rekord-Schwätzer prompt zu vermelden hat.

Darauf ein Weißbier!



Mittwoch, November 03, 2004
Wahl-Bizz

Journalisten, die vor Ort über die Wahlparty der US-Regierung berichten wollten, mussten 300 Dollar Eintritt bezahlen. Die Eintrittskarte bevollmächtigte sie jedoch lediglich, in einem Zelt außerhalb des Partybereichs das Geschehen am Fernseher zu verfolgen, berichtete die "Washington Post". Wer zudem noch etwas essen wollte, musste 200 Dollar extra bezahlen.